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Consumer Products Industry Global Outlook 2026

Sieben Denkanstöße für die Konsumgüterindustrie

Unternehmen im Konsumgüterbereich sehen sich heutzutage mit erheblichen demografischen, politischen, ökologischen, technologischen und kulturellen Veränderungen konfrontiert, die sich mit großer Geschwindigkeit auf die Branche auswirken. Im Oktober 2025 hat Deloitte eine weltweite Umfrage unter 300 Führungskräften aus der Konsumgüterindustrie durchgeführt, um die zentralen Herausforderungen genauer zu beleuchten. Welche Maßnahmen sollten Entscheidungsträger:innen auf ihrer Agenda für 2026 setzen?

Consumer Products Industry Global Outlook 2026

1. Preisbewusste Verbraucher

Mit dem Anstieg der Inflation und den Preissteigerungen der vergangenen Jahre haben viele Verbraucher:innen das Vertrauen verloren, für ihr Geld noch einen angemessenen Gegenwert zu erhalten. Laut der ConsumerSignals-Umfrage von Deloitte gelten inzwischen 47 Prozent der Verbraucher:innen weltweit – darunter auch 35 Prozent der einkommensstärkeren Haushalte – als „Value Seekers“, die regelmäßig Komforteinbußen in Kauf nehmen und vor allem preis- oder angebotsgetrieben kaufen. Viele Unternehmen sehen diese Entwicklung und die Veränderung des Verbraucherverhaltens als langfristige strukturelle Herausforderungen für ihr Wachstum.

Zugleich wird deutlich, dass selbst preissensible Kund:innen Produkte und Services kaufen, wenn der Gegenwert überzeugend ist. Erfolgreich sind vor allem Marken, die ein überdurchschnittliches Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Zwei zentrale Erfolgsfaktoren solcher Unternehmen sind eine Preisgestaltung, die nicht allein auf maximale Margen abzielt, sondern den Mehrwert für Kund:innen sichtbar macht, und eine Investitionsstrategie, die sich am wahrgenommenen Wert aus Kundensicht orientiert. 

2. Agilität als Schlüssel zum Erfolg

Handelspolitik und internationale Beziehungen stellen heute zentrale Herausforderungen dar, die eine zunehmende Verlagerung hin zu stärker regional ausgerichteten Wirtschaftsstrukturen treiben und ein flexibleres Management erfordern. Bereits heute reagieren zahlreiche Unternehmen mit strategischen Initiativen wie einer stärkeren Inlandsproduktion und einer Neuausrichtung ihres Produktportfolios, um die Abhängigkeit vom Weltmarkt zu reduzieren. 

Mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte rechnet mit Preissteigerungen aufgrund der internationalen Handelspolitik und befürchtet damit Umsatz- und/oder Marktanteilsverluste. Wenn die handelspolitischen Rahmenbedingungen das Wachstum in bestehenden Märkten zunehmend erschweren, werden viele Konsumgüterhersteller den Markteintritt in neue Regionen erwägen. Für das Jahr 2026 erwarten sieben von zehn Führungskräften in Regionen außerhalb ihrer traditionellen Kernmärkte erhebliche Wachstumschancen. Besonders im Fokus stehen Südostasien und Indien, wo Unternehmen ihre Investitionen in Vertrieb, digitale Lösungen und E-Commerce weiter ausbauen werden.

 

3. Mehr Fokus statt Breite

Konsumgüterunternehmen entwickeln sich von breit aufgestellten Konzernen zu Unternehmen, die sich stärker auf ausgewählte Produktkategorien konzentrieren (Abbildung 2). Sie streben vermehrt nach Vereinfachung, Effizienz, schnelleren Innovationszyklen und einer stärkeren Verbraucherrelevanz. 

Außerdem trennen sie sich von wachstumsschwachen Kategorien innerhalb ihres Portfolios und erwerben wachstumsstarke Unternehmen, die noch besser zu ihrer Strategie passen. Große Übernahmen könnten jedoch künftig einer strengeren Prüfung unterzogen werden, um kartellrechtliche Risiken besser zu managen. Daneben gewinnen strategische Kooperationen in Form von Joint Ventures und Partnerschaften an Bedeutung für die Erschließung neuer Märkte. Zusätzlich planen viele Unternehmen eine Rationalisierung ihrer Lagerhaltung. 

4. Vereinfachte Strukturen als Erfolgsfaktor 

Die bestehenden organisatorischen Silos in Konsumgüterunternehmen erhöhen die Komplexität und stehen zugleich für eine überkommene Unternehmenskultur. Um mehr Flexibilität und Fokus zu schaffen, vereinfachen viele Konsumgüterunternehmen ihre Organisationsstrukturen, reduzieren Abhängigkeiten und fördern eine Kultur der Schnelligkeit und Agilität. Dadurch wird mehr Transparenz geschaffen, Kostentreiber werden besser sichtbar und die Entscheidungsfindung wird unterstützt.

