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Insights zur aktuellen wirtschaftlichen Lage im deutschen Mittelstand

Ergebnisse des CFO Survey Herbst 2025 für mittelständische Unternehmen

Die schwierige wirtschaftliche Situation setzt dem Mittelstand schon seit Längerem zu, eine Besserung erwarten die befragten Finanzverantwortlichen vorerst nicht. Maßnahmen, wie das von der Bundesregierung beschlossene Investitionspaket, erreichen den Mittelstand kaum, so die Ergebnisse des aktuellen CFO-Survey. Kurzfristige und wirksame Initiativen sind für die Zukunft des Mittelstands jetzt entscheidend, betont Dr. Christine Wolter, Lead Deloitte Private, im Interview. Für den aktuellen CFO Survey hat Deloitte Finanzverantwortliche großer Unternehmen in Deutschland befragt – darunter auch 115 aus dem Mittelstand. 

CFO-Survey Herbst 2025 / Auswertung Mittelstand Download

Der CFO Survey gibt Einblick in die Stimmung von 115 mittelständischen Finanzverantwortlichen. Welche Entwicklungen treiben sie aktuell besonders um?

Dr. Christine Wolter: Auch wenn sich die Geschäftsaussichten erstmals seit dem Frühjahr 2024 wieder leicht positiv zeigen (Index: 1%), stehen die Unternehmen weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Die schwache Inlandsnachfrage, hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Lohnkosten, geopolitische Risiken und wachsende regulatorische Anforderungen belasten den Mittelstand  massiv. Das Ausmaß der Unsicherheit ist derzeit so hoch wie selten zuvor und übertrifft sogar das Niveau während der Corona-Pandemie.

 

Wie reagieren die Mittelständler auf diese Herausforderungen?

Dr. Christine Wolter: Strategische Planung ist heute komplexer denn je. Viele Unternehmen agieren zurückhaltend angesichts der unsicheren Wirtschaftslage. Der Handlungsspielraum ist begrenzt, doch Investitionen sind trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen unverzichtbar. Zwar wird ein leichter Anstieg der Investitionen in Deutschland erwartet
(Index: 12%), gleichzeitig ist aber absehbar, dass diese zukünftig vor allem im Ausland getätigt werden. 25 Prozent der befragten CFOs räumen ein, dass sie schon in der Vergangenheit stärker im Ausland hätten investieren sollen. 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen sehen Deutschland aktuell noch als Innovationszentrum. In zwei Jahren sind das nur noch 22 Prozent. Das sind Zahlen, die die dramatische Verschlechterung der  Standortattraktivität Deutschlands für den Mittelstand verdeutlichen. Perspektivisch beabsichtigen viele Mittelständler, ihre Präsenz in Deutschland deutlich zu reduzieren. Der Standort verliert somit weiter an Bedeutung: Weniger als die Hälfte der Befragten (47%) erwartet, dass Deutschland in zwei Jahren weiterhin als operatives Zentrum ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten fungiert. Für die Produktion liegt die Erwartung sogar nur bei 25 Prozent (2025: 55%). Die Zahlen zeigen einen klaren Trend, der sich schon seit Jahren abzeichnet und machen deutlich: Es ist höchste Zeit für die Politik, endlich wirksam gegenzusteuern! 

 

Wie können mittelständische Betriebe jetzt entlastet werden?

Dr. Christine Wolter: Der deutsche Mittelstand braucht verlässliche Rahmenbedingungen, die Planungssicherheit schaffen, sowie  Reformen, die spürbare Entlastung bringen. Das von der Bundesregierung beschlossene Fiskalpaket kommt im Mittelstand nicht an: Der CFO Survey zeigt, dass nur knapp jedes zehnte Unternehmen einen direkten positiven Effekt aus den Maßnahmen erwartet, während rund 30 Prozent höchstens mit indirekten Verbesserungen rechnen. Gefordert sind jetzt umfassende Strukturreformen, die den Standort Deutschland stärken und dem Mittelstand wieder Zuversicht geben. Bürokratieabbau ist dabei nur der Anfang. Staatliche Fördermaßnahmen und Steuererleichterungen könnten die hohen Kosten senken und mehr Spielraum für Investitionen schaffen.

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