Von massiven Effizienzgewinnen bis zu völlig neuen Geschäftsmodellen: Das Potenzial der Generativen Künstlichen Intelligenz (GenAI) ist enorm – und das wird längst auch von Mittelstand und Familienunternehmen erkannt. Zugleich sieht sich die Mehrheit dieser Unternehmen allerdings nicht ausreichend auf die Implementierung der revolutionären Technologie vorbereitet. Ein neues Whitepaper von Deloitte erklärt Chancen, Risiken und Prioritäten.
Key Takeaways:
Generative KI hat laut der aktuellen KI-Studie von Deloitte bislang zwar erst aus Sicht von fünf Prozent der Mittelständler und Familienunternehmen eine Transformation der jeweiligen Branche bewirkt. Doch zwei Drittel erwarten eine solche Umwälzung in den nächsten drei Jahren. Der Handlungsdruck im Hinblick auf GenAI ist also hoch. Zugleich sind jedoch in den meisten Unternehmen dieses wichtigen Segments die organisatorischen Voraussetzungen für eine GenAI-Transformation noch nicht gegeben. Das neue Deloitte-Whitepaper zur generativen KI für Mittelstand und Familienunternehmen erklärt, welche Hürden bei der Implementierung überwunden werden müssen – und welche Vorbereitungsmaßnahmen sich bei führenden Unternehmen als Erfolgsfaktor bewährt haben.
Bei den Themenfeldern Risk & Governance und Talent ist der Nachholbedarf laut den Studienergebnissen besonders ausgeprägt, also in Bereichen wie Kompetenzaufbau, Risikomanagement und Regulatorik: Hier schätzen sich etwa drei Viertel der Unternehmen als nicht vollständig vorbereitet ein, ein Viertel als hochgradig vorbereitet. Besser sieht es in den Bereichen Technologie & Infrastruktur und Strategie aus, wo sich ungefähr jeweils die Hälfte als nicht vollständig vorbereitet und als hochgradig vorbereitet betrachten.
Positiv zu vermerken ist, dass nur wenige Organisationen angeben, überhaupt nicht vorbereitet zu sein. Klar ist aber auch, dass die Diskrepanz zwischen der Dringlichkeit des Themas und der nur teilweise bestehenden Umsetzungsfähigkeit den Handlungsdruck für Mittelstand und Familienunternehmen noch weiter erhöht.
Einer breiten GenAI-Einführung stehen in vielen Unternehmen organisatorische Hürden im Weg. Dazu gehören:
Diese Herausforderungen sind häufig einem unsystematischen, kurzfristig orientierten Ansatz bei Technologie-Investitionen geschuldet. Die weitere Innovation wird dann durch historisch gewachsene Legacy-Systeme und Datenbeständen erschwert. Daher sollten sich Unternehmen zunächst einmal über ihren Reifegrad klar werden und auf dieser Basis entscheiden, an welchem Punkt der Transformations-Journey sie idealerweise ansetzen.
Familienunternehmen denken langfristig und verantwortungsvoll. Um KI sinnvoll einzusetzen, müssen sie zentrale Hürden wie Compliance Vorgaben, Risikomanagement, Governance Fragen und Datenqualität von Anfang an klar adressieren. Werden diese Themen frühzeitig strukturiert angegangen, entsteht ein belastbarer Rahmen, in dem KI-Innovation ermöglicht und somit Wachstum und Chancen für Familienunternehmen nachhaltig gestärkt werden.
Dr. Christine Wolter, Deloitte Private Lead Deutschland
Eine entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche GenAI-Transformation ist ein Governance-Framework. Dieses stützt die effiziente Entscheidungsfindung und organisatorische Abstimmung, optimiert die Ressourcenallokation und ermöglicht eine Priorisierung der verschiedenen Use Cases. Die Unternehmensführung sollte sich das Thema GenAI zu eigen machen und sichtbar Verantwortung für die Transformation übernehmen, um Vertrauen und Akzeptanz in der Organisation zu schaffen. Nützlich ist darüber hinaus die Einrichtung eines zentrales Governance‑Gremiums (z.B. AI Center of Excellence). Dort können Ideen bewertet und weiterentwickelt werden. Das Gremium sollte außerdem regulatorische Entwicklungen beobachten, wofür auch die Kooperation mit externen Partnern in Frage kommt. Bei der Besetzung des Vorstands sollte darauf geachtet werden, dass Technologie-affine Führungskräfte vertreten sind, die eine unabhängige Perspektive in die Diskussionen einbringen können.
