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Financial Industry Briefing: Wo die Financial Data Access (FiDA)-Verordnung steht und was dies für Open Finance bedeutet

Mit der Financial Data Access (FiDA) Verordnung will die EU den Zugang zu Finanzdaten neu ordnen und Open Banking in Richtung Open Finance weiterentwickeln. Kund:innen soll es künftig leichter möglich sein, ihre Finanzdaten kontrolliert für ausgewählte Drittanbieter freizugeben. Die Expert:innen des Deloitte FiDA Center of Excellence bieten eine aktuelle Bestandsaufnahme und ordnen ein, wo FiDA im europäischen Gesetzgebungsprozess aktuell steht, welche Punkte in der Ausgestaltung noch besonders umstritten sind und was die anhaltende regulatorische Unsicherheit für betroffene Finanzinstitute bedeutet. 

Aktueller Stand des FiDA-Trilogs

Im Jahr 2023 hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag für die FiDA-Verordnung vorgelegt.1 Ein Jahr später haben EU-Parlament und EU-Rat als weitere Co-Gesetzgeber ihre jeweiligen Positionen beschrieben.2,3 Seitdem wird FiDA im Trilog zwischen Parlament, Rat und Kommission verhandelt. Der Trilog ist das informelle Verhandlungsformat der drei EU-Institutionen, in dem ein gemeinsamer Kompromisstext ausgearbeitet wird. Die letzte Trilog-Runde fand im Juni 2025 statt. Weitere Runden haben bisher nicht stattgefunden, obwohl eine Finalisierung der Verordnung schon bis Ende 2025 für möglich gehalten wurde.

Da der Trilog kein formal definierter Verfahrensschritt der EU-Gesetzgebung ist, gibt es folglich keine offizielle Kommunikation zum Stand und Verlauf der Verhandlungen. Hinweise ergeben sich vor allem indirekt – etwa daraus, dass FiDA im Arbeitsprogramm der Kommission für 2026 weiterhin als anhängiger Vorschlag geführt wird. Das spricht dafür, dass der Prozess im Jahr 2026 fortgesetzt wird, auch wenn aktuell keine konkreten Sitzungstermine bekannt sind.

Inhaltlich wird der Prozess durch Non-Paper von verschiedenen Konstellationen von Mitgliedsstaaten, Vereinfachungsvorschlägen der Kommission sowie eine aktive Interessenvertretung von Marktakteuren der Finanzindustrie begleitet. Das Deloitte EU Policy Center spiegelt aus Kreisen der Co-Gesetzgeber in Brüssel derzeit folgendes Stimmungsbild:

  • EU-Rat: Zypern sieht für seine aktuelle EU-Ratspräsidentschaft in FiDA kein Schwerpunkt-Thema, ist aber grundsätzlich bereit, den Entwurf weiter zu verhandeln. In informierten Kreisen wird diskutiert, dass die kommende irische Präsidentschaft die Priorität anders bewerten könnte und beispielsweise – aufgrund der Bedeutung als Finanzplatz und europäischer Sitz zahlreicher Gatekeeper-Unternehmen – auch andere Schwerpunkte mit Blick auf die Gatekeeper setzen möchte.
  • EU-Kommission: Maria Luis Albuquerque hat als zuständige Kommissarin in einer öffentlichen Rede im Februar 2026 ihre politische Unterstützung für FiDA nachdrücklich bekräftigt. Auf einer FinTech- und Regulierungskonferenz adressierte sie die Kritikpunkte der Industrie durch Verweis auf die von der Kommission bereits 2025 vorgelegten Vorschläge zur Vereinfachung und Kostenbegrenzung. Zusätzliche Ansätze kündigte sie nicht an.
  • EU-Parlament: Die Parlamentarier, die für ihre jeweiligen Fraktionen zu FiDA Bericht erstatten, senden teils uneinheitliche Signale. Der führende Berichterstatter soll der Verordnung zuletzt zunehmend skeptisch gegenüberstehen – insbesondere auch aufgrund der überwiegend kritischen Haltung der datenführenden Finanzinstitute. Während dadurch die inhaltliche Auseinandersetzung im Trilog an Schärfe gewinnen könnte, erscheint der Einfluss des Parlaments auf den Prozess selbst begrenzt. Formell kann eine von der EU-Kommission vorgeschlagene Verordnung auch nur von ihr selbst zurückgezogen werden.

„Wieviel“ Open Finance – und in welcher Reihenfolge?

Der Anwendungsbereich bleibt der zentrale Stellhebel: Welche Produkte und Datenkategorien werden erfasst, in welcher Granularität – und wie wird Proportionalität hergestellt? In dieser Diskussion ist auch zu klären, bis zu welchem Umfang neben dem Privatkunden- auch das Firmenkundengeschäft einbezogen werden soll.Entscheidend sind drei Fragen:

  • Welche Datenkategorien liefern Nutzen, ohne den Implementierungsaufwand zu sprengen?
  • Welche Datenhistorie ist erforderlich, ohne dass ein Kosten-/Qualitätsrisiko entsteht?
  • Reduziert eine phasenweise Einführung den Startdruck, ohne Fragmentierung und Nachsteuerung zu verstärken?

