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TMT Industry Briefing: Smartphone-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen – Wie reagieren Eltern und Anbieter?

Mit Ende der Sommerferien haben diverse Bundesländer ihre Vorschriften zur Handynutzung an Schulen verschärft. Damit rückt der Smartphone-Konsum von Kindern und Jugendlichen noch weiter in die öffentliche Debatte. Viele Eltern wollen ihren Kindern die Teilhabe am digitalen Leben ermöglichen, obwohl ihnen die damit verbundenen Risiken Unbehagen bereiten. Eine Lösung versprechen hier Gerätefunktionen oder Apps, die den Smartphone Konsum der Jüngsten gezielt beschränken und steuern. Diese Anwendungen stoßen auf großes Interesse: 88 Prozent der im Auftrag von Deloitte Befragten1 würden solche Lösungen für ihr Kind nutzen.

Schon seit Jahren sehen Lehrkräfte und Forschende aus den Bereichen Psychologie und Kindermedizin die intensive Smartphone-Nutzung durch Heranwachsende kritisch und warnen vor den negativen Folgen. Diese reichen von Konzentrationsproblemen über eine nur mangelhafte Entwicklung sozialer Kompetenzen bis hin zur Konfrontation mit Cybermobbing. Weiter verstärkt werden diese Probleme durch fehlende Medienkompetenz. Dennoch erfreuen sich Smartphones besonders unter Teenagern einer weitreichenden Verbreitung.2

Eltern im Dilemma

Warum entscheiden sich Eltern dafür, ihrem Nachwuchs ein Smartphone zur Verfügung zu stellen? Tatsächlich befinden sich viele der Erziehungsberechtigten in einem Dilemma: Die Risiken und Nebenwirkungen der Smartphone-Nutzung sind ihnen in der Regel bekannt. Gleichzeitig fragen viele Kinder und Jugendliche sehr aktiv nach einem eigenen Smartphone und üben dabei erheblichen Druck auf Eltern aus – insbesondere, wenn die Geräte im Freundeskreis schon verbreitet sind. Tatsächlich erkennen Mütter und Väter durchaus auch einige positive Effekte: 64 Prozent der Befragten sehen Smartphones als notwendiges Kommunikationsinstrument für ihre Kinder. Klassenchats in WhatsApp oder Verabredungen über Messaging-Tools sollen dem Nachwuchs die Teilnahme am sozialen Leben erleichtern. Darüber hinaus erwarten 59 Prozent der Erwachsenen, dass der Besitz eines Smartphones die Heranwachsenden auf das digitale Arbeitsleben vorbereitet.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt?


In der Praxis stellt sich selten die Frage ob, sondern vielmehr wann Kinder ihr erstes Smartphone bekommen. Eltern müssen in diesem Kontext entscheiden, in welchem Alter sie ihrem Nachwuchs den Umgang mit digitalen Diensten zutrauen. Tatsächlich plädiert die Mehrheit der Deutschen für einen eher späten Start ins Smartphone-Leben, wie unsere Umfrage zeigt. Nur 17 Prozent würden Kindern vor Beendigung der Grundschulzeit ein eigenes Mobilgerät an die Hand geben (s. Abb. 1). Dagegen halten 56 Prozent die Altersspanne zwischen elf und 14 Jahren für angemessen. Jeder Fünfte plädiert sogar dafür, Jugendlichen erst ab 15 Jahren ein eigenes Smartphone zur Verfügung zu stellen.

Jugendschutzangebote als Kompromiss


Einen Kompromiss im Konflikt zwischen den jungen Smartphone-Fans und ihren skeptischen Eltern versprechen Gerätefunktionen und Apps, mit denen sich die Smartphone-Nutzung des Nachwuchses altersspezifisch steuern lässt. Diese können die tägliche Bildschirmzeit beschränken, Berechtigungen für die Nutzung und Installation von Inhalten festlegen sowie unangemessenen Content komplett blockieren. Das Angebot von Aktivitätsberichten schafft zudem Transparenz über die Smartphone-Nutzung der Kinder und Jugendlichen.

Manche Jugendschutz-Apps gehen auf Wunsch noch deutlich weiter: Funktionen wie Standortverfolgung und Geofencing sowie der umfassende Zugriff auf das Smartphone des Kindes – inklusive Kamera, Audio und Bildschirm – geben Eltern nahezu uneingeschränkte Kontrollfunktionen. Möglich ist die Überwachung von Anrufen, Nachrichten und des Browserverlaufs. Manche Apps blockieren zudem selbstständig für Minderjährige nicht geeignete Inhalte und senden eine Live-Warnung an die Eltern bei der Benutzung von Schlüsselwörtern.

