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Gesundheitsversorgung im Einzelhandel

Healthcare in Retail Studie: Vom Point of Sale zum Point of Health

Während der demografische Wandel zusammen mit den Megatrends Wellness und Longevity die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steigert, werden klassische Anbieter wie Apotheken seltener, Arztpraxen leiden unter Zeitdruck und ihre Patient:innen unter langen Wartezeiten. Das schafft wiederum neue Möglichkeiten für den Einzelhandel, der mit seinem breiten Filialnetz die Bedarfslücke schließen könnte und hier ein bedeutendes neues Wachstumspotenzial für sich sieht. Eine repräsentative Deloitte-Umfrage zeigt, inwieweit Verbraucher:innen überhaupt bereit sind, Gesundheitsservices jenseits ihrer vertrauten Praxen oder Apotheken anzunehmen und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Key Takeaways

  • Der Einzelhandel kann dabei helfen, reale Versorgungslücken im Gesundheitssektor zu schließen
  • Einfache Terminbuchung, lange Öffnungszeiten und Integration in bestehende Routinen sind zentrale Treiber für Gesundheitsservices im Bereich Retail
  • Die Qualität entscheidet über Akzeptanz und eröffnet strategische Chancen
Vom Point of Sale zum Point of Health

Hier die Studie herunterladen.

Der traditionelle Gesundheitsmarkt stößt an Grenzen

 

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor historischen Herausforderungen: Die Ausgabendynamik in der gesetzlichen Krankenversicherung ist ungebrochen hoch und kann durch die Einnahmen nicht ausgeglichen werden. Dies führt bereits heute zu stetig steigenden Zusatzbeiträgen. Zeitgleich beobachten wir eine zunehmende Verknappung aufseiten der Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen. Die Zahl der Apotheken in Deutschland geht seit 2009 kontinuierlich zurück. Auch die Anzahl der Arztpraxen in der vertragsärztlichen Versorgung ist in Deutschland seit zehn Jahren rückläufig, was vor allem in ländlichen Gebieten zu erheblich längeren Anfahrtswegen für Patient:innen führen dürfte. Somit spitzt sich die bereits angespannte Situation weiter zu. Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass schon heute rund 30 Prozent der Bürger:innen mit der aktuellen Versorgungssituation unzufrieden sind. 

Der Einzelhandel kann bestehende Versorgungsangebote ergänzen

 

Während der erste Gesundheitsmarkt sich schwertut, auf die steigende Nachfrage der Bevölkerung nach Gesundheitsdienstleistungen zu reagieren, entsteht parallel dazu im Einzelhandel neue Angebote. Die Bürger:innen nutzen zunehmend Wearables, Smart Home Applications und Generative KI, um ihren Gesundheitsstatus zu beobachten und zu analysieren. Dieses Erlöspotenzial hat der Einzelhandel erkannt und entwickelt zum einen aktuell neue Selbstzahler-Angebote – etwa in den Bereichen Selbstmedikation (Versand oder Abholung rezeptfreier Arzneimittel) und Diagnostik (u.a. Hauttests, Augen-Screening). Zum anderen stellt der der Einzelhandel bestehende Flächen für Akteure des ersten Gesundheitsmarktes bereit, beispielsweise für neue Angebote im Bereich Telemedizin.

In einer Zeit, in der die Gesundheitsversorgung aufgrund von Demografie und Personalmangel an ihre Grenzen kommt, kann der Einzelhandel einen wichtigen Beitrag zur Schließung der Bedarfslücke leisten. Integrierte Filialkonzepte, wo neben dem Einkauf auch medizinische Leistungen in Anspruch genommen werden können, bieten in anderen Ländern heute schon einen echten Mehrwert für Konsument:innen.

Egbert Wege, Lead Partner Consumer Industry

Wie reagieren Konsument:innen auf die neuen Angebote?

 

Der Einzelhandel hat längst erkannt, dass Versorgungslücken im ersten Gesundheitsmarkt neue Chancen eröffnen. Die Branche sieht hier nicht nur zusätzliche Umsatzpotenziale, sondern auch einen relevanten Frequenz- und Bindungsfaktor. Die Deloitte-Befragung unter 1.000 deutschen Konsument:innen zeigt, wie die Bevölkerung zu Gesundheitsservices im Einzelhandel steht:

 

1. Der Markt ist bereit für neue Impulse

Die Befragung zeigt deutlich, dass eine grundsätzliche Offenheit für Gesundheitsservices im Einzelhandel vorhanden ist. Bereits 41 Prozent der Teilnehmenden haben in den vergangenen Monaten von entsprechenden Pilotprojekten gehört – ein Hinweis darauf, dass das Konzept auf Interesse stößt. Hinzu kommt, dass 60 Prozent das Angebot ausgewählter Gesundheitsservices außerhalb von Arztpraxen und Apotheken grundsätzlich attraktiv finden, vor allem weil es den Alltag spürbar erleichtert und und Vorsorgeangebote einfacher zugänglich macht.

Auffällig ist die klare Präferenz für Drogerien: Sie werden am häufigsten als geeigneter Ort für entsprechende Gesundheitsservices genannt. Das ist wenig überraschend, denn Drogerien besitzen bereits heute Kompetenzen in den Bereichen Gesundheit, Wohlbefinden und Self-Care – und genießen dabei einen hohen Vertrauensvorschuss. 

