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Kostendruck schlägt Resilienz

Deloitte CFO Survey Frühjahr 2026

Geopolitische Krisen belasten die Aussichten der deutschen Unternehmen, die Pläne für Investitionen und Beschäftigung gehen deutlich zurück. Auch längerfristig setzen die Unternehmen auf Kostensenkungen. Die CFOs investieren vor allem in Effizienzmaßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen zu erhalten. KI soll dabei auch in der Finanzfunktion helfen, Kosten zu sparen. Resilienz wird hingegen depriorisiert. Diese Strategie steht allerdings im Wiederspruch zu den Kundenprioritäten, die für zuverlässige und stabile Lieferketten vor allem auf Resilienz wertlegen. Und auch wenn die CFOs geopolitische Risiken als wichtigsten Faktor einschätzen, investieren nur wenige Firmen in ein breites Risikomanagement.

Download: CFO Survey Frühjahr 2026
Download: CFO Survey Frühjahr 2026 - Real Estate Auskopplung

Trotz der in Kraft getretenen politischen Maßnahmen ist keine wirtschaftliche Kehrtwende abzusehen. Ganz im Gegenteil, die Unternehmen fast aller Branchen leiden unter den Ölpreisschocks infolge des Kriegs im Iran und der gleichzeitig ausbleibenden konjunkturellen Erholung im Inland. Der Index für die Geschäftsaussichten fällt auf den niedrigsten Stand seit Herbst 2023.

Die Ergebnisse der CFO Survey Frühjahrsausgabe 2026 zeigen, dass Unternehmen entsprechend auch ihre Strategien defensiver ausrichten. Investitionen sollen im Durchschnitt stagnieren, die Beschäftigung soll mittlerweile schon das dritte Jahr in Folge zurückgehen. Vor allem der Mittelstand ist von der schlechten wirtschaftlichen Lage betroffen. Großunternehmen ist es dagegen eher möglich, nötige interne Reformen durchzusetzen und damit die Effekte der geopolitischen Krisen aktuell besser abzufedern.

Abb. 1 – Pläne für Investitionen und Beschäftigung

Weitere Details zu Konjunktur und Kennzahlen liefert unser aktuelles Economic Trend Briefing: Flash-Ergebnisse des Deloitte CFO Survey Frühjahr 2026.

Unternehmen priorisieren Kosten, aber Kunden fordern Resilienz

Die defensive Haltung der Unternehmen ist nicht nur eine kurzfristige Reaktion auf die aktuellen wirtschaftlichen Umstände. Auch langfristig wollen die befragten CFOs gezielt die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen durch Investitionen in Kosteneffizienz und Wachstum sichern. Investitionen in Resilienz werden dagegen trotz des volatilen geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds nur von sehr wenigen Branchen priorisiert.

Abb. 2 – Investitionsprioritäten

Die Prioritäten der Unternehmen stimmen damit allerdings nicht mit den Prioritäten ihrer Kunden überein. Aus Sicht der CFOs verlangen diese aktuell vor allem Resilienz von den Unternehmen, um ihre Lieferketten stabil und verlässlich aufbauen zu können. Erst danach wird auf möglichst niedrige Kosten geachtet. Dieser Widerspruch könnte die Wachstumsambitionen vieler deutscher Unternehmen gefährden, aber auch eine Chance für jene bieten, die ihre Resilienz aktiv ausgebaut haben oder aktuell ausbauen.

Geopolitische Risiken sind unumgänglich

Der Krieg im Iran hat bewiesen, wie schnell geopolitische Risiken für die Unternehmen relevant werden können. Laut den CFOs ist Geopolitik aktuell wieder der wichtigste Risikofaktor. Deutlich wichtiger geworden sind zudem auch die weiter steigenden Rohstoff- und Energiekosten. Bereits jetzt kämpfen die Unternehmen mit den stark gestiegenen Preisen: Kosten für Rohstoffe und Logistik sind in den letzten zwölf Monaten laut den CFOs um über vier Prozent gestiegen.

Im Hinblick auf zukünftige geopolitische Risikoszenarien schätzen die CFOs vor allem Preissteigerungen sowie Rohstoffknappheiten und die Ausbreitung von Cyberattacken als besonders relevant ein. Handelspolitische Konflikte sehen sie zwar weiterhin als wahrscheinlich, allerdings mit weniger starken Auswirkungen. Konflikte mit China werden von den Befragten überraschenderweise als verhältnismäßig wenig wahrscheinlich und bedrohlich eingeschätzt. 

Abb. 3 – Investitionsprioritäten

Trotz der Risiken bauen nur wenige Unternehmen ihr Risikomanagement breit aus. Weniger als die Hälfte investiert in drei oder mehr Maßnahmen in ihrem Risikomanagement. Lediglich Cybersecurity-Maßnahmen werden bisher bei der Mehrheit der Unternehmen aktiv ausgebaut.

KI im Finanzbereich verlässt die Pilotphase

Laut den CFOs wird der Einsatz von KI in der Finanzfunktion zu tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitsinhalte und Mitarbeiterkapazitäten führen. Zwei Drittel der Unternehmen erwarten einen substanziellen Stellenabbau in ihrer Finanzfunktion durch den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Passend zur generellen strategischen Ausrichtung erhoffen sich die CFOs damit auch hier insbesondere Kostenvorteile, weniger Produktivitätsvorteile.

Abb. 4 – Effekte von KI im Finanzbereich

Auch wenn die CFOs sich im ersten Schritt auf Effizienzvorteile durch KI fokussieren, sollten die KI-Potenziale zur strategischen Neuausrichtung der Finanzfunktion nicht außer Acht bleiben – etwa zur Identifikation von Wachstumspotenzialen oder zur Anpassung der unternehmensweiten Kostenstrukturen. Zur Erreichung eines nachhaltigen ROI setzen die befragten Unternehmen zunehmend auf E2E-Prozesstransformationen, moderne Tech-/Datenarchitekturen und eine CFO-geführte Governance für KI-Risiken und -Kontrollen.

Über den CFO Survey 

Für den 29. deutschen Deloitte CFO Survey wurden vom 16. April bis 7. Mai 2026 164 Finanzvorstände deutscher Unternehmen befragt. 46 Prozent der Unternehmen erzielen einen Umsatz über 500 Millionen Euro, zehn Prozent über fünf Milliarden Euro. Die häufigste Branche ist die Immobilienbranche mit zwölf Prozent, gefolgt vom Maschinenbau und dem Handel.


Laden Sie hier den vollständigen Deloitte CFO Survey Frühjahr 2026 mit allen Ergebnissen im Detail herunter.

Gemeinsam mit Nicolai Andersen, globaler Leiter des Geschäftsbereichs Strategy, Risk & Transactions, analysieren die beiden Chefökonomen Dr. Alexander Börsch und Dr. Michael Grampp die zentralen wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland, der Schweiz sowie in den großen Volkswirtschaften USA, China und EU. Im Fokus stehen die konjunkturelle Lage, handelspolitische Trends sowie die Frage, wie belastbar die aktuellen Prognosen sind.

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