Die neue Studie von Deloitte identifiziert die wichtigsten Trends und Kundenwünsche rund um die private Internetanbindung. Die Ergebnisse zeigen: Die Telekommunikationsbranche steht weiterhin vor einem Dilemma. Zwar tragen spürbare Verbesserungen bei der Netzqualität zu einer hohen Zufriedenheit der Kundschaft bei. Doch eine Folge davon ist auch, dass nach wie vor wenig Interesse an modernen Glasfaseranschlüssen besteht. Außerdem liegen Alternativen wie Satellitenbreitband verstärkt im Trend. Anbieter müssen sich also auf eine langfristige Perspektive bei der Refinanzierung ihrer Glasfaser-Investitionen einstellen.
Ergänzend zur Studie analysiert unser Whitepaper, wie sich europäische Provider den Herausforderungen bei der Monetarisierung stellen können.
Key Takeaways
Von Netzqualität und Glasfaser bis zu Satellitenbreitband, von Mobilfunkmarken bis zu Treueprogrammen: Die sechste Auflage der Broadband Consumer Trends von Deloitte zeigt die wichtigsten Breitband-Themen aus Sicht der Deutschen (bisheriger Titel: Broadband Consumer Survey). Für die Studie wurden im März und April 2026 2.000 Personen in Deutschland online zu Konsumverhalten und Anforderungen befragt. Die repräsentativen Ergebnisse wurden nach Alter und Geschlecht gewichtet – hier geben wir einen Überblick.
Verbesserte Netzqualität, geringe Wechselbereitschaft
Trend 1 beschreibt eine erfreuliche Entwicklung: Die deutschen Netze werden immer zuverlässiger. Bei stationären Internetanschlüssen kommt es in letzter Zeit zu weniger Problemen wie Signalausfällen oder extrem langsamen Verbindungen. Insgesamt sinkt der Anteil derer, die mindestens einmal im Monat oder öfter solche Probleme hatten – zwar langsam, aber stetig. 2026 beträgt er noch 27 Prozent (2025: 31%, 2024: 32%). Ursachen für Probleme sind dabei oft auch in einer unzureichenden Vernetzung im Haushalt zu finden. Trotz der Verbesserung der Netzqualität besteht aber weiterhin eine Zuverlässigkeitslücke im Vergleich zu anderen Versorgungsinfrastrukturen (Wasser, Strom). Noch deutlich stärker fällt die Verbesserung beim Mobilfunk aus, den die Befragten im Vergleich als stabiler wahrnehmen. Nur noch 13 Prozent haben dabei mindestens einmal im Monat Probleme, halb so viel wie im Vorjahr (2025: 26%, 2024: 31%).
Die Kehrseite dieser Medaille verdeutlicht Trend 2: Da sie mit ihren Anschlüssen und deren Stabilität relativ zufrieden sind, haben die Deutschen kaum Interesse an einem Wechsel zu schnelleren Breitbandanschlüssen. Erst 32 Prozent haben einen Anschluss von 250 Mbit/s aufwärts (2025: 29%, 2024: 26%). 22 Prozent kennen die Bandbreite des eigenen Anschlusses nicht. Dem entspricht eine hohe Zufriedenheit mit dem bestehenden Anschluss. Auch bei DSL- und DOCSIS-Nutzung nimmt sie noch zu: 81 Prozent sind 2026 eher zufrieden oder sehr zufrieden (2024: 77%). Bei Glasfaseranschlüssen fällt die Zufriedenheit mit 87 Prozent noch höher aus. Allgemein herrscht vielfach die Befürchtung, dass ein Anschlusswechsel Probleme machen könnte, nach dem Motto: „Never change a running system. Ich bin froh, dass mein Internet vernünftig läuft“. 62 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage explizit zu.
Positive Glasfaser-Erfahrungen, Interesse am Satelliteninternet
Die Nachfrage nach Glasfaser-Internet bleibt zwar verhalten, doch nutzen Haushalte die Technologie erst einmal, dann sind sie laut Trend 3 meistens mit der Leistungsfähigkeit zufrieden. Sie sehen ihre – durchaus hohen – Erwartungen an Glasfaser überwiegend erfüllt (65%) oder gar übertroffen (15%). Immerhin sind insgesamt knapp zwei Drittel aller Befragten grundsätzlich aufgeschlossen für Glasfaser oder nutzen sie schon. 21 Prozent sind schon angebunden und nutzen die Technologie, 17 Prozent haben einen Vorvertrag, weitere 26 Prozent sind interessiert.