2. Bequemlichkeit als Top-Anreiz

 

Welche Vorteile bieten Gesundheitsservices im Einzelhandel gegenüber dem bisherigen System? Hier zeigt die Befragung ein eindeutiges Bild: Die größte Entlastung entsteht durch die vereinfachte Terminfindung und mehr Convenience im Alltag (s. Abb. 3). Die Konsument:innen schätzen neue Versorgungsformen offensichtlich deshalb, weil diese ihr Leben vereinfachen – durch Zeitersparnis, bessere Integrierung in Routinen und längere Öffnungszeiten. 

Welche Hindernisse sprechen aus Sicht der Befragten gegen Gesundheitsservices im Einzelhandel? Die Rückmeldungen der Skeptiker:innen zeichnen ein deutliches Bild: Qualitätsfragen, Hygiene und Vertrauenswürdigkeit sind die zentralen Hürden für diejenigen der Befragten, die Gesundheitsservices im Einzelhandel ablehnen. Die Daten machen deutlich, dass die Bereitschaft zur Nutzung unmittelbar an die wahrgenommene Professionalität gekoppelt ist (s. Abb. 4).

Bevor Gesundheitsservices im Einzelhandel skalieren können, braucht es sichtbare, glaubwürdige und geprüfte Qualitätssignale. 

 

4. Gesundheitsservices sind ein Kundenbindungsfaktor für den Einzelhandel

Die Befragung zeigt eindrucksvoll, dass Gesundheitsdienstleistungen nicht nur genutzt würden – sie haben sogar das Potenzial, Kund:innen aktiv zu einem Standortwechsel zu motivieren. Das macht sie zu einem strategisch relevanten Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb der Einkaufsstandorte. Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Gesundheitsservices können reale Zusatzfrequenz erzeugen (s. Abb. 5).

Der niedrigschwellige Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen auch gerade im ländlichen Raum ist ein hohes Gut. Hier kann der Einzelhandel mit seinem flächendeckenden Filialnetzen ein wertvoller Kooperationspartner sein, für etablierte Leistungserbringer aus dem ersten Gesundheitsmarkt.

Ibo Teuber, Lead Partner Health Care

Wie Gesundheitsservices zum strategischen Erfolgsfaktor werden können – unsere Empfehlungen:

 

  • Kommunikation auf Convenience ausrichten und digitale Tools nutzen
    Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Einzelhandel vor allem mit sogenannten Convenience-Faktoren wie digitalen Terminbuchungen mit kurzen Wartezeiten punkten kann. Hinzu kommen gut erreichbare Standorte mit erweiterten Öffnungszeiten im Vergleich zu Praxen oder Apotheken – das Angebot ist damit schnell, nah und unkompliziert.
  • Qualität professionalisieren und sichtbar machen
    Der größte Vorbehalt gilt der Frage: Wie professionell und zuverlässig sind die Gesundheitsleistungen im Handel? Um Vertrauen aufzubauen, braucht es klar nachweisbare Qualitätsstandards, die im Laden leicht erkennbar und selbsterklärend sichtbar sind – etwa durch Zertifikate, transparente Prozesse und eindeutiges Wording.
  • Separierte, diskrete Räume schaffen
    Kund:innen erwarten bei Gesundheitsservices im Handel ein Umfeld, das sich deutlich vom klassischen Store-Geschehen abhebt und private, schallgeschützte Räume sowie eine klare visuelle Abgrenzung zum Verkaufsbereich bietet. Retailer sollten hierfür eine spezielle Experience schaffen – abgetrennt, sauber und ruhig.
  • Sortiment erweitern, Gesundheitszonen aufbauen
    Die Ergebnisse zeigen ein großes Interesse der Verbraucher:innen an Nahrungsergänzungsmitteln, Naturheilmitteln und medizinischen Hilfsmitteln in unmittelbarer Nähe der Gesundheitsservice-Stationen im Einzelhandel. Perspektivisch sind sogar ganze Gesundheitszonen im Markt denkbar.
  • Zielgruppen differenziert ansprechen
    Die Studienergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Verbrauchergruppen. Jüngere Zielgruppen (18–34 Jahre) stehen Gesundheitsservices im Einzelhandel grundsätzlich sehr offen gegenüber, während ältere Personen (55+) deutlich zurückhaltender reagieren. Gerade in dieser Gruppe gilt es, Vertrauen gezielt aufzubauen und dadurch mögliche Vorbehalte abzubauen.
  • Pilotieren, messen, skalieren
    Um Gesundheitsservices dauerhaft erfolgreich in verschiedenen Formen des Einzelhandels zu etablieren, empfiehlt es sich, zunächst mit Pilotprojekten zu starten und diese konsequent zu evaluieren. Dabei sollten zentrale KPIs kontinuierlich gemessen werden – allen voran Nutzungsraten, der Einfluss auf Warenkorb- und Kategorie‑Conversion, Frequenz- und Verweildauereffekte sowie Kundenzufriedenheit und Wiederkehrraten.

Laden Sie hier die Studie herunter und erfahren Sie alle Ergebnisse im Detail.

Methodik dieser Studie

 

Zur Erhebung der Daten wurde eine standardisierte Online-Befragung unter 1.000 Konsument:innen in Deutschland durchgeführt. Die Befragung fand im Zeitraum vom 2. bis 6. Februar 2026 statt. Die Stichprobe wurde hinsichtlich Alter und Geschlecht quotiert, um eine repräsentative Verteilung der deutschen Bevölkerung abzubilden.

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