In welchem Umfang der Smartphone-Konsum von Kindern und Jugendlichen kontrolliert oder deren Privatsphäre respektiert werden soll, liegt dabei im Ermessen der Eltern. Bei praktisch allen Jugendschutzlösungen ist es aber möglich, die Nutzung schrittweise freizugeben und so flexibel an das Alter und den Reifegrad des Kindes anzupassen. Die genannten Transparenztools dienen jedoch nicht nur der Kontrolle und Einschränkung, sondern eröffnen auch Möglichkeiten für eine qualitative Auseinandersetzung innerhalb der Familie. Sie können den Nachwuchs nachhaltig auf einen reflektierten Umgang mit digitalen Inhalten vorbereiten – ein Ansatz, der auch von nicht wenigen betont wird und einigen Eltern überzeugender erscheint.

 

Klare Präferenz für beschränkte Nutzung

Wie frei sollen Kinder und Jugendliche ihr Smartphone verwenden dürfen? Die große Mehrheit der Deutschen befürwortet den eingeschränkten Zugang (s. Abb. 2). Nur 8 Prozent der Befragten würden ihren Kindern die Smartphone Nutzung uneingeschränkt freigeben. 41 Prozent präferieren die schrittweise Öffnung von Funktionen und Inhalten, 47 Prozent halten sogar eine stark eingeschränkte Nutzung für Kinder und Jugendliche für den richtigen Weg. Die Zahlen zeigen: Aus Sicht der Eltern geht beim Smartphone praktisch nichts ohne Jugendschutz.

TMT-Unternehmen können Vertrauen schaffen
 

In Deutschland werden die negativen Begleiterscheinungen der Smartphone Nutzung durch Kinder und Jugendliche also als relevantes Problem wahrgenommen. Die große Mehrheit der Befragten präferiert zudem einen möglichst späten und beschränkten Start ins Smartphone-Leben. Gerätehersteller, Netzbetreiber und Content-Anbieter müssen sich dieses Stimmungsbild bewusst machen und darausadäquate Schlüsse ziehen.

 

Zwei Themenfelder stehen dabei besonders im Fokus:

 

  • Kinder- und Jugendschutzanwendungen

In Deutschland leben rund 9 Millionen Kinder und Jugendliche im Altersspektrum zwischen sechs und 16 Jahren. Für diese wünscht sich die überwältigende Mehrheit der Eltern einen beschränkten Zugang zu Smartphones. Das Potenzial für Kinder- und Jugendschutzfeatures ist also sehr groß und sollte durch erstklassige Angebote adressiert werden. Auf Anbieterseite zeigen sich aktuell zwei unterschiedliche Strategien: Insbesondere Gerätehersteller und Plattformanbieter wollen mit kostenlosen Angeboten Kindern und Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone näherbringen und gleichzeitig Eltern ein gutes Gefühl geben. Sie selbst profitieren dabei von einer frühen und breiten Kundenbindung. App-Entwickler gehen hingegen derzeit in der Regel den kostenpflichtigen Weg und bieten entsprechende Anwendungen als (Premium-)Abonnements an, die sich so unmittelbar monetarisieren lassen.

 

  • Corporate Digital Responsibility (CDR)

CDR steht länger schon auf der Agenda von Unternehmen aus der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsindustrie. Besonders die großen Netzbetreiber betonen ihre gesellschaftliche Verantwortung und tragen dies mit unterschiedlichen Initiativen und Kampagnen in die Öffentlichkeit. Dazu zählen auch Themen wie Jugendschutz, digitale Kompetenz oder ein bewussterer Smartphone-Konsum. Gerätehersteller positionieren sich in diesem Zusammenhang deutlich schwächer. Indem auch sie ihre Verantwortung für eine altersgerechte Smartphone-Nutzung von Kindern und Jugendlichen deutlicher zeigen, schaffen sie Vertrauen, das schlussendlich auch auf die eigene Marke abstrahlt.

Mitarbeit an der Studie: Colin Gräf

 

1 Im Rahmen einer repräsentativen Online-Erhebung wurden 1.000 Personen aus Deutschland im August 2025 befragt.

2 https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Ab-10-Jahren-haben-meisten-Kinder-eigenes-Smartphone, abgerufen am 26.8.2025.

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