Künstliche Intelligenz (KI) bleibt das dominante Technologie-Thema für Unternehmen: Das zeigt der neue „Tech Trends“-Report von Deloitte, der bereits in der 17. Ausgabe erscheint. Doch inzwischen ist das revolutionäre KI-Paradigma in die Phase der Skalierung eingetreten. Der Fokus weitet sich von experimentellen KI-Pilotprojekten hin zu einem strategischen Rollout mit messbarem Wertbeitrag. Das betrifft KI-zentrierte Architekturen für IT-Organisationen ebenso wie die nötige Prozesstransformation für den Einsatz von KI-Agenten. Zugleich muss die Cyberstrategie mit den neuen Möglichkeiten und Risiken Schritt halten, die durch KI entstehen. Anhand eingehender Expertenanalysen erklärt der Report, worauf es bei diesen und weiteren kritischen Tech-Trends für Unternehmen ankommt.
Künstliche Intelligenz (KI) durchdringt alle Technologiebereiche
und tritt in eine neue Beschleunigungsphase ein: Unternehmen aller Branchen beginnen nun damit, KI-gestützte Lösungen umfassend zu skalieren. So treiben sie Automatisierung, Innovation und Wachstum voran – und verschaffen sich entscheidende Vorteile im Wettbewerb. Dafür ist es allerdings notwendig, über die reine Automatisierung bestehender Prozesse hinauszugehen. KI-Agenten benötigen beispielsweise andere Rahmenbedingungen und Workflows als menschliche Mitarbeitende. Cybersicherheit muss angesichts der enormen Beschleunigung und Intensivierung der Bedrohung durch KI-Technologie neu gedacht werden. Daher sollten sich IT-Organisationen nicht länger auf eine reine Dienstleisterrolle beschränken.
Vielmehr müssen sie durch neue Betriebsmodelle zum proaktiven Treiber und Ermöglicher der geschäftlichen KI-Transformation werden.
In der neuen Ausgabe des jährlichen Reports analysieren Deloitte-Expert:innen, Forscher:innen sowie Führungskräfte diese und weitere Entwicklungen, liefern Beispiele aus der Praxis und leiten Prioritäten ab. Im Folgenden werden die leitenden Tech Trends sowie ergänzenden Signale aus angrenzenden Technologiefeldern vorgestellt und die für deutsche Unternehmen besonders relevanten Fokusthemen hervorgehoben.
KI bedeutet viel mehr als nur ein Update etablierter Tools, und das gilt gerade auch für die IT-Organisation selbst. Der Wandel durch KI ist keine einmalige Disruption, sondern permanent – Wandlungsfähigkeit wird in Zukunft zur Kernfähigkeit der Funktion. Entsprechend müssen Technologieverantwortliche nun einen Neuaufbau ihrer Strukturen und Workflows angehen („the great rebuild“). In der Praxis schlägt sich dieser Trend in deutlich erhöhten KI-Budgetplanungen im Tech-Bereich nieder. Bei den Fachkräften verschiebt sich der Fokus hin zu Spezialisierung, Upskilling und der Übernahme neuer Rollen. Dabei steht im Zentrum der KI-zentrierten Talent-Strategie die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, und es entstehen neue Rollen wie Human-AI Collaboration Designer oder Edge AI bzw. Embedded Systems Engineers, die KI-Fähigkeiten in die vernetzte Infrastruktur tragen. KI sollte im HR-Kontext gezielt genutzt werden, um bestehende Skill-Lücken zu überbrücken.
Auch die Rolle der IT-Organisation verändert sich, da sie nicht mehr als Kostenstelle, sondern als Profitcenter betrachtet wird. CIOs sehen ihre Aufgabe verstärkt in strategischem Leadership, in der Orchestrierung von KI-Fähigkeiten und der Integration von Infrastrukturen. Für den Weg hin zur KI-nativen IT-Organisation identifiziert der neue Report eine Reihe von Prioritäten, die in Abhängigkeit von der individuellen Reife und den strategischen Schwerpunkten zu adressieren sind. Entscheidend ist eine konsequente Ausrichtung der Modernisierung von Kernsystemen an geschäftlichen Herausforderungen, um den Return on Investment (ROI) der KI-Transformation zu sichern. Daher müssen historisch gewachsene Legacy-Plattformen abgelöst werden, die für die KI-Ära nicht mehr ausreichen. Entsprechend erforschen zwei Drittel der befragten Organisationen neue Enterprise-Architekturen. Dabei betonen sie Aspekte wie Modularität und Beobachtbarkeit, um im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes Agilität und Ergebnisorientierung gewährleisten zu können.
