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TMT Predictions 2026

Welche Trends prägen die Technologie-, Medien- und Telekommunikationsindustrie (TMT) in Deutschland?

Zwei Makro-Trends beherrschen in den kommenden Monaten die TMT-Branche in Deutschland: Künstliche Intelligenz (KI) tritt in eine neue Phase und verliert nichts von ihrer enormen Relevanz, daneben gewinnt der Wunsch nach digitaler Souveränität besonders in Europa stark an Bedeutung. Doch auch neue Entwicklungen in der Telekommunikations- und Medienindustrie werden 2026 wichtig. So sorgen Netzbetreiber mit Loyalitätsprogrammen für Kundenzufriedenheit auch außerhalb von schnellen Infrastrukturen. Im Video-Segment erobern Mikroserien ein mobiles Publikum.

Auch in diesem Jahr identifizieren die Deloitte TMT Predictions jene Branchenentwicklungen, die in den kommenden zwölf Monaten besonders relevant werden. Dabei stehen keine fernen Zukunftsvisionen im Fokus, sondern greifbare Trends, die schon 2026 ihre Wirkung entfalten werden. Hierbei zeigt sich: Wie selten zuvor sehen sich die Akteure innerhalb der deutschen TMT-Branche mit einer Vielzahl unterschiedlichster Themen konfrontiert. Sie müssen nicht nur das transformative Potenzial von KI managen, sondern zunehmend auch geopolitische Risiken beobachten und bewerten. Hinzu kommt die ohnehin hohe Innovationsdynamik der TMT-Branche, die seit Jahren regelmäßig neue digitale Produkte hervorbringt – und dies absehbar auch 2026 tun wird.

Technologie und Künstliche Intelligenz

  • KI Agenten: Mehrwert durch Orchestrierung
    Deloitte erwartet, dass im Bereich autonomer KI-Agenten die bisherigen Umsatzprognosen um 15 bis 30 Prozent übertroffen werden könnten und der globale Markt bis 2030 potenziell auf bis zu 45 Milliarden US-Dollar wächst. Voraussetzung dafür ist, dass Unternehmen entsprechende Lösungen besser orchestrieren. Dabei dürften sich Multi-Agent-Systeme in erster Linie dort als effektiv erweisen, wo die Unternehmen konsequent deren Interoperabilität optimieren und Arbeitsabläufe gezielt anpassen.
  • Generative KI: Nutzungs-Boost dank Suchmaschinen
    Ab 2026 werden in Deutschland und weltweit mehr Menschen Generative KI in bestehenden Anwendungen nutzen als über eigenständige Tools, so die Deloitte-Prognose. Besonders stark steigt der Zugriff auf KI innerhalb von Suchmaschinen, weil diese immer häufiger eine Zusammenfassung von Ergebnissen bereitstellen. Solche Anwendungsfälle werden im kommenden Jahr um 300 Prozent verbreiteter sein als die Nutzung von eigenständigen KI-Tools. Deren Anbieter wiederum können durch eine Integration ihrer Technologie in bestehende Mainstream-Anwendungen ihre Nutzerbasis deutlich schneller ausbauen.
  • KI-Rechenleistung: hoher Bedarf trotz neuer Schwerpunkte
    Deloitte erwartet, dass sich die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in den nächsten Monaten weg vom Training von KI-Modellen hin zu deren großflächigem Einsatz verschiebt. Das Ausführen von KI-Modellen, die sogenannte Inferenz, wird 2026 zwei Drittel der gesamten KI-Rechenleistung ausmachen. Entgegen vielen Erwartungen führt dies nicht zu mehr Edge-Computing, bei dem potenziell kostengünstigere Chips mit geringerem Stromverbrauch verwendet werden. Stattdessen prognostiziert Deloitte, dass der Großteil der Inferenz weiterhin in Rechenzentren und auf lokalen Unternehmensservern stattfindet, wo üblicherweise leistungsfähige und stromintensive KI-Chips zum Einsatz kommen.

Künstliche Intelligenz bleibt 2026 das TMT-Schlüsselthema. Daneben wird der Ruf nach digitaler Souveränität besonders in Deutschland und Europa immer lauter.

- Dr. Andreas Gentner, Partner und Industry Lead Technology, Media & Telecommunications

Digitale Souveränität und Resilienz

Die Rivalität zwischen Handelsmächten sowie instabilere Partnerschaften haben zuletzt zu einer Fragmentierung der globalen TMT-Märkte und -Lieferketten geführt. Auch und besonders in Deutschland werden Unternehmen und Politik in den nächsten Monaten auf solche Entwicklungen reagieren. Zwei spezifische Vorhersagen illustrieren den Handlungsbedarf:

