Die hohe Inflation der vergangenen Jahre hat zu starken Kaufkraftverlusten geführt und die Konsumbereitschaft gedämpft. Doch seit Kurzem wendet sich das Blatt: Die Inflation sinkt, Reallöhne steigen, die Kaufkraft nimmt wieder zu – und lässt bei den Deutschen die Lust auf Konsum wieder aufblühen. Nun stellt sich die Frage, wie es weitergeht und vor allem wie Konsumen:innen in Zukunft handeln. Um dies fundiert zu beantworten, hat Deloitte die wichtigsten Treiber identifiziert, analysiert und daraus vier Thesen zur künftigen Konsumentwicklung abgeleitet.
Die finanzielle Situation der Verbraucher:innen hat sich wieder stabilisiert. Seit nunmehr einem Jahr entwickeln sich die Reallöhne wieder positiv, die Verdienste der Arbeitnehmer:innen steigen also stärker als die Preise – und das sogar in historischem Ausmaß. Die Kaufkraft hat folglich spürbar zugenommen und Verbraucher:innen steht derzeit wieder mehr Geld für Konsumzwecke zur Verfügung.
Erfreulich für Unternehmen der Konsumgüterindustrie und des Einzelhandels ist auch die Aussicht auf eine Normalisierung der Sparneigung. Nachdem auf dem Höhepunkt der Pandemie zeitweise mehr als 20 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens zurückgelegt wurden, wird sich die Sparquote in den kommenden Quartalen wieder dem historischen Durchschnitt annähern. Mit steigenden Einkommen, hohen Ersparnissen und einer prognostizierten besseren Wirtschaftslage steht einem zügigen Anstieg des privaten Konsums nichts mehr im Wege.
Die Kernfrage für die Konjunktur und die Konsumausgaben ist dann unweigerlich: Die Deutschen haben zwar gefüllte Sparkonten und Portemonnaies – aber geben sie das Geld auch aus?
Die Ergebnisse unserer aktuellen Deloitte-Verbraucherbefragung geben Anlass zur Hoffnung. Denn mit der erstarkten Kaufkraft zieht derzeit auch die Konsumlust wieder an (s. Abb. 1). Besonders konsumfreudig zeigen sich die jüngeren Altersgruppen. Die Treiber sind hier vor allem finanzieller Natur: Mehr verfügbares Geld und ausreichende Ersparnisse machen mehr Lust auf Konsum.
Trotz abflachender Inflation, steigender Kaufkraft und zurückgekehrter Konsumlaune sind die Verbraucher:innen nach wie vor preissensibel. In Abbildung 2 wird deutlich, dass die allgemeine Preissensibilität hoch bleibt, es aber deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Konsumkategorien gibt. Am ausgeprägtesten ist die Preissensibilität nach wie vor bei Lebensmitteln und Getränken, wo fast die Hälfte der Verbraucher:innen besonders stark auf den Preis achtet (horizontale Achse). Die Preissensibilität ist hier bei einigen Verbrauchergruppen im Vergleich zum Vorjahr sogar noch gestiegen, das zeigt der hohe Wert auf der vertikalen Achse. Am wenigsten ausgeprägt ist die Preissensibilität dagegen in den Bereichen Gesundheit, Körperpflege, Wohnen und Einrichten sowie Haushaltswaren. Das sind genau die Konsumkategorien, in denen die Preissteigerungen deutlich moderater ausgefallen sind. Mit anderen Worten: In diesen Bereichen ist sind die Konsument:innen weniger preissensitiv, da Erhöhungen weniger ins Gewicht fallen.
Dienstleistungen wie Reisen, Restaurantbesuche oder Kulturveranstaltungen werden in diesem Sommer ein besonders starkes Wachstum erzielen. Hier spielen sicherlich auch saisonale Effekte eine Rolle, da viele Menschen die warmen Monate für Urlaub oder die Teilnahme an Outdoor-Events (wie zum Beispiel Public Viewing) nutzen. Aber auch bei den Konsumgütern sieht es mitunter vielversprechend aus. Für elektronische Geräte, Körperpflegeartikel und Haushaltswaren wollen die Verbraucher:innen wieder deutlich mehr (6 bis 8% mehr) ausgeben als in den Vormonaten.
Eher im Mittelfeld liegen Lebensmittel sowie Bekleidung und Schuhe. Auch hier sind die Ausgaben zuletzt gestiegen und werden weiter steigen, allerdings in moderatem Umfang. Schlusslichter mit den geringsten Wachstumsraten bilden die Kategorien Internet und Einrichtungsgegenstände. Diese werden in naher Zukunft weniger dynamisch wachsen. Der Post-Inflation Consumer plant kurzfristig keine größeren Mehrausgaben in diesem Bereich.
Auf Basis der vorliegenden Studienergebnisse lassen sich sechs zentrale Handlungsoptionen ableiten. Diese reflektieren die Veränderungen im Verbraucherverhalten und stellen eine Orientierungshilfe für Einzelhändler und Konsumgüterhersteller dar.
Verbraucherinnen und Verbraucher sind in den letzten Jahren sehr viel kompromissbereiter geworden – das zeigt sich besonders deutlich im Lebensmittelbereich. Diese stärkere Dynamik kann allerdings für Händler aller Branchen zukünftig neue Wachstumspotenziale bieten.
Egbert Wege, Lead Partner Consumer Products & Retail
ConsumerSignals (ehem. Global Consumer Pulse Survey) von Deloitte analysiert weltweit erhobene Daten, um die Veränderungen im aktuellen Verbraucherverhalten nachzuvollziehen. Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung von mehr als 19.000 Verbraucher:innen aus 19 Ländern, darunter rund 1.000 Personen aus Deutschland (Feldzeit: 21. bis 27. September 2023). Die Erhebung ist als fortlaufende Studienreihe angelegt.
Laden Sie hier den vollständigen Report „ConsumerSignals 2024: Konsumlust reloaded. Vier Thesen zum Post-Inflation Consumer“ herunter und erfahren Sie alle Ergebnisse im Detail.
Stamatoula Graeber
Consumer Insights
stgraeber@deloitte.de
Pauliina Sandqvist
Economic Insights
asandqvist@deloitte.de