Die Debatte darum, ob große digitale Plattformen (sog. „Gatekeeper“) als Datennutzer zugelassen werden sollen, ist kontrovers. Dabei geht es um mehr als Veränderungen in der Marktstruktur und Position an der Kundenschnittstelle. Ebenso relevant ist die Balance zwischen Innovationsbreite und der Sorge vor Konzentrationseffekten. Für datenführende Institute kommt hinzu: Einige Use Cases sind zwar aus Kundensicht sehr attraktiv, können aber aus Institutslogik ambivalent wirken, etwa wenn sie Erlös-Pools oder die Kundenbeziehung tangieren. Entscheidend wird dabei sein, wie die sogenannten „Schemes“ ausgestaltet werden – also die gemeinsamen Marktregeln, Standards und Vertragsmechaniken für das künftige Financial Data Sharing. Ihre konkrete Ausgestaltung und die regulatorische Aufsicht entscheiden maßgeblich darüber, ob Kooperation ermöglicht und skalierbar wird, ohne einzelne Marktseiten systematisch zu benachteiligen. Zusätzlich wirken aktuelle geo- und industriepolitische Fragestellungen auf diese Debatte in Brüssel ein.

Der Wirkungsgrad von FiDA steht und fällt mit Interoperabilität. Schemes legen den technischen und vertraglichen Rahmen des Financial Data Sharing fest – werden aber potenziell auch zum Bottleneck: Wenn Scheme-Entwicklung und Standardisierung zu langsam oder zu heterogen verlaufen, verschiebt sich die Marktwirkung trotz Rechtsrahmen nach hinten. Je länger dieser Prozess dauert, desto stärker kollidiert die Umsetzung mit regulatorischen Fristen und parallel laufenden Programmen – mit höheren Kosten- und Delivery-Risiken als Folge. Vereinfachungen des prozessualen Vorgehens, klar definierte Mindestanforderungen und im Zweifel pragmatische Übergangslösungen („Fallbacks“) sind daher zentrale Gegenstände der noch ausstehenden Abstimmungen.

Was Institute trotz Unsicherheit tun können

Für Finanzinstitute erzeugt die regulatorische Unsicherheit derzeit spürbare Entscheidungs- und Investitionsrisiken – häufig verbunden mit Zurückhaltung und einer verlangsamten Umsetzungsplanung. Gleichzeitig haben viele Häuser in Vorstudien bereits konkrete Chancen von Open Finance identifiziert, etwa für datenbasierte Weiterentwicklungen von Geschäfts- und Vertriebsstrategien. Entsprechend wirkt der Markt gespalten: Während ein Teil deutliche Chancen sieht, fokussiert ein anderer Teil vor allem Kosten, enge Timelines und das Risiko einer fragmentierten Umsetzung des Rahmenwerks.

Beide Sichtweisen können – abhängig von Geschäftsmodell und Wettbewerbsposition – nachvollziehbar sein. Entscheidend ist jedoch, dass sie Ergebnis einer strukturierten strategischen Einordnung sind – nicht Ausgangspunkt. Genau deshalb lohnt sich zunächst ein Schritt zurück: Welche Rolle soll Open Finance im eigenen Zielbild überhaupt spielen?

Eine strategische Positionierung beginnt mit einer klaren Sicht auf Treiber und Szenarien – regulatorisch, technologisch und marktseitig – und deren Wirkung auf die eigenen Geschäftsfelder. Darauf folgt ein Realitätscheck des Ausgangsniveaus (Daten, Governance, Architektur/API-Reife, Organisation). Ergebnis ist ein strategisches Zielbild, abgestimmt mit Digital-, Daten-, KI- und vor allem Vertriebs-Strategien: Welche Ambition verfolgt das Institut im Open Finance Kontext, und welche Fähigkeiten müssen dafür aufgebaut werden? 

Diese Positionsbestimmung lohnt sich unabhängig von FiDA, weil Open Finance zunehmend marktgetrieben entsteht: Kundenerwartungen an digitale, integrierte Services steigen, neue Anbieter und Wettbewerber testen Open-Finance-nahe Angebote, und technologische Fortschritte – insbesondere im Bereich KI – senken die Investitionshürden und erhöht die Skalierbarkeit von daten-basierten Use Cases. Gerade bei regulatorischer Unsicherheit hilft ein Zielbild dabei, Investitionen zu priorisieren und proaktiv Synergien mit laufenden Programmen zu nutzen – statt später unter Zeitdruck reaktiv nachzusteuern.

Aus dem Zielbild können sich unterschiedliche Handlungsoptionen ergeben. Wer Open Finance als nachrangig einstuft und im Regulierungsfall auf „Minimum-Compliance“ setzt, kann zunächst auf eine umsetzungsfähige Grundarchitektur und enges Monitoring der weiteren Entwicklung fokussieren. Wer dagegen relevante Verschiebungen bei Kundenerwartungen oder Wettbewerb erwartet, wird ausgewählte Vorarbeiten angehen, die auch ohne Regulierung Nutzen stiften und spätere Anforderungen abfedern („regulatory hedge“). Typische Bausteine von solchen „No-Regret-Moves“ sind Use-Case-Priorisierung, ein Data-Readiness-Check (Zugriff, Qualität, Governance) sowie gezielte Investitionen in skalierbare Daten-, KI- und API-Fähigkeiten mit Security und Compliance „by design“.

Weitere Informationen & Ansprechpartner

1 EU-Kommission (2023): Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über einen Rahmen für den Zugang zu Finanzdaten und zur Änderung der Verordnungen (EU) Nr. 1093/2010), (EU) Nr. 1094/2010, (EU) Nr. 1095/2010 und (EU) 2022/2554, abgerufen am 5. März 2026

2 Europäisches Parlament (2024): Bericht über den Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über einen Rahmen für den Zugang zu Finanzdaten und zur Änderung der Verordnungen (EU) Nr. 1093/2010, (EU) Nr. 1094/2010, (EU) Nr. 1095/2010 und (EU) 2022/2554, abgerufen am 5. März 2026

3 EU Rat (2024): Mandat des Rates für Verhandlungen mit dem Parlament über die Verordnung über den Zugang zu Finanzdaten, abgerufen am 5. März 2026

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