Ethisch-integres Handeln nimmt für Unternehmen eine zunehmend bedeutendere Rolle ein, und der Kapitalmarkt honoriert dies mit höheren Bewertungen. Die Deloitte Ethik- und Integritätsstudie 2025 zeigt aber, dass der Weg zu Ethik und Integrität anspruchsvoll ist: Zwei Drittel aller befragten Führungskräfte erleben regelmäßig ethisch herausfordernde Situationen – und fast 90 Prozent empfinden diese als belastend und stressfördernd.
Unsere Ethik- und Integritätsstudie 2025 analysiert anhand einer Befragung von insgesamt 104 Führungskräften deutscher Unternehmen im Zeitraum von März bis April 2025 den Zusammenhang zwischen der persönlichen Resilienz von Führungskräften, ihrem ethisch-integren Handeln und die Rolle von CorporateGovernance als unterstützendem Bindeglied.
Die zentrale Frage unserer Studie ist dabei: Wie kann Corporate Governance – charakterisiert durch seine Führungs- und Kontrolldimension – unterstützen, die persönliche Resilienz von Führungskräften auch in herausforderndem, volatilem und hochfrequentem Umfeld mit ethisch-integren Handeln in Einklang zu bringen? Die Ergebnisse der Befragung zeichnen ein klares Bild. Zwischen persönlicher Resilienz, Kontroll- und Führungsdimension von Corporate Governance und ethisch-integren Handeln besteht eine klare statistische Beziehung mit hoher Relevanz für die Praxis.
Kernaussage 1: Status quo von Ethik und Integrität: Divergenz zwischen strategischer Notwendigkeit und operativer Umsetzung
Ethik und Integrität werden von 95 Prozent der Teilnehmer:innen als zentrale Werte anerkannt. Gleichzeitig zeigen die Befragungsergebnisse, dass es in 37 Prozent an klaren Definitionen der Begriffe „Ethik“ und „Integrität“ mangelt, was die Umsetzung dieser Werte im Unternehmensalltag erschwert. Gleichzeitig berichteten 46 Prozent der Befragten, in ihrer Organisation innerhalb der letzten zwölf Monate unethisches Verhalten beobachtet oder erlebt zu haben. Diese Divergenz zeigt eine deutliche Lücke zwischen formuliertem Anspruch zu Ethik und Integrität und der gelebten Praxis.
Kernaussage 2: Die Rolle von persönlicher Resilienz für ethisch-integres Handeln: Je stärker die persönliche Resilienz, desto höher ausgeprägt ist ethisch-integres Handeln
Eine stark ausgeprägte persönliche Resilienz hilft 65 Prozent der befragten Führungskräfte, ethische Standards selbst in belastenden oder kritischen Situationen aufrechtzuerhalten. Eigenschaften wie Stressbewältigung, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, Rückschläge zu verarbeiten, fördern die Stabilität und Klarheit bei ethisch-integren Entscheidungen. Resiliente Führungskräfte handeln zielgerichtet und werteorientiert, wodurch sie nicht nur Vertrauen schaffen, sondern in 75 Prozent der Organisationen auch als wesentliche Vorbilder für ihre Teams wahrgenommen werden.
Kernaussage 3: Führung als Einflussfaktor von ethisch-integrem Handeln: In Unternehmen mit klaren Unternehmenszielen, offener Kommunikation und starker Zusammenarbeit fällt ethisch-integres Verhalten leichter
Die Leitungsebene einer Organisation ist maßgeblich dafür verantwortlich,
dass ethische Prinzipien im Alltag umgesetzt werden. 81 Prozent der Befragten gaben an, dass transparente Prozesse und klare Richtlinien in ihren Unternehmen vorhanden sind , während 70 Prozent bestätigten, dass klare Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten ihrer Führungskräfte in ihren Organisationen definiert sind. Strukturen wie klare Verantwortlichkeiten, transparente Prozesse und offene Kommunikation schaffen Orientierung und stärken die Fähigkeit von Führungskräften, ethisch „richtig“ zu handeln. Ein solcher Rahmen hilft ihnen, ethische Werte nicht nur zu repräsentieren, sondern sie auch in den Alltag zu übertragen und nachhaltig zu etablieren.
Kernaussage 4: Kontrollen als Teil von ethisch-integre, Handeln: Überwachung, Bewertung und Zielkontrollen als Werkzeuge für Transparenz und Verantwortung
Kontrollmechanismen wie die Überwachung von Prozessen, Leistungsbewertungen und Zielkontrollen sind gleichermaßen wichtig, um ethisches Verhalten zu fördern und Verbindlichkeit zu schaffen. Sie unterstreichen die Bedeutung ethischer Vorgaben, indem sie deren Einhaltung sicherstellen und Abweichungen aufzeigen. Laut der Befragung überwachen 55 Prozent der Führungskräfte kontinuierlich die Verfahren und Prozesse zur Erledigung von Aufgaben. 40 Prozent gaben an, dass die Leistungserbringung durch Führungskräfte unmittelbar bewertet wird, und 27 Prozent, dass die Zielerreichung systematisch überprüft wird. Unternehmen, die solche Kontrollmechanismen konsequent einsetzen, ermöglichen es Führungskräften, ethische Standards zielgerichteter umzusetzen und ihre Vorbildfunktion zu stärken.
