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ESG-Tool Survey 2026

Datenqualität, Medienbrüche und mangelnde Integration bleiben die größten Hürden der ESG-Digitalisierung

CSRD-Reporting, EU-Taxonomie, Klimarisiken: Viele Finanzinstitute haben in den vergangenen Jahren unter hohem Zeitdruck Prozesse aufgebaut, neue Datenquellen angebunden und erste Tool-Lösungen eingeführt. Nach den ersten Berichtserfahrungen verschiebt sich der Fokus nun deutlich: Entscheidend ist nicht mehr nur, ob ESG-Daten erhoben werden, sondern ob sie konsistent, nachvollziehbar und ohne wiederkehrende manuelle Abstimmungen für Reporting, Risikomanagement und Steuerung genutzt werden können.

Hier setzt unsere aktuelle Umfrage zur ESG-Tool-Landschaft 2026 an. Sie untersucht, welche ESG-Tools heute tatsächlich genutzt werden, welche Herausforderungen Institute dabei erleben und welche Anforderungen sie an die nächste Entwicklungsstufe ihrer ESG-Architektur stellen.

Key Takeaways

  • Die Befragung wurde im zweiten Quartal 2026 unter 33 Finanzinstituten und Versicherungen durchgeführt und untersucht die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung, die ESG-Risikosteuerung sowie die ESG-Tool-Landschaft und Digitalisierung.
  • Für Unternehmen wird die Verknüpfung von Daten, Prozessen und Systemen zum entscheidenden Erfolgsfaktor, um ESG-Daten effizient für Reporting, Risikomanagement und Steuerung zu nutzen.
  • Der Fokus liegt auf Konsolidierung, Automatisierung und einer besseren Datenbasis, um manuelle Aufwände zu reduzieren und ESG-Initiativen wirksamer zu steuern.

ESG Tool Survey 2026

Status Quo und zentrale Herausforderungen

Die eigentliche Herausforderung: Von Insellösungen zu integrierten ESG-Prozessen 

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist auf den ersten Blick überraschend: Die größten Herausforderungen liegen nicht primär im Mangel an Tools. Heutzutage gibt es für nahezu jeden ESG-Anwendungsfall spezialisierte Lösungen. Vielmehr erschweren

  • unzureichende Datenqualität, 
  • Medienbrüche und 
  • fehlende Schnittstellen 

in vielen Häusern die effektive Verzahnung bestehender Lösungen.

Die Realität ist geprägt von fragmentierten Systemlandschaften, in denen Daten, Prozesse und Steuerungslogiken nicht konsistent zusammenspielen. Das Ergebnis sind hohe manuelle Aufwände, redundante Tätigkeiten und ESG-Daten, die nur eingeschränkt für andere Zwecke als das Reporting genutzt werden können.

Für Institute bedeutet das: Die Auswahl eines geeigneten ESG-Tools ist nur ein Teil der Lösung. Solange Daten in unterschiedlichen Systemen vorliegen, mehrfach aufbereitet werden müssen und nicht konsistent für Reporting, Risikosteuerung und Managemententscheidungen verfügbar sind, bleiben manuelle Aufwände hoch und die Nutzung von ESG-Daten begrenzt. Der nächste Entwicklungsschritt liegt daher in der stärkeren Integration von Daten, Prozessen und Systemen.

Daten: Engpass und gleichzeitig der Schlüssel zur Transformation bei ESG-Tools

Kaum überraschend, aber in ihrer Deutlichkeit bemerkenswert: Daten sind und bleiben der zentrale Engpass.

Rund drei Viertel der befragten Institute nennen Datenqualität und Datenverfügbarkeit als Fokus für die kommenden Jahre. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von externen Datenanbietern für mehr als die Hälfte der Institute eine zentrale Herausforderung.

Die Folgen sind unmittelbar spürbar: Kennzahlen müssen mehrfach abgestimmt werden, Herkunft und Verarbeitung einzelner Datenpunkte sind schwerer nachzuvollziehen, und ESG-Informationen lassen sich nur eingeschränkt in Risikomodelle oder Steuerungsprozesse überführen. Gerade in der ESG-Risikosteuerung verhindern fehlende oder inkonsistente Daten eine belastbare Quantifizierung von Klima- und Transitionsrisiken.

Die Implikation liegt auf der Hand: Wer ESG nicht nur berichten, sondern für Entscheidungen nutzen möchte, braucht eine Datenarchitektur mit definierten Quellen, Verantwortlichkeiten, Qualitätskontrollen und Übergaben zwischen Fachbereich, Risiko, Finance und Nachhaltigkeit.

Viele Institute wollen ESG stärker steuern, stehen operativ aber noch am Anfang

Die Umfrage zeigt zwei gleich starke Entwicklungslinien: Einerseits bleibt Nachhaltigkeitsberichterstattung vor allem stark regulatorisch geprägt und getrieben. Andererseits soll sie stärker in Unternehmensreporting, Risikosteuerung und Managemententscheidungen integriert werden.

Gleichzeitig dominieren klassische Herausforderungen: komplexe und teilweise unklare regulatorische Anforderungen sowie hohe Abhängigkeiten von externen Datenquellen.

Auffällig ist, dass Zielbild und operative Umsetzung noch nicht überall zusammengeführt sind. Während viele Institute die Integration von ESG in ihre Gesamtsteuerung als Zielbild definieren, stehen sie operativ noch am Anfang dieses Weges.

Dies zeigt sich auch in den Prioritäten für die kommenden Jahre: Neben der Verbesserung der Datenbasis stehen Automatisierung sowie Effizienzsteigerungen klar im Fokus.

