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Personalmangel in Krankenhäusern – wirtschaftliche Auswirkungen und Lösungsansätze

Neue Deloitte Studie zeigt, was der Fachkräftemangel wirklich kostet, analysiert zentrale Treiber und leitet konkrete Handlungsempfehlungen ab

Der Fachkräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen im deutschen Krankenhauswesen. Dieser hat deutliche Auswirkungen auf Versorgungsqualität, Arbeitsbelastung und wirtschaftliche Stabilität. Die neue Deloitte‑Studie zeigt anhand einer Modellrechnung erstmals umfassend, welche realen Kosten und Erlösminderung durch Fluktuation, Leiharbeit und ungenutzte Behandlungskapazitäten entstehen und welche strukturellen Faktoren den Trend weiter verstärken. Die Analyse bietet Entscheider:innen eine fundierte Grundlage, um gezielt auf aktuelle und zukünftige Entwicklungen zu reagieren, und liefert anhand konkreter Beispiele wertvolle Impulse, wie andere Kliniken und Branchen vergleichbare Herausforderungen bereits gemeistert haben.

Key Takeaways

  • Die Studie quantifiziert die ökonomischen Folgen des Fachkräftemangels – von Kosten durch Personalwechsel und Zeitarbeit bis zu Erlösverlusten aufgrund geschlossener Abteilungen und reduzierter OP-Kapazitäten.
  • Sie zeigt deutliche Unterschiede je Versorgungsstufe auf und macht sichtbar, dass Grund- und Regelversorger besonders stark betroffen sind.
  • Zudem identifiziert sie zentrale Treiber des Mangels – von belastenden Arbeitsbedingungen bis hin zu Bürokratielast und demografischem Druck – und leitet konkrete Hebel für wirtschaftliche und organisatorische Stabilität ab.

Trotz Rekordbeschäftigung prägt der Fachkräftemangel die deutsche Krankenhauslandschaft wie kaum ein anderes Thema. Die Zahl der Kliniken mit Problemen bei der Stellenbesetzung steigt an. Die neue Deloitte‑Studie analysiert erstmals umfassend die ökonomischen Auswirkungen des Personalmangels in Pflege und ärztlichem Dienst – und zeigt, welche strukturellen Faktoren die Entwicklung verstärken.

Die Ergebnisse verdeutlichen: Personalmangel ist nicht nur ein Versorgungs- und Qualitätsrisiko, sondern wirkt sich direkt und erheblich auf Kosten, Erlöse und die wirtschaftliche Stabilität von Kliniken aus.

Zentrale Ergebnisse der Studie
  • Mehrkosten durch Fluktuation und Leiharbeit: Krankenhäuser verzeichnen, je nach Versorgungsstufe (Grund-, Regel- oder Maximalversorger), eine jährliche Kostensteigerung von 3,5 bis 5,4 Prozent aufgrund von Fluktuation, Rekrutierung, Einarbeitung und dem verstärkten Einsatz von Leiharbeitskräften. Leiharbeit ist dabei ein besonders relevanter Kostenfaktor: sie verursacht durchschnittlich 92 Prozent höhere Personalkosten als festangestellte Mitarbeitende.
  • Hohe Erlösverluste durch nicht belegte Betten und abgesagte Eingriffe: Stationsschließungen, nicht nutzbare Betten und reduzierte OP‑Kapazitäten aufgrund von Personalmangel führen, je nach Versorgungsstufe, zu unausgeschöpften Erlöspotenzialen von durchschnittlich 13,5 bis 22 Prozent pro Jahr. Je Klinik bedeutet dies durchschnittlich entgangene Erlöse von 5,2 bis 27,1 Mio. € jährlich.
  • Besonders betroffen sind Häuser der Grund- und Regelversorgung: Die relativen Auswirkungen des Personalmangels sind in kleineren Kliniken der Grund- und Regelversorgung deutlich stärker ausgeprägt. Weniger Pufferkapazitäten und eine geringere Wettbewerbsfähigkeit bei der Gewinnung von Mitarbeitenden verschärfen den Druck deutlich.
  • Vier strukturelle Treiber des Mangels: Die Studie identifiziert zentrale Einflussfaktoren, die sowohl Angebot als auch Nachfrage im Gesundheitssystem prägen:
    1. Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen: Hohe Arbeitsbelastung und Erschöpfung verstärken Fluktuation und Teilzeitwünsche.
    2. Steigende Teilzeitquote: In der Pflege arbeiten bereits über 53 Prozent in Teilzeit, im ärztlichen Dienst rund 33 Prozent – mit weiter steigender Tendenz.
    3. Hohe Bürokratielast: Pflegekräfte und Ärzt:innen verbringen täglich rund drei Stunden mit Dokumentation.
    4. Demografischer Wandel: Ein Viertel der Beschäftigten im Krankenhaus nähert sich dem Renteneintritt; gleichzeitig steigt die Zahl älterer und multimorbider Patient:innen deutlich, was den Mangel weiter verschärfen könnte.
Fachkräftesicherung als zentraler Hebel für wirtschaftliche Stabilität

