Die Entwicklung der Auslagerung spiegelt sich in dem kontinuierlich wachsenden Marktanteil sog. Service-KVGs wider. Dabei zählen zu den ausgelagerten Tätigkeiten in erster Linie Back- und Middle-Office-Tätigkeiten wie die Abwicklung von Fondstransaktionen, die laufende Fondsbuchhaltung, die Ermittlung und Veröffentlichung der Anteilspreise, regulatorische Meldungen an Aufsichts- und Steuerbehörden und die Erstellung der Jahresabschlüsse sowie derbenötigten Reportings aufgrund von Regulatorik und Investorenanforderungen.
Wichtige Faktoren für viele KVGs sind neben Trends wie der Prozessautomatisierung und harmonisiertem Datenmanagement bei der Entscheidungsfindung insbesondere ein steigender Effizienz- und Kostendruck sowie ein sich stetig wandelndes regulatorisches Umfeld. Auch wenn die Auslagerungsentscheidung auf den ersten Blick durch quantitative Synergie- und Skaleneffekte externer spezialisierter Anbieter gerechtfertigt erscheint, zeigt ein Ende 2022 von Deloitte durchgeführtes Marktsounding, dass sich die Befragten mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert sehen (siehe Abb. 1).
Abbildung 1: Grad an Outsourcing der befragten Immobilien-KVGs
Aus den Erkenntnissen der Interviews haben wir vier wesentliche Kategorien abgeleitet und darauf aufbauend Key Takeaways formuliert, die den Umgang mit einer Auslagerungsentscheidung unterstützen können:
Insbesondere bei der Suche nach qualifiziertem Personal ist zu berücksichtigen, dass auch externe Servicedienstleister mit einem allgemein angespannten Arbeitsmarkt konfrontiert sind, so dass sich ein eventuell bestehendes Personalproblem in diese Richtung verlagern kann. Darüber hinaus wurde in den Gesprächen deutlich, dass mögliche Ineffizienzen zwischen den Immobilien-KVGs und den externen Dienstleistern zum Teil auf technische Gegebenheiten zurückgeführt werden können.
Außerdem ist anfangs nicht nur mit einem hohen Aufwand bei der Auslagerungsentscheidung zu rechnen, sondern die steigenden regulatorischen Anforderungen führen auch während des Auslagerungsprozesses zu einem steigenden laufenden Aufwand. Insbesondere Multi-Asset-Manager berichten, dass nur wenige Synergien zwischen verschiedenen Assetklassen generiert werden können.
In diesem Zusammenhang wurden auch häufiger Ineffizienzen und ein aufwändiges Qualitätsmanagement am Beispiel der Anteilspreisermittlung genannt. Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass die von uns befragten Immobilien-KVGs und Multi-Asset-Manager zumindest Verbesserungspotenziale hinsichtlich ihrer bestehenden Auslagerungen sehen und teilweise wieder über ein Insourcing nachdenken.
Generell ist davon auszugehen, dass sich die Immobilien-KVGs insbesondere aufgrund der fortschreitenden Regulatorik und verstärkt durch ESG sowie aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels weiterhin mit dem Thema Auslagerung beschäftigen werden. Im Hinblick auf eine „optimale Auslagerung“ sind noch einige Herausforderungen zu bewältigen, die nur gemeinsam und durch Verbesserungen auf beiden Seiten – Fondsmanager und -administrator – gelöst werden können. Dabei ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, den externen Servicedienstleister als Partner zu verstehen und entsprechend in die Umsetzung einzubeziehen.
Autoren
Nina Schrader
Partnerin | Real Estate Consulting
nschrader@deloitte.de
Christina Koch
Senior Manager | Real Estate Consulting
chrkoch@deloitte.de
Frank Lichtenthäler
Partner| Investment Management Deloitte Luxembourg
frlichtenthaeler@deloitte.lu
Kevin Boran
Manager | Investment Management Deloitte Luxembourg
kboran@deloitte.lu