Im Rahmen der Vorstellung der Maßnahmen zur kurzfristigen Stabilisierung der GKV-Finanzen durch die Finanzkommission Gesundheit hat Deloitte zwischen dem 13. und 16. April 2026 eine landesweite, repräsentative Konsumentenbefragung mit einer Stichprobe von 1.000 Personen ab 18 Jahren (davon 903 GKV-Versicherte) durchgeführt. Erfahren Sie hier die Ergebnisse.
Key Takeaways
Die Gesundheitspolitik hat für GKV Versicherte einen sehr hohen Stellenwert: Als wichtiges Themenfeld (Nennungen in den Top-3) wird Gesundheitspolitik direkt nach soziale Sicherung/ Familie/ Rente, aber noch vor Wirtschaft, Finanzen oder Sicherheit überdurchschnittlich häufig genannt. Besonders gilt das für Menschen ab 55 Jahren, was auf ihre höhere persönliche Betroffenheit zurückzuführen ist. Außerdem ist die Stabilität der GKV Finanzen für Versicherte von sehr hoher Bedeutung: Insgesamt 92 Prozent halten stabile Krankenkassenbeiträge für wichtig bis sehr wichtig – unabhängig von Alter, Einkommen oder Versichertenstatus.
Trotz der GKV-Reformvorschläge erwartet aber eine deutliche Mehrheit der GKV Versicherten auch zukünftig weiter steigende Krankenkassenbeiträge. Kurzfristig rechnen rund drei Viertel in den nächsten ein bis zwei Jahren mit Beitragsanhebungen, mittel bis langfristig sind 84 Prozent skeptisch, dass die Beiträge stabil bleiben. Besonders freiwillig GKV-Versicherte gehen überdurchschnittlich stark von steigenden Belastungen aus, was vor allem auf die laufende Diskussion rund um weitere Maßnahmen für Gutverdiener (z.B. Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze) zurückzuführen ist.
Die meiste Zustimmung unter den Maßnahmen findet die Einführung bzw. Ausweitung von Konsumsteuern auf Alkohol, Tabak und zuckerhaltige Getränke – mit Zustimmungswerten von knapp der Hälfte bis zu zwei Dritteln, insbesondere bei der Alkoholsteuer auf Spirituosen. Dabei fällt auf, dass auch täglich und gelegentlich Konsumierende eine hohe Zustimmung für die Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen (61%) aufweisen. Selbst unter Raucher:innen findet die Ausweitung der Tabaksteuer mit 38 Prozent Zuspruch. Überraschenderweise gehen die vorgeschlagenen Konsumsteuern den Versicherten noch nicht weit genug. So könnten sich zwischen knapp 50 und 60 Prozent vorstellen, die Alkoholsteuer auch auf Wein und/oder Bier zu erhöhen bzw. die Zuckersteuer auch auf andere zuckerhaltige Produkte zu erheben. Leistungskürzungen und höhere Eigenbeteiligungen werden dagegen mehrheitlich abgelehnt, wobei Geringverdienende Einschnitte und Zuzahlungen besonders kritisch sehen.
Die Erwartung einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung nimmt mit dem Alter deutlich zu. Personen zwischen 18 und 24 Jahren erwarten zu 29 Prozent eine Verschlechterung. Bei den Personen zwischen 55 und 64 Jahren sind es sogar 54 Prozent. Haupttreiber sind Sorgen um die Verfügbarkeit von Arzneimittel (36%) und von Haus‑ und Facharztterminen (34%).
In den vergangenen 12 Monaten haben sieben Prozent der GKV Versicherten bereits die Krankenkasse gewechselt. Aufgrund der Erwartungen weiterer Beitragssatzsteigerungen (s.o.) planen weitere 19 Prozent, dies künftig zu tun.
Private Krankenzusatzversicherungen gewinnen deutlich an Relevanz: Rund 40 Prozent der GKV Versicherten haben kürzlich Zusatzversicherungen abgeschlossen oder planen dies. Besonders hoch ist das Interesse bei jüngeren Versicherten und Besserverdienenden. Für freiwillig GKV-Versicherte scheint auch der Wechsel in die PKV eine Alternative zu sein – und das stärker als vom BMG angenommen: 31 Prozent zeigen eine klare oder erhöhte Wechselabsicht.
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Diese Publikation ist Teil einer Studienreihe zum Thema „GKV-Finanzen“ , in der wir seit 2024 regelmäßig Studien und Analysen zu deren verschiedenen Aspekten veröffentlichen.