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Automobilzulieferer unter Druck: Fast jeder fünfte Betrieb finanziell angeschlagen

Supplier Risk Monitor

  • Margendruck und hohe Investitionen belasten die Wertschöpfungskette – neue Technologien bieten Weg zur Resilienz
  • Das Marktumfeld verschärft sich: Die Risikobewertung ist für alle Komponenten seit 2023 gestiegen
  • Technologien wie ADAS & Sensoren sowie Hochvolt-Batterien weisen die niedrigsten Risikowerte auf, während Rahmen und Sitze am stärksten betroffen sind.

München, 16. Dezember 2025 — Die Automobilindustrie befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation, die Zulieferbetriebe weltweit vor immense Herausforderungen stellt. Laut dem aktuellen Deloitte Supplier Risk Monitor 2025/2026 sind die Risikowerte in fast allen untersuchten Bereichen deutlich gestiegen. Die Analyse von 19 verschiedenen Komponenten-Clustern zeigt: Die finanzielle Situation vieler Zulieferer vor allem in Europa ist prekär, und ein erheblicher Teil sieht sich mit existenzbedrohenden Schwierigkeiten konfrontiert.

Insbesondere die finanzielle Widerstandsfähigkeit schwindet. Die Studie macht deutlich, dass 12 Prozent der großen und 19 Prozent der kleinen Zulieferer sich in einer kritischen Zone befinden. Das bedeutet, ihre EBIT-Margen liegen unter fünf Prozent und ihre Verschuldung beträgt mindestens das dreifache ihres jährlichen operativen Ergebnisses. Für diese Unternehmen wird die Erbringung des Schuldendienstes herausfordernd. 

„Unsere Analysen zeigt deutlich, dass die Bilanzen der Zulieferer in den letzten Krisenjahren stark an Substanz verloren haben. So ist die Profitabilität insbesondere der kleinen und mittelgroßen europäischen Zulieferer niedrig und die Verschuldung hoch. Zugleich haben die Herausforderungen des Markt- und Wettbewerbsumfeldes im Vergleich zu unserer vorherigen Studie, insbesondere getrieben durch die auf niedrigem Niveau stagnierenden Volumen, noch einmal zugenommen. Die Ausgangslage für den bevorstehenden Transformationsmarathon ist für viele Zulieferer somit denkbar schlecht“, betont Daniel Montanus, Partner Turnaround & Restructuring. „Die Restrukturierungen in der Automobilzulieferindustrie haben vor diesem Hintergrund an Komplexität zugenommen. Die Herausforderungen sind so vielfältig, dass viele Zulieferer, getreu dem Motto „No strategy no turnaround“, nun zeitgleich finanzielle, operative und strategische Maßnahmen ergreifen müssen, um den Fortbestand zu sichern.“

„Kostensenkung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein struktureller Imperativ“, ergänzt Dr. Philipp Kinzler, Partner Turnaround & Restructuring. „Angesichts stagnierender Volumina und hoher Fixkosten müssen Zulieferer ihre Kostenbasis radikal flexibilisieren. Das bedeutet: umfassende Effizienzprogramme, Portfolioanpassungen und eine klare Priorisierung von Investitionen, sonst fehlt die finanzielle Luft für die Transformation.“

Risikobereiche und Chance

Die höchsten Risiken konzentrieren sich auf Komponenten wie Rahmen und Sitze, gefolgt von Verbrennungsmotoren (ICE) und Kraftstoffsystemen. In diesen Bereichen liegt das jährliche Marktwachstum seit 2023 bei nur noch 0,2 Prozent. Geringe Differenzierungsmöglichkeiten, hohe Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und ein intensiver Preisdruck der Hersteller belasten die Profitabilität. Zulieferer für Sitze weisen die niedrigsten EBIT-Margen (4,0 %) auf, gefolgt von Rahmen- (4,2 %) und Achsen-Zulieferern (4,3 %).

Gleichzeitig eröffnen sich in anderen Segmenten Chancen. Zulieferer von ADAS & Sensoren (Advanced Driver Assistance Systems - fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme, die den Fahrkomfort und die Sicherheit erhöhen) sowie Rädern und Reifen haben mit 8,3 Prozent die höchsten EBIT-Margen. Auch Hochvolt-Batterien/Brennstoffzellen und elektrische Antriebe weisen die niedrigsten Risikowerte auf. Diese Cluster profitieren von hohem Wachstumspotenzial, regulatorischer Unterstützung und der Fähigkeit zur technologischen Differenzierung. Hier fließen erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung, und die Innovationskraft ist hoch.

Die Transformation in der Automobilindustrie führt zudem zu einer spürbaren Machtverschiebung. Hersteller, insbesondere aus China und den USA, übernehmen eine Führungsrolle in der Elektromobilität, indem sie beispielsweise eigene Batterien produzieren. Dies erhöht den Druck auf europäische Zulieferer.

„Die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen und die geopolitischen Spannungen erhöhen die Verwundbarkeit globaler Lieferketten“, betont Philipp Obenland, Partner Supply Chain & Operations. „Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller mit aggressiven Kostenstrukturen und eigener Batterieproduktion in die Märkte. Wer hier bestehen will, muss nicht nur die Lieferketten diversifizieren, sondern auch Geschwindigkeit und Innovationskraft massiv steigern.“

Methodik der Studie

Der Deloitte Supplier Risk Monitor basiert auf 25 Indikatoren, die in sechs Risikokategorien eingeteilt sind: (1) Marktstruktur und -druck, (2) regulatorisches und gesellschaftliches Umfeld, (3) zukünftige Marktrelevanz, (4) Fähigkeit zur Cash-Generierung, (5) Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft sowie (6) Kreditwürdigkeit. Diese Indikatoren werden regelmäßig aktualisiert, um eine präzise Risikobewertung zu gewährleisten. Die Datengrundlage bilden Deloitte Research, Expertengespräche und die Deloitte Benchmark-Datenbank mit Finanzdaten von 776 Tier-1-Lieferanten für die PKW-Produktion weltweit.

Den vollständigen Deloitte Supplier Risk Monitor 2025/2026 finden Sie hier.