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Economic Trend Briefing – Keine Anzeichen für wirtschaftliche Erholung: Flash-Ergebnisse des Deloitte CFO Survey Frühjahr 2026

Trotz der Investitionspakete der Bundesregierung, die 2026 die Konjunktur anschieben sollten, gibt es aktuell keine Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung. Im Gegenteil, nachdem die Geschäftsaussichten im Herbst 2025 zumindest noch stagnierten, leiden die Aussichten der deutschen Unternehmen aktuell unter den Auswirkungen des Kriegs im Iran und einer schwachen konjunkturellen Entwicklung.

Die Ergebnisse des aktuellen CFO-Survey für das Frühjahr 2026 zeigen, dass sich die Aussichten vor allem für Unternehmen aus dem Mittelstand verschlechtert haben. An der Umfrage, die zwischen dem 16. April und dem 7. Mai 2026 durchgeführt wurde, nahmen 164 Finanzvorstände deutscher Großunternehmen teil.

Infolge der verschlechterten Geschäftsaussichten werden auch die Unternehmensstrategien noch defensiver. Im Durchschnitt stagnieren die Pläne für die Investitionen, und die Pläne für Beschäftigung gehen weiter deutlich zurück. Während die konjunkturellen Impulse der Fiskalpakete von den geopolitischen Schocks überlagert werden, geben die privaten Investitionen aktuell wenig Hoffnung auf konjunkturelle Erholung.


Risikolandschaft geprägt von Geopolitik

Mit dem Krieg im Iran sind geopolitische Risiken wieder an die Spitze der wichtigsten Risikofaktoren gerückt (siehe Abb. 1). Fast zwei Drittel der CFOs schätzen diese als hohes Risiko in den kommenden zwölf Monaten ein. Zudem sind infolge des Kriegs im Mittleren Osten auch Rohstoff- und Energiekosten zu wichtigen Risikofaktoren geworden. Im Vergleich zum Herbst 2025 schätzen mittlerweile doppelt so viele Unternehmen diese steigenden Kosten als hohes Risiko ein. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe mit der Auto- und Chemieindustrie sieht sich mit diesen Kostensteigerungen konfrontiert. Weiterhin wichtig bleibt aber auch das Risiko der schwachen Inlandsnachfrage, vor allem unter binnenmarktorientierten Unternehmen.

Parallel dazu gewinnen auch Cyber-Risiken zunehmend an Bedeutung für die Unternehmen. Vor allem Banken und Versicherer sind dieser Entwicklung ausgesetzt. Gleichzeitig fallen die bisher prominenten Risiken Fachkräftemangel und Lohnkostensteigerungen in der Umfrage deutlich ab. Steigende Kapitalkosten sind vor allem für die Immobilienbranche relevant.

Abb. 1 – Frage: Welche der folgenden Faktoren stellen für Ihr Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten ein hohes Risiko dar?

Geschäftsaussichten flächendeckend unter Druck – außer im Technologiesektor

Die Umbrüche und Krisen belasten die Aussichten der Unternehmen: Im Durchschnitt fallen die Geschäftsaussichten wieder deutlich. Der Indexwert – die Differenz aus positiven und negativen Einschätzungen – fällt ins Negative auf -21 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Herbst 2023 (siehe Abb. 2). Fast die Hälfte der CFOs schätzt die Aussichten schlechter ein als noch vor drei Monaten.

Abb. 2 – Frage: Wie beurteilen Sie die momentanen Geschäftsaussichten Ihres Unternehmens im Vergleich zu den Aussichten vor drei Monaten?

Besonders düster sind die Aussichten in der Immobilienbranche (Index: -50%) und dem Maschinenbausektor (-38%). Einzig in der Technologiebranche sind die Aussichten positiv (Index: +8%).Auffällig sind auch die Unterschiede zwischen Großunternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz im Jahr und dem Mittelstand. Der Index für die Aussichten der großen Unternehmen fällt, aber deutlich weniger ausgeprägt, auf -16 Prozent, während der Index für den Mittelstand auf -24 Prozent zurückgeht.


Großunternehmen und Mittelstand entwickeln sich auseinander

Dieser Unterschied zeigt sich auch in den Kennzahlen und Strategien der Unternehmen. Über zwei Drittel der Großunternehmen erwarten in den kommenden zwölf Monaten einen Anstieg ihrer Umsätze, fast die Hälfte einen Anstieg ihrer Margen. Im Vergleich dazu rechnet unter den Mittelständlern nur knapp die Hälfte mit einem Umsatzplus bzw. ein Drittel mit einer Steigerung der Margen.

Im Durchschnitt stagnieren die Pläne für Investitionen in den kommenden zwölf Monaten (siehe Abb. 3). Unter Großunternehmen sollen diese im Durchschnitt allerdings weiter leicht steigen (Index: +5%). Im Mittelstand sollen die Investitionen dagegen eher zurückgehen (Index: -3%). Aus Branchensicht wollen vor allem Banken und Technologieunternehmen mehr investieren, während das verarbeitende Gewerbe Investitionen eher zurückfährt.

Gleichzeitig soll die Beschäftigung wie schon im CFO-Survey Herbst 2025 stark zurückgehen mit einem Indexwert von -20 Prozent – in Großunternehmen stärker (Index: -28%) als im Mittelstand (Index: -17%). Aus Branchensicht planen vor allem Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel Beschäftigungsabbau (Index: -38%, bzw. -50%).

Abb. 3 – Frage: Wie werden sich Ihrer Ansicht nach die folgenden Kenngrößen und Kennzahlen für Ihr Unternehmen über die nächsten zwölf Monate verändern? Indexwerte* 

Neue Risiken belasten die wirtschaftliche Entwicklung

Die aktuellen geopolitischen Krisen verschlechtern die in Deutschland ohnehin instabile wirtschaftliche Lage. Investitionen bleiben die größte Sorge für den Standort. Während die staatlichen Investitionen 2026 stark zunehmen und damit aktuell die Konjunktur zumindest stabilisieren, liegt das Niveau privater Investitionen nur knapp über dem Stand von 2016.

Ausbleibende Investitionen belasten die Konjunktur besonders in einer Situation, in der durch die Geopolitik Impulse vonseiten der Weltwirtschaft ausbleiben und die Konsument:innen verunsichert sind. Langfristig bedeutet die fortgesetzte Investitionszurückhaltung ein ernsthaftes Risiko für den Standort, die Produktivität und damit den Wohlstand.

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