  • Halbleiter-Lieferketten: alte Herausforderungen, neue Relevanz
    2026 werden Chip-Technologien und Software-Tools zu Engpassfaktoren in globalen Lieferketten – insbesondere dort, wo sie fortschrittliche KI-Modelle ermöglichen. Denn viele Hightech-Prozesse und -Materialien in Halbleiterbereich sind von einer Handvoll Lieferanten abhängig, deren Dominanz manche Regierungen dazu veranlasst, strategische Handelsbarrieren zu errichten. Dabei sind fragile Lieferketten bei High-End-Chips kein neues Phänomen. Doch angesichts geopolitischer Spannungen und der enormen Bedeutung von KI bekommt das Thema in den kommenden Monaten besonders auch für deutsche und europäische Akteure eine zusätzliche Relevanz.
  • Digitale Souveränität: die neue Ära der Selbstständigkeit
    Deloitte erwartet, dass sich 2026 der Wandel hin zu technologischer und digitaler Souveränität beschleunigt. Dies gilt besonders für Deutschland und Europa. Dabei werden in den nächsten zehn Jahren erhebliche Investitionen in Cloud Computing, Halbleiter, Rechenzentren, KI-Modelle, Konnektivität und Satellitenkommunikation fließen. Im zunehmend komplexen und unsicheren Weltgeschehen steigt der Wunsch, mehr direkte Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur zu übernehmen. Dies gilt insbesondere für jene Bereiche, die mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben.

Telekommunikation

Aktuelle Deloitte-Studien bestätigen: Die Deutschen sind zufrieden mit ihren bestehenden Telekommunikationsanschlüssen und zeigen bislang nur geringe Wechseltendenzen. Offen ist, ob und in welchem Umfang neue Entwicklungen auf der Angebotsseite in den nächsten Monaten Veränderungen auslösen werden. Zwei Telekommunikations-Predictions belegen, dass der Markt auch 2026 in Bewegung bleibt:

  • Satelliteninternet: globaler Boom mit Fragezeichen
    Die Zahl der Kommunikationssatelliten in niedriger Erdumlaufbahn (LEO) könnte laut Deloitte-Prognose Ende 2026 auf 18.000 steigen. Diese Satelliten werden dann über 15 Millionen Menschen weltweit versorgen. Ausgaben für entsprechende Infrastrukturen erreichen in den kommenden Monaten 6 bis 8 Milliarden US-Dollar. Auch wegen des in Deutschland geäußerten Verbraucherinteresses werden Satelliten absehbar auch hierzulande zu einem relevanten Teil im Infrastrukturbaukasten. Darüber hinaus erobern Satellitenanbieter immer mehr Telekommunikationsmärkte in Schwellenländern mit kostengünstigen Breitbanddiensten.
  • Breitbanddienste: Geschenke schlagen Gigabits
    Im Jahr 2026 gewinnen Loyalitätsprogramme von Mobilfunkanbietern auch in Deutschland an Bedeutung. Denn das Angebot hoher Bandbreiten ist derzeit für Netzbetreiber kein ausreichendes Differenzierungsmerkmal, wie aktuelle Konsumentenbefragungen belegen. Zudem stehen keine revolutionären Geräte oder transformativen Anwendungen in den Startlöchern, die dies ändern könnten. Somit bleiben Loyalitätsprogramme in den kommenden Jahren bedeutsam, um Churn zu verhindern und Marktanteile zu gewinnen.

Medien

In einer umfassend digitalisierten Medienindustrie erreichen globale Trends immer schneller auch den deutschen Markt. Dies zeigt sich aktuell am Erfolg von Mikroserien, die nach Asien und den USA 2026 auch Deutschland erobern werden. Zwei Entwicklungen werden in den nächsten Monaten für die deutsche Medienbranche wichtig:

  • Mikroserien: Kleine Episoden, große Anziehungskraft
    Deloitte prognostiziert, dass sich das Umsatzwachstum von Mikroserien bis 2026 mehr als verdoppelt und weltweit 7,8 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Mikroserien, die kurze, für Mobilgeräte optimierte Video-Episoden erzählen, verändern dabei die globalen Sehgewohnheiten und haben inzwischen auch Deutschland erreicht. Sie verbinden die Bequemlichkeit von Short-Form mit serialisiertem Storytelling und sprechen ein fragmentiertes, mobiles Publikum an. Unabhängige Produzenten bauen hierzu aktuell schlanke und agile Studios auf, die potenziell eine Herausforderung für größere und traditionellere Studios darstellen.
  • Video-Podcasts: neue Konkurrenz für traditionelle Videos
    Die weltweiten Werbeeinnahmen aus Podcasts und Video-Podcasts (Vodcasts) erreichen Deloitte-Berechnungen zufolge im Jahr 2026 etwa 5 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders Vodcasts gewinnen dabei an Bedeutung, indem sie Audio-Storytelling mit visueller Attraktivität verbinden. Damit stehen sie in direkter Konkurrenz zu TV- und Streaming-Plattformen und könnten bald einen noch größeren Anteil der Bildschirmzeit auch deutscher Zuschauer einnehmen. Schlüssel zum Erfolg sind dabei Fortschritte bei Auffindbarkeit, Monetarisierung und Skalierbarkeit.

Auch außerhalb der großen Makro-Trends bleibt die TMT-Branche innovativ. Es ist bemerkenswert, in welchem Tempo Innovationen aus dem Ausland in digitalisierten Märkten auch in Deutschland auf Nutzerinteresse treffen.

- Ralf Esser, Leiter Industry und TMT Research DE

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