Die Studie macht deutlich: Maßnahmen zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Prozessoptimierung, Qualifizierung und Organisationsentwicklung beeinflussen nicht nur die Motivation der Mitarbeitenden, sondern auch Kennzahlen wie Kostenstruktur, Auslastung und Erlösniveau. Strukturelle Zukunftsthemen wie Digitalisierung, sektorenübergreifende Versorgung und neue Kompetenzprofile spielen dabei eine zentrale Rolle.

Zentrale Handlungsfelder und Praxisbeispiele zur Bewältigung des Fachkräftemangels

Dennoch zeigt die Studie, dass Kliniken dem Fachkräftemangel nicht ausgeliefert sind. Im Gegenteil: eine Reihe strategischer und organisatorischer Hebel können die Situation spürbar verbessern. Die Analyse fasst vier zentrale Ansatzpunkte zusammen, die von moderner Personalstrategie über effizientere HR‑Prozesse bis hin zu Qualifizierungsinitiativen und neuer Arbeitsorganisation reichen. Viele der wirksamsten Lösungen liegen direkt im Einflussbereich der Einrichtungen und entfalten sowohl kulturelle als auch wirtschaftliche Wirkung. Die dargestellten Handlungsfelder vermitteln einen klaren Eindruck davon, welche Veränderungen bereits heute möglich sind und wie Kliniken ihre eigene Zukunftsfähigkeit aktiv gestalten können. Wer verstehen möchte, wie Krankenhäuser aus der Spirale steigender Belastung und sinkender Bindung ausbrechen können, findet in der Studie konkrete Orientierung und Impulse anhand von interessanten Praxisbeispielen aus dem Krankenhauswesen und anderen Branchen.

Jetzt Studie zum Personalmangel in Krankenhäusern herunterladen und vollständige Analyse einsehen.

Methodik der Studie

Die Analyse basiert auf einem modellgestützten Ansatz, der exemplarisch drei Versorgungsstufen deutscher Krankenhäuser betrachtet: Grund‑, Regel‑ und Maximalversorgung. Grundlage sind öffentliche Datenquellen wie die Grunddaten der Krankenhäuser, der Kostennachweis sowie Kennzahlen zu Bettenauslastung, Verweildauer, Case-Mix-Index und Bundesbasisfallwert. Darauf basierend wurden Annahmen zu Fluktuationskosten, Kosten durch Leiharbeit und unausgeschöpftes Erlöspotenzial getroffen. Die Modellierung dient nicht als exakte Prognose, sondern als transparente Darstellung von Größenordnungen, Zusammenhängen und wirtschaftlichen Effekten des Fachkräftemangels, unabhängig von individuellen Besonderheiten einzelner Häuser.

Der Personalmangel ist eine der zentralen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen. Unsere Analyse zeigt, dass er nicht nur in der Versorgung sichtbar wird, sondern auch zu erheblichen wirtschaftlichen Belastungen führt. Es gibt jedoch gute Neuigkeiten unserer Analyse: Die wirksamsten Lösungen liegen oft direkt im Einflussbereich der Einrichtungen. Fortschrittliche Kliniken können sich hier klar differenzieren.

Ibo Teuber, Partner, Sector Lead Health Care, Deloitte

Krankenhäuser können den Einfluss des Fachkräftemangels auf ihre Organisation beeinflussen, wenn sie Personalstrategie, Führung und Arbeitsorganisation als strategische Zukunftsaufgabe begreifen. Unsere Ergebnisse zeigen klar: Investitionen in Mitarbeitende sind Investitionen in wirtschaftliche Stabilität und Versorgungssicherheit.

Anika Lier, Partnerin, Human Capital Lead Life Sciences & Health Care

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