Ein entscheidender Hebel ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Flachere Strukturen und durchgängige Prozesse schaffen dafür ideale Voraussetzungen, da sie Daten zentral bündeln und dadurch ermöglichen, Erkenntnisse schneller ins Unternehmen und in den Markt zu überführen. Zusätzlich setzen Unternehmen auf Outsourcing, um organisatorische Kapazitäten für Wachstum freizusetzen, zum Beispiel, um die KI-Integration zu beschleunigen und Risiken besser zu verteilen. Laut Umfrage lagern 59 Prozent der befragten Führungskräfte ihre Kernfunktionen aus oder bilden Kompetenzzentren. 

 

5. Wachstum vs. Neueinstellung

Investoren bewerten Neueinstellungen heute weniger als Zeichen für Wachstum, sondern erwarten vor allem deutlich höhere Produktivität. Für Unternehmen mit größerer Belegschaft bedeutet das, dass Kosteneinsparungen im Jahr 2026 noch wichtiger werden (Abbildung 3).

Produktivität hängt auf vielen Ebenen auch mit einer stärkeren Digitalisierung und dem Einsatz von KI zusammen. Produktivität ist das wichtigste Ergebnis, das Konsumgüterunternehmen von ihren KI Investitionen erwarten. Künstliche Intelligenz erleichtert den Arbeitsalltag und stärkt Mitarbeitende in ihren Aufgaben. Während KI repetitive und administrative Aufgaben übernimmt, können Menschen wieder mehr Kreativität, Urteilsvermögen und verantwortungsvolles Risikomanagement in ihre Rollen einbringen.

6. Wertschöpfungsketten auf dem Prüfstand

Die traditionellen Rollen von Einzelhandels- und Konsumgüterunternehmen werden derzeit neu definiert, wobei 79 Prozent der Führungskräfte hierbei eine Machtverschiebung zugunsten der Einzelhändler sehen. Schließlich verkaufen Händler immer mehr Eigenmarkenprodukte – und 65 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten künftig noch stärkeren Wettbewerb durch Handelsmarken. 

Darüber hinaus verfügen Händler über den Hauptzugang zu wertvollen Verbraucherdaten, die für neue Geschäftszweige essenziell sind. Trotzdem stehen Einzelhändler in einem stark digitalisierten und wettbewerbsintensiven Umfeld vor eigenen Herausforderungen, was eine engere Zusammenarbeit mit Konsumgüterherstellern erforderlich macht. 

Unternehmen sollten gemeinsame Ansätze in den Bereichen Planung, Preisgestaltung, Produktinnovation und Kostensenkung verfolgen, den Mehrwert für Verbraucher:innen in den Mittelpunkt stellen, und prüfen, wie KI neue Kooperationsmöglichkeiten eröffnen kann.

 

7.  Agentische Angebotsseite trifft auf agentische Nachfrage

Für Konsumgüterunternehmen liegen die aktuell vielversprechendsten KI-Anwendungsfelder in den Bereichen Produktinnovation und Marketing – den Bereichen, die laut den befragten Führungskräften maßgeblich zum Wachstum beitragen. Die Unternehmen berichten, dass KI-Investitionen ihnen dabei helfen, in deutlich kürzerer Zeit mehr und bessere Produkte und personalisierte Inhalte zu produzieren, wodurch sich ihr Return on Invest (ROI) erhöht. 

Parallel nutzen auch Verbraucher:innen zunehmend Künstliche Intelligenz: Die Empfehlungen von Chatbots wie ChatGPT und anderen KI-Chats machen bereits 15 bis 20 Prozent des gesamten Referral-Traffics bei einigen Einzelhändlern aus. Die KI verändert die Produktsuche und führt zu einem neuen Wettlauf um digitale Sichtbarkeit („GEO“ statt „SEO“):  Unternehmen möchten sicherstellen, dass ihre Produkte online bei wichtigen Einzelhändlern gefunden werden und verfügbar sind, idealerweise bei solchen, die über KI-gestützte Sofortkauf-Funktionen verfügen. 

Bei der Neuverhandlung der Wertschöpfungskette zwischen Einzelhändlern und Konsumgüterunternehmen sollte der agentenbasierte Handel in Zukunft eine maßgebliche Rolle spielen. Durch die umfassende, gemeinsame Nutzung von Verbraucherinformationen haben Unternehmen und Händler gute Chancen, sich einen Vorsprung zu sichern – insbesondere bei der Auswahl, Preisgestaltung und Darstellung von Angeboten für digitale Agenten.

Mehr Informationen zur Studie finden Sie hier: 2026 Consumer Products Outlook | Deloitte Insights

Methodik

Die Studie basiert auf einer im Oktober 2025 durchgeführten Umfrage unter 300 Führungskräften aus der Konsumgüterindustrie, wobei die Stichprobe der Befragten die geographische und subsektorspezifische Verteilung der weltweit umsatzstärksten 100 Konsumgüterunternehmen proportional abbildet.

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