Die GenAI-Transformation setzt Unternehmen aller Branchen und Größen unter Zugzwang. Das kann zu überstürzten Investitionen führen, mit denen Unternehmen ihren Investoren und anderen Stakeholdern Innovationskraft signalisieren wollen. Mittelständler und Familienunternehmen ohne Börsennotierung sind hier im Vorteil. Sie unterliegen keiner periodischen Rechenschaftspflicht und können es sich leisten, strategisch bedacht vorzugehen. Das darf allerdings andererseits auch nicht zu einer Verlangsamung des Innovationstempos führen. Am besten sollte auf solche Use Cases fokussiert werden, die einen schnellen Wertbeitrag ermöglichen, zum eigenen technologischen Reifegrad passen und potenziell in der ganzen Organisation skalierbar sind. Geeignete Use Cases für den Start sind einfache Aufgaben wie die Rechnungsprüfung oder die Digitalisierung papierbasierter Unterlagen, aber auch anspruchsvollere Ansätze wie KI‑Agenten zur Unterstützung von Mitarbeitenden. Der Blick darf dabei nicht auf reine Kostensenkung verengt werden: Unternehmen sollten auch versuchen, Generative KI für Produkt- und Serviceinnovationen oder für die Expansion in neue Märkte zu nutzen.
Die meisten Mittelständler und Familienunternehmen haben inzwischen schon GenAI-Anwendungen ausgerollt. Dabei dominieren Chatbots, aber auch Automatisierungstools oder Cybersecurity-Lösungen werden genutzt. Besonders vielversprechend für Automatisierungszwecke sind darüber hinaus KI-Agenten, die autonom agieren und Probleme lösen können. Attraktive Einsatzgebiete liegen in Funktionen wie Finanzen oder Marketing. Agenten können beispielsweise Finanzdaten abgleichen, Berichte erstellen oder Kundenanfragen beantworten. Dafür müssen sie allerdings auf Unternehmensdaten und -systeme zugreifen können, auch starker Datenschutz ist eine unerlässliche Voraussetzung. Für die erforderliche IT-Infrastruktur sollten Unternehmen auf Hyperscaler oder ERP-Anbieter zurückgreifen, deren KI-Tools einen guten Ausgangspunkt darstellen. Am Markt verfügbare Lösungen sind gegenüber kostspieligen Eigenentwicklungen zu bevorzugen („buy before build“). Nicht zuletzt erfüllen sie auch die regulatorischen Anforderungen.
Ohne eine entsprechend befähigte Belegschaft kann die GenAI-Transformation nicht gelingen. Durch Schulungen, Workshops und Awareness-Programme stellen Unternehmen die nötige „AI Fluency“ her. Nur mit ausreichenden GenAI-Skills können Mitarbeitende als „Human in the Loop“ fungieren, also als menschliche Instanz, die KI‑Ergebnisse prüft, steuert und auch verantwortet. Dies wiederum ist eine entscheidende Bedingung dafür, dass den ausgerollten KI-Lösungen das nötige Vertrauen entgegengebracht wird. Einen entsprechenden Ansatz hat Deloitte in den „Trustworthy AI“-Prinzipien formuliert. Ebenso wichtig ist für die Vertrauensbildung eine transparente, ehrliche Kommunikation der Führung. Die Ziele der KI-Investitionen sollten klar vermittelt werden. Dazu gehören auch die Auswirkungen auf die verschiedenen Rollen. Dabei dürfte es sich häufig eher um eine Ergänzung als um eine Ersetzung bestehender Positionen handeln: Viele Unternehmen rechnen damit, dass die verfolgte KI-Strategie zu einer Beschäftigungszunahme führt.
Gerade im Mittelstand sind die Volumina der Innovationsbudgets oft begrenzt. Daher ist ein klares Bild auf die essenziellen Wirkungshebel durch Einsatz von KI im Unternehmen entscheidend für Priorisierungsbeschlüsse, um Investitionen dort zu fördern, wo KI den größten Mehrwert für das Unternehmen liefern kann.
Tatjana Wiebusch, Head of Artificial Intelligence & Data
Technologie, Geschäftsmodelle und Marktbedingungen für GenAI entwickeln sich mit rasantem Tempo weiter. Doch auch wenn dabei noch viel Unsicherheit für die Unternehmen herrscht: Durch Vorbereitungen in den vier angesprochenen Bereichen können sich Mittelstand und Familienunternehmen optimal für die GenAI-Transformation aufstellen. Dadurch minimieren sie Fehler und stellen sicher, dass die revolutionäre Technologie ihrer Organisation den maximalen Nutzen bringt. Alle weiteren Details und Handlungsempfehlungen erfahren Sie im neuen PoV "Generative KI für Mittelstand und Familienunternehmen" hier im Download.