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Studie zur Transformation der Steuerfunktion: Let’s Talk Tax 2026

Die deutsche Steuerfunktion im Wandel

Die Zukunftsfähigkeit der Steuerfunktion in Deutschland entscheidet sich durch eine ganzheitlichen Transformation – von der strategischen Ausrichtung als Business Partner über Prozesse und Technologien bis hin zu einem neuen, hybriden Rollenprofil der Mitarbeitenden.

Zielsetzung der Studie

Die Steuerfunktion deutscher Unternehmen steht an einem strukturellen Wendepunkt. „Let’s Talk Tax 2026“ analysiert auf Basis von 80 Experteninterviews mit Steuerleiter:innen, wie sich Rollenverständnis, Operating Model, Governance sowie Daten- und Technologiearchitekturen unter wachsenden regulatorischen und digitalen Anforderungen weiterentwickeln.

Die Studie zeichnet ein belastbares Gesamtbild der gegenwärtigen Ausgestaltung und des Reifegrades dieser Transformationsinitiativen der deutschen Steuerfunktion. Zudem macht sie sichtbar, wo strategische Ambition und operative Realität auseinanderliegen, und ordnet zentrale Einflussfaktoren der Transformation systematisch ein. Sie bietet eine fundierte Perspektive auf die künftige Positionierung der Steuerfunktion im Unternehmensgefüge – praxisnah reflektiert, analytisch verdichtet und mit einem klaren Blick für umsetzbare Entwicklungspfade in einem zunehmend integrierten, datengetriebenen Umfeld.

Zur Methodik

Die Studie folgt einem zweistufigen Mixed-Methods-Ansatz, bestehend aus einer standardisierten quantitativen Befragung und anschließenden semistrukturierten Experteninterviews. Die Stichprobe umfasst 80 leitende Steuerverantwortliche, die im Rahmen eines Purposive Samplings gezielt aufgrund ihrer strategischen und operativen Entscheidungsbefugnisse ausgewählt wurden. Dieses Vorgehen ermöglicht eine belastbare Verbindung quantitativer Ergebnisse mit vertiefenden qualitativen Einsichten in deutsche Steuerfunktionen.

Der organisatorische Aufbau der Steuerabteilung gewinnt branchenübergreifend an Bedeutung, insbesondere aufgrund des steigenden Budgetdrucks. Während der klassische Organisationsaufbau nach Steuerarten häufig die Ausgangsstruktur bildet, wird er zunehmend durch funktionale Elemente ergänzt. In diesem Zuge werden operative, standardisierbare Tätigkeiten vermehrt in Shared Service Center als mittelfristige Lösung ausgelagert, bis Technologien als Substitutionshebel wirken (Nearshoring-Ansatz: „Excellence Center“ vs. Offshoring-Ansatz: langfristig Substitution durch Automatisierung). 

Parallel wird die digitale Transformation konsequent vorangetrieben und häufig durch externe Berater:innen unterstützt, auch wenn eine End-to-End-Automatisierung bislang vielfach noch nicht realisiert ist. Insgesamt entwickelt sich die Steuerfunktion damit zu einem hybriden Modell, das interne Beratung, Steuerung und Governance fokussiert, während das operative Geschäft weitreichend ausgelagert wird, um dem wandelnden Rollenprofil gerecht zu werden.

Das Selbstverständnis der Steuerabteilung entwickelt sich zunehmend weg von einer rückwärtsgewandten, primär fristenorientierten Aufgabenwahrnehmung hin zu einer integrierten, vorausschauenden und aktiv mitgestaltenden Funktion, die das laufende Geschäft sicher, konsistent und wertschaffend begleitet. Steuerverantwortliche gewinnen dabei als Business- und Valuepartner:innen an Bedeutung und verfolgen den Anspruch, steuerliche Fragestellungen frühzeitig und strategisch in operative Abläufe einzubinden, um die steuerliche Compliance verlässlich abzusichern.

In der Konsequenz wird die lückenlose Einhaltung der Compliance zur zentralen Bemessungsgrundlage und geht zugleich mit einer zunehmenden Rolle als zentrale Steuerungsfunktion unternehmerischer Wertschöpfung einher. Der Umsetzungsgrad dieses Rollenwandels ist dabei individuell ausgeprägt und erfolgt schrittweise durch die Ressourcenbindung an deklaratorische Prozesse.

Die Einhaltung der zunehmenden Regulatorik, wie Pillar 2, E-Invoicing, Echtzeit-Reporting und ViDA, wird als größte Herausforderung eingeordnet. Gleichzeitig gaben rund 20 Prozent der teilnehmenden Heads of Tax an, derzeit nicht ausreichend auf bestehende Compliance-Anforderungen vorbereitet zu sein. 