Tool-gestützte ESG-Risikosteuerung: Große Ambitionen, begrenzte Umsetzung

Auch in der ESG-Risikosteuerung zeigt sich, dass Zielbild und operative Verankerung noch nicht durchgängig übereinstimmen.

Zwar gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung, z. B. im Kontext von Transitionsplänen, doch die tatsächliche Integration in bestehende Risikosteuerungsprozesse ist häufig noch unvollständig. 

Auch hier dominieren Datenprobleme das Bild. Insbesondere bei der Modellierung von ESG- und Klimarisiken stellen Datenqualität und -verfügbarkeit die größten Hemmnisse dar. 

Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen wie

  • die Integration in bestehende Modelle,
  • die Langfristigkeit von Prognosen
  • sowie regulatorische Unsicherheiten

Diese Faktoren führen dazu, dass ESG-Risiken zwar konzeptionell adressiert werden, ihre operative Verankerung jedoch oft hinter den Erwartungen zurückbleibt.

ESG-Tool-Landschaft: Fragmentiert, heterogen und oft noch analog geprägt

Die aktuelle Tool-Landschaft ist häufig fragmentiert mit einem Mix aus Standardlösungen, Eigenentwicklungen und Excel-basierten Tools.

Die Anforderungen der Institute zeigen dabei ein klares Muster: Gefragt sind Lösungen, die Daten aus unterschiedlichen Quellen konsolidieren, Übergaben zwischen Nachhaltigkeit, Risiko und Finance reduzieren und wiederkehrende Berichtsschritte stärker automatisieren. Es geht damit weniger um die nächste Insellösung, sondern um eine verlässliche Prozess- und Datenbasis über mehrere Anwendungsfälle hinweg.

Solche Plattformansätze können manuelle Abstimmungen reduzieren, Verantwortlichkeiten transparenter machen und die Nachvollziehbarkeit für interne Kontrollen sowie externe Prüfung erhöhen. Vor dem Hintergrund begrenzter Budgets liegt der Fokus vieler Institute weniger auf zusätzlichen Funktionalitäten als auf der Beseitigung von Medienbrüchen und Mehrfacharbeiten. Ziel ist es, ESG-Daten über verschiedene Anwendungsfälle hinweg konsistent nutzbar zu machen und manuelle Abstimmungen bei der Datenpflege und dem Datenaustausch über Fachbereiche und Systeme hinweg zu minimieren.

Begrenzte Investitionsbereitschaft trotz bestehender Herausforderungen

Obwohl Datenqualität, Integration und Automatisierung bei vielen Instituten auf der Agenda stehen, bleibt die Investitionsbereitschaft für neue ESG-Tools begrenzt.Gut ein Drittel der Institute plant konkrete Investitionen in ESG-Tools innerhalb der nächsten drei Jahre.

Gleichzeitig bleiben die Zielsetzungen eindeutig:

  • Verbesserung der Datenqualität
  • Effizienzsteigerung
  • stärkere Integration von Systemen und Prozessen

Die Zurückhaltung bei Investitionen spricht dafür, dass viele Institute zunächst ihre bestehende Tool-Landschaft konsolidieren, Schnittstellen schließen und Datenprozesse stabilisieren wollen, bevor sie größere Technologieprogramme starten. Gerade deshalb ist eine klare Priorisierung wichtig: Investitionen sollten dort ansetzen, wo sie manuelle Aufwände, Prüfungsrisiken oder Medienbrüche tatsächlich reduzieren.

Zentrale Erkenntnisse der Umfrage

Die Umfrage zeichnet das Bild eines Marktes, der die Aufbauphase weitgehend hinter sich gelassen hat. ESG-Tools sind in vielen Instituten bereits etabliert und werden für unterschiedliche Anwendungsfälle eingesetzt. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die größten Herausforderungen heute weniger in fehlenden Lösungen liegen als in der Weiterentwicklung bestehender Strukturen.

Drei Entwicklungen zeigen sich dabei besonders deutlich:

1. Konsolidierung statt Neuaufbau: Viele Institute priorisieren derzeit die Weiterentwicklung bestehender Lösungen. Trotz identifizierter Herausforderungen bleiben die Investitionspläne für neue ESG-Tools vergleichsweise zurückhaltend.

2. Integration wird zum Reifegradthema: Die Umfrage zeigt, dass ESG-Anwendungsfälle häufig über mehrere Systeme, Datenquellen und Fachbereiche verteilt sind. Entsprechend verschiebt sich der Fokus von der Einführung einzelner Lösungen hin zur stärkeren Verzahnung bestehender Prozesse und Anwendungen.

3. Der Anspruch an ESG verändert sich: Während ESG zunächst vor allem durch regulatorische Anforderungen getrieben wurde, verfolgen viele Institute inzwischen das Ziel, ESG-Informationen auch für Risiko- und Steuerungszwecke nutzbar zu machen. Die Umsetzung dieses Anspruchs befindet sich jedoch in vielen Häusern noch im Aufbau.

Laden Sie hier die Ergebnisse der Umfrage herunter und erhalten Sie detaillierte Einblicke in die ESG-Tool-Landschaft 2026.

Heute geht es weniger um die Einführung weiterer Lösungen als darum, bestehende Daten, Systeme und Prozesse so zusammenzuführen, dass ESG-Informationen verlässlich und über unterschiedliche Anwendungsfelder hinweg genutzt werden können.

Marianne Achleitner, Partner | FSI | A&A | Sustainability

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