Erfolgreiche KI-zentrierte IT-Organisationen zeichnen sich insbesondere durch folgende Eigenschaften aus:
Agentic AI bietet enormes Potenzial, das die Produktivitätsgewinne durch Chat-basierte Lösungen (z.B. Chatbots) weit übertrifft. Jedoch zeigen sich bei der konkreten Implementierung agentischer KI noch vielfältige Hürden. Projekte stecken in der Pilotphase fest, oft ist sogar die grundlegende strategische Roadmap noch nicht abschließend definiert. Typische Herausforderungen ergeben sich aus den Begrenzungen von Legacy-Systemen oder aufgrund etablierter Datenarchitekturen. Zudem wirft die Governance autonomer agentischer Systeme Fragen zur angemessenen Kontrolle auf.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor für agentische KI ist die bereits erwähnte Neugestaltung der Prozesse gegenüber einer reinen Automatisierung etablierter Abläufe. Dies erfordert den Aufbau von Strukturen für eine gemischte Workforce von menschlichen und digitalen Arbeitskräften. Der Mensch bleibt dabei weiter unverzichtbar, etwa für Compliance und Governance oder für das kreative Identifizieren neuer Potenziale durch den Einsatz agentischer KI. Die Orchestrierung von Multiagenten-Umgebungen ermöglicht die Automatisierung kompletter Workflows durch die Kombination hochgradig spezialisierter KI-Agenten.
Neue Standards und Protokolle unterstützen dabei, beispielsweise das Model Context Protocol (MCP), das Agent-to-Agent Protocol (A2A) oder das offene Agent Communication Protocol (ACP). Auf dieser Grundlage kann ein neuer Ansatz entstehen, bei dem KI gewissermaßen in Form von Microservices implementiert wird. Eine Vielzahl „kleiner“ Agenten, die autonom zusammenarbeiten, reduziert Komplexität und schafft Flexibilität. Spezifische Financial Operations Frameworks (FinOps) für KI-Agenten helfen bei der Überwachung von anfallenden Kosten.
Die agentische Transformation macht überdies ein spezifisches Agentenmanagement nötig: „HR für KI-Agenten“. Wichtige Aspekte dafür sind in Analogie zum menschenzentrierten HR-Management das Onboarding von Agenten (Daten, Prozesse), das Performance Management und das Lifecycle-Management (Updates, Redeployment, Nutzungsende). Im Hinblick auf die Sicherheit ist eine Zero-Trust-Architektur empfehlenswert, die mit Ansätzen wie temporärer Autorisierung) eine effektive Kontrolle der Agenten ermöglicht. Perspektivisch sollten KI-Agenten außerdem dazu befähigt werden, die von ihnen selbst produzierten Daten in autonome Lernprozesse einzuspeisen. Agentic AI ermöglicht es somit, die kontinuierliche Verbesserung zu automatisieren.
Aus der Perspektive der Cybersicherheit stellt die KI-Transformation Unternehmen vor eine paradoxe Situation. KI-Technologie ist zukunftsweisend, bringt jedoch Risiken mit sich – von nicht-autorisierter KI-Nutzung durch Mitarbeitende (Shadow AI), über KI-gestützte Cyberangriffe bis hin zu systembedingten Risiken der Technologie selbst. Zugleich eröffnen KI-Fähigkeiten auch neue Abwehransätze. Diese Lage verlangt eine Neuausrichtung der Schutzstrategie. KI-spezifische Risiken zeigen sich hauptsächlich in den folgenden vier Domänen, die jeweils eigene Mitigierungsstrategien erfordern.
1. Daten: Die Gewährleistung der Datensicherheit wird durch die großen Datenvolumina erschwert, die in KI-Lösungen eingebunden sind. Im Fokus des Cyberschutzes stehen hier Datenmanagement, Monitoring der Integrität und Zugangskontrollen.