Vor diesem Hintergrund stoßen bestehende Tax-CMS-Strukturen durch ihren Fragmentierungsgrad an ihre Grenzen: Compliance wird vielfach entlang einzelner Länder oder Steuerarten organisiert, erschwert durch eine fragmentierte System- und Tool-Landschaft. Entsprechend wächst der Bedarf an einer koordinierten, End-to-End ausgerichteten Steuerung von Daten, Prozessen und Systemen, die über Ländergrenzen hinweg funktioniert und gleichzeitig lokale Besonderheiten berücksichtigt. Damit entwickelt sich die Regulatorik zum Treiber der digitalen Transformation der Steuerfunktion.

Die Prozesslandschaft deutscher Steuerfunktionen zeigt ein zweigeteiltes Bild: Während Umsatzsteuerprozesse in vielen Unternehmen bereits weitgehend standardisiert und automatisiert sind, bleiben Ertragssteuerprozesse aufgrund ihrer geringen Wiederholungsfrequenz, hohen fachlichen Variabilität und ihres projektartigen Charakters häufig fragmentiert und manuell geprägt. Entsprechend steht im Digitalisierungsdreiklang aus Standardisierung, Digitalisierung und Automatisierung die Standardisierung im initialen Fokus.

Als zentrale Voraussetzung für Automatisierungsinitiativen werden dabei ERP-Transformationen gesehen, insbesondere hinsichtlich der Schaffung einer geeigneten Datenbasis. In der praktischen Umsetzung sind bereits zum aktuellen Zeitpunkt zunehmend strategische Teilautomatisierungen zu beobachten: Standardisierung und Automatisierung werden gezielt dort umgesetzt, wo sie wirtschaftlich und operativ sinnvoll sind, während komplexe und unregelmäßig anfallende Prozesse bewusst manuell verbleiben. 

Die Schaffung einer geeigneten Datenbasis gilt als die fundamentale strukturelle Herausforderung der digitalen Transformation. Eine datengetriebene Echtzeit-Entscheidungsgrundlage ist in vielen Steuerabteilungen bislang nicht gegeben, da steuerrelevante Daten häufig weder zentral zugänglich noch vollständig harmonisiert sind und nicht auf Knopfdruck abgerufen werden können. Zudem wird die Datenqualität oft als unzureichend bewertet, was zeitaufwendige Korrekturschleifen zur Folge hat. In Zuge dessen begrenzt eine fehlende integrierte und harmonisierte Datenbasis den Erfolg weitgehender Automatisierungsmaßnahmen.

Langfristig besteht das Zielbild daher in der Schaffung von Strukturen, die basierend auf einer strategischen Standardisierung sowie einem ganzheitlichen Datenmanagement weitreichende Automatisierungsbestrebungen ermöglichen und eine datengetriebene Steuerfunktion schaffen.

Die bestehenden Systemarchitekturen sind häufig durch einen hohen Fragmentierungsgrad und eine Vielzahl unterschiedlicher Einzellösungen geprägt, wodurch die Automatisierungsbestrebungen bislang primär punktuell greifen. Die erhofften End-to-End-Automatisierungen erfordern eine konsequente Reduzierung der Komplexität, eine strategische Budgetallokation und eine ganzheitliche Entscheidungskompetenz entlang der Organisations-, Daten- und Technologiearchitektur.

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine plattformzentrierte Ausrichtung der Steuerfunktion an Bedeutung. Im Fokus stehen dabei zwei Entwicklungen: Eine konsolidierte, integrierte Plattformarchitektur, die interne Fragmentierung überwindet, Workflows bündelt und agentenbasierte KI-Funktionen einbettet, sowie eine modernisierte, interoperable digitale Infrastruktur der Finanzverwaltungen, die eine skalierbare Automatisierung erstmals in größerem Umfang ermöglicht.

Die digitale Transformation und das veränderte Selbstverständnis der Steuerfunktion führen zu einem erweiterten Kompetenzprofil für Mitarbeitende der Steuerabteilung. Ein innovationsorientiertes Mindset, ausgeprägte Kommunikationsstärke und teamübergreifende Kollaborationsfähigkeit gewinnen deutlich an Bedeutung. Zugleich werden Prozessverständnis, Schnittstellenkompetenz und IT-Affinität zu zentralen Qualifikationsmerkmalen in einem zunehmend datengetriebenen Umfeld.

Digitalisierung und Automatisierung gelten dabei nicht nur als Effizienzhebel, sondern als strukturelle Antwort auf die begrenzte Skalierbarkeit personalintensiver Modelle, insbesondere vor dem Hintergrund eines sich weiter verengenden Talentmarktes.

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Teilnehmerstruktur

80

Heads of Tax oder Personen in gleichwertigen leitenden deutschen Steuerfunktionen wurden interviewt

20+

Industrien u.a. Industrieprodukte & Bauwesen, Automobil

95%

der befragten Unternehmen agieren international