Kernaussage 5: Bei unethischem Verhalten in der Vergangenheit werden insbesondere verstärkte Kontrollmechanismen für die Wiederherstellung ethisch-integren Verhaltens eingesetzt
46 Prozent der Befragten haben in den letzten zwölf Monaten unethisches
Verhalten beobachtet oder erlebt. Kontrollmechanismen sind in der Regel ein wichtiges Werkzeug, um das Vertrauen in die Organisation zurückzugewinnen. Durch erhöhte Transparenz, konsequente Überwachung und klare Bewertungen tragen sie dazu bei, ethische Werte wieder zu festigen und zukünftig zu schützen. Gleichzeitig zeigen 54 Prozent der Befragten aus Unternehmen, die kein unethisches Verhalten erlebt haben, dass präventive Maßnahmen wie transparente Prozesse und klare Kommunikation die Einhaltung von Standards fördern.
Kernaussage 6: Besonders starker Zusammenhang von persönlicher Resilienz und ethisch-integrem Handeln in der Finanzbranche
In der Finanzbranche, die 39 Prozent der Befragten umfasst, ist der
Einfluss persönlicher Resilienz auf ethisch-integres Handeln grundsätzlich
stärker als in anderen Branchen. Die hohen regulatorischen Anforderungen und häufig auftretenden ethischen Dilemmata lassen eine besonders ausgeprägte Widerstandsfähigkeit vermuten, die hilfreich ist, um ethisch fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Kernaussage 7: Starke Führungs- und Kontrollmechanismen verstärken vor allem in Groß- und nicht-börsennotierten Unternehmen die Beziehung von persönlicher Resilienz und ethisch-integrem Handeln, während der Einfluss von Führungsmechanismen im privatwirtschaftlichen Sektor im Vergleich zum öffentlichen Sektor überwiegt
Großunternehmen, von 83 Prozent der Befragten repräsentiert, profitieren
grundsätzlich von standardisierten Governance-Strukturen, da diese Stabilität und Regelkonformität fördern und die Grundlage für ethisch-integres Handeln bilden. Dabei verstärkt die Kombination aus klaren Führungsrichtlinien und unterstützenden Kontrollmechanismen den Zusammenhang zwischen persönlicher Resilienz und ethisch-integrem Handeln. Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) mit flacheren Hierarchien und direkter Führungshierarchie setzen hingegen stärker auf persönliche Nähe und die enge Wertevermittlung durch ihre Führungskräfte.
In börsennotierten Unternehmen (20%) hat die Führungsdimension der
Corporate Governance einen stärkeren Einfluss auf ethisch-integres Handeln. Faktoren wie transparente Führungsstrukturen und klare Kommunikationsprozesse sind in diesem Kontext entscheidend. Anders gestaltet es sich in nicht-börsennotierten Unternehmen (80%), in denen Kontrollmechanismen eine zentralere Rolle für ethisch-integres Handeln spielen, insbesondere wenn sie mit persönlicher Resilienz kombiniert werden.
Im privatwirtschaftlichen Sektor (79%) erzielen Führungsmechanismen
insgesamt größere Wirkung auf ethisch-integres Handeln als im öffentlichen Sektor (21%). Feste organisatorische Werte und klar definierte Leitlinien spielen eine tendenziell größere Rolle. Diese Werteorientierung steht hier im Vordergrund, um ethisches Handeln zu fördern und innerhalb der Organisation zu verankern.
Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass persönliche Resilienz und
Corporate Governance zentrale Faktoren für ethisch-integres Handeln darstellen können: Persönliche Resilienz stärkt die individuelle Fähigkeit, ethische Herausforderungen zu bewältigen, während Corporate Governance organisatorische Strukturen und Führungsanker bietet, die ethisch-integres Handeln fördern. Für viele Unternehmen bietet sich eine Kombination der beiden Ansätze an, um ethische Standards nachhaltig zu verankern.
Laden Sie hier die Studie zu Unternehmensintegrität und -ethik herunter und erfahren Sie alle Ergebnisse im Detail.
Wenn wir über Ethik und Integrität sprechen, sprechen wir über das Herzstück von Unternehmenskultur und Haltung. Haltung, die sich zeigt, wenn es schwierig wird. Haltung, die Orientierung gibt, wenn Entscheidungen unter Druck getroffen werden müssen. Und Haltung, die Vertrauen schafft – intern wie extern.
Sandra Mühlhause, Chief People Officer, Deloitte Deutschland