2. Modelle: KI-Modellnutzung führt zu Risiken wie Modellverschlechterung, Modelldiebstahl, Exposition sensitiver Trainingsdaten und agentischem Missbrauch. Eine wichtige Gegenmaßnahme ist – neben Zugangskontrollen – die Modell-Isolation (Trennung von Daten und Umgebungen).
3. Anwendungen: KI-Anwendungen können ethische Probleme aufwerfen (z.B. Bias). Durch Prompt-Injektion können interne Sicherheitsbarrieren durchbrochen werden. Empfehlenswert zur Mitigierung sind u.a. striktere Sicherheitsanforderungen für Lieferanten.
4. Infrastruktur: Unsichere APIs, Denial-of-Service-Attacken auf Modelle oder Fehlkonfigurationen gefährden die KI-Infrastruktur. Zur Risikoreduzierung eignen sich Ansätze wie Workload-Sandboxing oder Perimeter-Härtung (Firewalls, Netzwerksegmentierung, Traffic Inspection).
Darüber hinaus sollten Cyberverantwortliche wesentlich auch auf KI-gestützte Fähigkeiten für Cyberabwehr und Schutzmaßnahmen setzen. KI unterstützt beispielsweise bei Red Teaming (Angriffssimulation) und Adversarial Training (Modelltraining gegen manipulative Nutzung). Für KI-Agenten ist außerdem die Entwicklung von spezifischer Governance erforderlich (z.B. dynamisches, kontextgebundenes Privilegienmanagement). Darüber hinaus müssen unbedingt bestehende regulatorische KI-Anforderungen bzw. Branchen-bezogene Regulationen erfüllt werden.
Viele bewährte Prinzipien der Cybersicherheit sind auch im KI-Zeitalter weiterhin gültig. Entscheidend wird es dabei nun, die Leistungsfähigkeit der Prozesse durch KI-Fähigkeiten aufzuwerten und neue Risiken etwa im Bereich der Interaktion von KI und physischer Umgebung adäquat zu adressieren. Zugleich muss der Blick aber auch auf völlig neue Bereiche ausgedehnt werden. Dazu gehören beschleunigte Abläufe bei KI-basierten Attacken, die von KI-basierten Systemen autonom bekämpft werden.
Neben den bereits vorgestellten Fokusthemen analysiert der neue Report auch weitere maßgebliche Tech-Trends für das Jahr 2026, darunter die zunehmende Konvergenz von KI und Robotik. „Physical AI“ macht Roboter von vorprogrammierten Maschinen zu autonomen Systemen, die eigenständig arbeiten und lernen können. Das bringt Herausforderungen etwa durch Schulungslücken, Sicherheitsbedenken und Cyberabwehr. Während KI-Robotik aktuell vor allem in Bereichen wie Smart Warehousing und Supply Chain eingeführt wird, dürfte sich die Technologie dank fallender Kosten demnächst auch auf viele andere Felder ausdehnen, verstärkt auch in Form humanoider Roboter.
Ein weiterer wichtiger Tech-Trend betrifft die Frage nach der nötigen Infrastruktur für die KI-Implementierung. Trotz starkem Kostenrückgang für KI-Token explodieren die Ausgaben der Unternehmen für KI-Infrastruktur derzeit. Hybride Architekturen könnten dieses Problem mildern. Dabei wird je nach Workload die effizienteste Infrastruktur genutzt (Cloud-, On-Premise- oder Edge-Infrastruktur).
Abschließend gibt der Report einen Ausblick auf ergänzende Trend-Signale wie etwa potenzielle Leistungsgrenzen bei Foundation-Modellen, die Bedeutung des Datenzugriffes für das Training, neuromorphe Prozessoren, Edge AI oder GEO (Generative Engine Optimization). Weitere Details über die Technologie-Trends für 2026 sowie Praxis-Beispiele aus vielen Branchen und Interviews mit externen Expert:innen finden Sie in der 17. Ausgabe der Tech Trends.
Laden Sie hier den Report zu den „Deloitte Tech Trends 2026“ herunter und erfahren Sie alle Einzelheiten zu den jeweiligen Fokusthemen und den weiteren Trends im Detail.