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Wie ändern sich Verbrauch- und Einkaufsverhalten deutscher Konsument:innen durch die geplante Steuer auf zuckerhaltige Getränke? Bisher geplant: eine zweistufige Besteuerung zuckergesüßter Getränke in Form von 26 Cent pro Liter ab einem Zuckergehalt von fünf Gramm je 100 Milliliter und 32 Cent ab acht Gramm. Ziel ist es, den hohen Zuckerkonsum und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken und -kosten in Deutschland einzudämmen. Für Verbraucher:innen bedeutet die Steuer jedoch angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten und steigender Inflation eine weitere Teuerung im Alltag. Wie werden sie also in ihrem Konsumverhalten reagieren? Unsere repräsentative Befragung von 1.000 Konsument:innen in Deutschland zeigt, dass mehr als drei Viertel bereit sind, den Konsum der künftig steuerpflichtigen Getränke zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.
Nicht bei allen Konsument:innen dürfte die geplante Zuckersteuer das Kaufverhalten gleichermaßen verändern. Für die Analyse unterscheiden wir zwischen Heavy Usern, die zuckerhaltige Getränke mindestens einmal täglich konsumieren (332 der 1.000 Befragten), und Moderate Usern, die mehrmals pro Woche, einmal pro Woche oder seltener zu solchen Getränken greifen (668 Befragte).
Bereits bei einem Aufschlag von 26 Cent pro Liter würden 69 Prozent der Heavy User weniger oder gar nicht mehr kaufen, bei den Moderate Usern wären es sogar 82 Prozent. Bei einem Aufschlag von 32 Cent steigen beide Werte jeweils noch höher an. Dabei würden Heavy User ihren Konsum jeweils häufiger reduzieren, während die Restgruppe deutlich öfter ganz auf die verteuerten Getränke verzichten würde. Mit steigendem Preis wächst damit zwar der Veränderungsdruck in allen Gruppen, der vollständige Ausstieg fällt Heavy Usern jedoch deutlich schwerer. Auch wenn es sich bislang um bekundete Reaktionen und nicht um tatsächlich beobachtetes Verhalten handelt, deuten die Ergebnisse in allen Gruppen auf eine sehr hohe Preissensitivität hin – im Gesamtschnitt wollen nur 23 Prozent der Konsument:innen bei ihrem bisherigen Kaufmuster bleiben, wie Abb. 1 zeigt.
Die Gruppe zeichnen innerhalb der Stichprobe folgende Merkmale aus:
Die Zuckersteuer führt zwar zu einer hohen Veränderungsbereitschaft, bedeutet aber nicht automatisch eine Abkehr vom süßen Geschmack: Zu von Natur aus zuckerfreien – und von Haus aus günstigeren – Getränken wie Wasser oder ungesüßtem Tee würden angesichts der Steuer weniger als die Hälfte der Heavy User greifen. Gerade diese Nutzergruppe neigt stärker dazu, dem süßen Geschmacksprofil treu zu bleiben: So können sich 34 Prozent von ihnen vorstellen, zu neuen, zuckerreduzierten Getränken zu greifen, die den Zuckeranteil zu einem Teil mit Süßstoffen ersetzen und damit von der Steuer befreit wären – siehe Abb. 2. Die Zuckersteuer verändert somit zwar die Produktwahl, der Wunsch nach einem süßen Geschmacksprofil bleibt jedoch bestehen – unabhängig davon, ob die Süße durch Zucker oder Zuckerersatz entsteht.
Hinter der Bereitschaft, den Konsum zu verändern, stehen je nach Nutzergruppe unterschiedliche Motive. Bei Heavy Usern dominiert die Preisorientierung: Für 58 Prozent spielt das Vermeiden des Preisaufschlags eine große oder sehr große Rolle bei der Umorientierung. Nur rund ein Drittel der Gruppe nennt den Wunsch, insgesamt weniger Zucker konsumieren zu wollen, oder eine generell gesündere Ernährung als wichtige Beweggründe. In der moderaten Käufergruppe ist das Bild ausgewogener: Dort sind zwar ebenfalls viele Befragte durch den Preis motiviert, gleichzeitig spielt ein geringerer Zuckerkonsum beziehungsweise eine gesündere Ernährung für mehr als die Hälfte der Befragten eine wichtige Rolle, wie in Abb. 3 deutlich wird. Die Steuer setzt damit gerade bei Heavy Usern vor allem einen finanziellen Anreiz zur Verhaltensänderung, während ein gesundheitliches Umdenken dort deutlich schwerer zu erreichen sein dürfte.
Heavy User setzen auf Bezahlbarkeit statt Veränderung: Sie wollen ihre gewohnten zuckerhaltigen Getränke weiterhin im Regal vorfinden und erwarten vom Handel eine Abfederung der Preissteigerung durch z.B. Rabatte und Eigenmarken der zuckerhaltigen Getränke. Die übrigen Konsument:innen sind deutlich wechselbereiter und erwarten in stärkerem Maße Veränderungen auf Herstellerseite, beispielsweise durch zuckerreduzierte Rezepturen und neue, zuckerärmere Alternativen. Im Supermarkt wünschen sie sich unterstützende Maßnahmen, die ihnen den Wechsel erleichtern, z.B. mehr zuckerfreie oder -reduzierte Getränke im Sortiment – siehe Abb. 4.
Die Zuckersteuer dürfte in allen Nutzergruppen als unmittelbare Reaktion klare Veränderungen bei der Getränkewahl anstoßen und den gesamten Zuckerkonsum stärker in den Fokus rücken. Ob die Steuer Verbraucher:innen zu einem grundlegend gesünderen Einkaufsverhalten bewegen kann, bleibt abzuwarten. Die Befragung zeigt jedoch: Weitergehende Veränderungen wie ein stärkeres Interesse an Ernährungsinformationen oder der aktive Einstieg in eine insgesamt bewusstere Ernährung finden bei rund einem Drittel der Befragten jetzt schon Anklang, wie Abb. 5 zeigt. Die Lenkungswirkung der Steuer ist daher zumindest nicht ausschließlich auf die besteuerte Getränkekategorie begrenzt zu betrachten.
Zur Methodik
Zur Erhebung der Daten wurde eine standardisierte Online-Befragung unter Konsument:innen in Deutschland durchgeführt. Die Befragung fand im Zeitraum vom 16. bis 21. Oktober 2026 statt. Insgesamt nahmen 1.000 Personen teil. Die Stichprobe wurde hinsichtlich Alter und Geschlecht quotiert, um eine repräsentative Verteilung der deutschen Bevölkerung abzubilden.
Zur Auswertung der Ergebnisse
Durch Rundungsdifferenzen kann es bei einzelnen Fragen leichte Abweichungen von der Gesamtsumme 100 geben.
Autor:in
Sara Bodenstein
Die Deloitte Industry Briefings analysieren Themen, die die Branchen bewegen, um kurzfristig und agil auf aktuelle Markentwicklungen und Branchenthemen reagieren zu können.