Trend 4 betrifft das satellitenbasierte Internet, für das sich 39 Prozent grundsätzlich interessieren (2025: 35%), was auch an der verstärkten medialen Präsenz des Themas liegen dürfte. Bei jüngeren Befragten ist dieses Interesse sogar deutlich stärker ausgeprägt (18 –24 Jahre: 56%, 65+ Jahre: 20%). Gut sind die Aussichten für Smartphone-basiertes Satelliteninternet: Ein Drittel der Befragten wären bereit, für diese Option einen monatlichen Aufpreis von fünf Euro zu bezahlen.
Technologische Souveränität und Mobilfunk als Home-Internet
Wie stark ist die Telekommunikationsinfrastruktur in Deutschland von ausländischen Akteuren abhängig? Diese in Zeiten verschärfter geopolitischer Spannungen besonders aktuelle Fragestellung thematisiert Trend 5. Knapp die Hälfte sieht hier eine moderate oder starke Abhängigkeit (48%), was bei den jüngeren Befragten stärker ausgeprägt ist. Allerdings sind nur 30 Prozent insgesamt bereit, deshalb unabhängig von der Leistungsfähigkeit mehr Geld für ein rein europäisches Telekommunikationsnetz zu bezahlen. Die Bereitschaft ist bei Jüngeren höher.
Keine großen Zuwächse sind beim Mobilfunk als Home-Internet-Zugang zu verzeichnen, so Trend 6. Demnach stagniert die grundsätzliche Bereitschaft zum Wechsel zu Fixed Wireless Access (FWA) auf hohem Niveau (2026: 44%, 2025: 43%). Im Vergleich der unterschiedlichen Altersgruppen sind ältere Personen dabei mit 27 Prozent eher zögerlich (65+ Jahre), bei den 18- bis 24-Jährigen wären mit 60 Prozent die meisten zum Wechsel bereit.
Technologische Souveränität gewinnt an Bedeutung – doch sie ist für viele kein Kaufargument. Zwischen geopolitischem Anspruch und begrenzter Zahlungsbereitschaft entsteht für Anbieter ein klares strategisches Dilemma.
Ralf Esser, Leiter Sector Insights & Studies | Senior Manager, Deloitte Deutschland
Geringe Markenbindung, jedoch starkes Interesse an Treueprogrammen
Trend 7 erfasst den Umstand, dass junge Menschen die Mobilfunkmarke im Vergleich zur Marke des Smartphones eher unwichtig finden. In der Altersgruppe 18–24 Jahre schließen sich 45 Prozent dieser Position an, 19 Prozent lehnen sie ab. Bei den älteren Befragten dreht sich die Bewertung fast exakt um: 21 Prozent stimmen zu, 47 Prozent lehnen ab (65+ Jahre). Trend 8 beschreibt schließlich die hohe Bedeutung von Treueprogrammen: 39 Prozent finden es wichtig, dass ihr Telekommunikationsanbieter derartige Programme anbietet (Prämien usw.). Auf diese Maßnahme sollten Unternehmen also besser nicht verzichten.
Glasfaser, Telekommunikation, Internet: Die Handlungsfelder für 2026
Wie sollten Unternehmen aus dem Telekommunikationssektor vor diesem Hintergrund agieren? In der neuen Glasfaser Studie werden die wichtigsten Handlungsfelder der Branche für 2026 vorgestellt:
Wer Glasfaser nutzt, ist überzeugt: Über 80 Prozent der Nutzer sehen ihre Erwartungen erfüllt oder übertroffen – doch gleichzeitig fehlt vielen Haushalten der Anreiz zum Wechsel.
Dieter Trimmel, Offering Portfolio Lead Strategy & Business Design | Business Strategy & Transactions | Partner, Deloitte Deutschland
Welche strategischen Handlungsfelder sich daraus für Telekommunikationsanbieter ableiten lassen und welche Trends den Markt 2026 prägen, zeigt der aktuelle Report. Laden Sie hier die vollständige Studie „Broadband Consumer Trends 2026“ herunter und erfahren Sie alle Ergebnisse im Detail.
Der Glasfaserausbau steht vor einem strategischen Dilemma: Hohe Investitionen treffen auf stagnierende Nachfrage und sinkende Durchschnittserlöse – zudem konkurrieren Technologien wie Fixed Wireless Access (FWA) und Satelliten-Breitband um die Kundengunst. Wie können Anbieter angesichts dessen die nötigen Erlöse und Marktdurchdringungsraten erzielen? Unser Whitepaper untersucht, wie neue Geschäftsmodelle, höhere Aktivierungsraten, clevere Marketingstrategien, Partnerschaften und zusätzliche Einnahmequellen hier Abhilfe schaffen können.
Glasfaser Studie 2025
Von Gigabit-Träumen und Verbindungsabbrüchen
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