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Die Weiterentwicklung von PCAF und SBTi (2025): Neue Anforderungen an die Klimaberichterstattung

Handlungsrahmen für die Finanzbranche

Die Erwartungen von Aufsichtsbehörden, Investoren und der Öffentlichkeit richten sich zunehmend auf die glaubwürdige und überprüfbare Integration von Klimazielen in unternehmerische Strategien. Im Zentrum steht dabei der sogenannte Klima-Transitionspfad – ein strukturierter, wissenschaftsbasierter Fahrplan zur Dekarbonisierung, der auf die Einhaltung des 1,5 °C-Ziels des Pariser Klimaabkommens ausgerichtet ist. In Verbindung mit aktuellen Standardupdates wie der Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) sowie der jüngsten Versionierung der SBTi Net-Zero Standards entsteht ein zunehmend verbindlicher Handlungsrahmen für die Finanzbranche.

Im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sind große Unternehmen – insbesondere Finanzinstitute – verpflichtet, darzulegen, wie sie sich strategisch auf den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft vorbereiten. Darüber hinaus verlangt die EU-Taxonomie, dass Wirtschaftstätigkeiten nur dann als ökologisch nachhaltig klassifiziert werden dürfen, wenn sie Teil eines glaubwürdigen Transitionspfads sind. Auch die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) bezieht Transitionsrisiken in Klimastresstests mit ein und erwartet von Instituten, diese in ihren Risikomanagementprozessen zu berücksichtigen.

PCAF-Standard: Neue Entwicklungen in den Teilen A, B und C


Die Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) ist mittlerweile als branchenübliches Rahmenwerk zur Messung von finanzierten Emissionen etabliert. Im Jahr 2025 wurden die Komponenten des Standards inhaltlich aktualisiert und weiterentwickelt:

  • Teil A enthält eine methodische Präzisierung der Emissionsbilanzierung. Dies betrifft insbesondere die differenzierte Erfassung nach Sektor, Region und Assetklasse in Verbindung mit Kommunenfinanzierungen und strukturierten Produkten. Dabei steht insbesondere im Fokus, eine potenzielle Doppelzählung bei Finanzinstituten zu vermeiden.
  • Teil B führt erstmals eine standardisierte Methodik zur Erfassung von Emissionen ein, die durch Kapitalmarkttransaktionen ermöglicht werden („Facilitated Emissions“). Die Emissionen werden anteilig auf arrangierende Institute verteilt und mit einem Gewichtungsfaktor versehen. Ein Scoring-Modell bewertet die Datenqualität. Die Offenlegung erfolgt separat unter Scope 3, Kategorie 15.
  • Teil C adressiert Emissionen aus Versicherungsportfolios („Insurance-Associated Emissions“). Die Methodik unterscheidet zwischen kommerziellen und privaten Kfz-Versicherungen und ordnet Emissionen anteilig über versicherungsspezifische Kennzahlen zu. Auch hier kommt ein Datenqualitäts-Scoring zum Einsatz. Die Emissionen sind separat zu berichten.

SBTi Net-Zero Standards: Zwei zentrale Neuerungen


Mit dem Abschluss der öffentlichen Konsultationsphase hat die Science Based Targets initiative (SBTi) zwei zentrale Entwürfe zur Weiterentwicklung ihrer Net-Zero-Standards für Finanzinstitute und Unternehmen vorgelegt. Die vorgeschlagenen Änderungen deuten auf eine Verschärfung der Anforderungen hin:

SBTi Financial Institutions Net-Zero Standard v0.1

Der Standard definiert klare Anforderungen für Banken, Versicherer und Asset Manager. Neben der Festlegung verbindlicher Zielvorgaben für Portfolios wird ein sogenannter Portfolio Coverage Approach eingeführt, bei dem ein festgelegter Anteil (z. B. 90%) der finanzierten Emissionen durch Unternehmen mit validierten SBTi-Zielen abgedeckt sein muss. Zusätzlich wird ein Temperature Scoring eingeführt, das es erlaubt, den Grad der Pariskompatibilität eines Gesamtportfolios transparent darzustellen.

SBTi Corporate Net-Zero Standard 2.0

Dieser überarbeitete Standard für Unternehmen – und somit für die Kreditnehmer bzw. Emittenten in Finanzportfolios – legt verschärfte Anforderungen an Scope-3-Emissionen fest und sieht erst ab einer Emissionsreduktion von mindestens 90 Prozent die Möglichkeit von Kompensationsmaßnahmen vor. Für Finanzinstitute ist dies insofern von Bedeutung, als nur Unternehmen mit vollständig SBTi-konformen Klimapfaden künftig als klimakompatibel gelten.

Implikationen für Finanzinstitute


Die neuen Vorgaben von PCAF und SBTi gewinnen zunehmend an Bedeutung und entwickeln sich schrittweise zu einem maßgeblichen Orientierungsrahmen für Finanzinstitute. Auch wenn sie formal weiterhin freiwillig sind, steigt der Druck insbesondere von Seiten der europäischen Aufsichtsbehörden (z. B. EBA, EZB), institutioneller Investoren und Ratingagenturen, diesen Standards zu entsprechen. Kreditinstitute und Vermögensverwalter, die keine klar dokumentierte und auf nachvollziehbaren Annahmen basierende Transitionsstrategie verfolgen, könnten künftig stärker in den Fokus regulatorischer Prüfungen geraten und Reputations- sowie Geschäftsrisiken ausgesetzt sein.

Gleichzeitig kann eine frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen Anforderungen strategische Vorteile mit sich bringen. Finanzinstitute mit fundierten Klimastrategien sind besser in der Lage, regulatorische Entwicklungen proaktiv zu adressieren, ESG-konforme Produkte glaubwürdig zu positionieren und sich gegenüber Investoren, Aufsichtsbehörden und weiteren Anspruchsgruppen als zukunftsorientierte Akteure zu präsentieren.

Deloitte begleitet Finanzinstitute dabei nicht nur bei der Prüfung und Validierung entsprechender Berichte, sondern auch bei der Entwicklung und Integration tragfähiger Transitionspfade in das strategische und operative Risikomanagement. Bei Fragen zu unserer Unterstützung können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren.

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