Der aktuelle Deloitte Life Sciences Outlook zeigt auf, welche Trends das Marktumfeld für Pharma- und Medtech-Unternehmen in den nächsten Monaten entscheidend beeinflussen werden. Damit liefert er Entscheider:innen wichtige Impulse hinsichtlich strategischer Weichenstellungen und Investitionen.
Führungskräfte aus der Life-Sciences-Industrie blicken überwiegend optimistisch ins Jahr 2026. Obwohl nur 41 Prozent der Befragten optimistisch sind, was die globale wirtschaftliche Entwicklung angeht, schätzen immerhin 75 Prozent die erwartete Entwicklung der eigenen Geschäftszahlen für 2026 als positiv ein.
Welche strategischen Maßnahmen in den befragten Unternehmen begründen diesen positiven Ausblick?
Während in Europa und Asien – sowohl in Biopharma (90%) als auch in Medtech (88%) – die Mehrzahl der Führungskräfte eher eine positive Geschäftsentwicklung im Jahr 2026 erwarten, sind die vergleichbaren Zahlen in den USA deutlich niedriger: Nur 56 Prozent der Biopharma-Führungskräfte geben hier einen optimistischen Ausblick und auch in der Medizintechnik ist mit 68 Prozent der Befragten der Optimismus im internationalen Vergleich deutlich geringer.
Viele der befragten Führungskräfte erwarten, dass US-Import-Zölle auf pharmazeutische und medizin-technische Produkte, neue Preismechanismen für Arzneimittel in den USA (internationale Referenzpreise / „most favored nation pricing“) sowie veränderte regulatorische Anforderungen in Europa (z.B. EU AI Act, CSRD, EHDS) und Asien (z.B. Chinas „Volume-Based Procurement“ Programm) einen entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Geschäftsentwicklung haben werden. In der Konsequenz benennen in der aktuellen Umfrage 39 Prozent der Befragten geo-politische und ökonomische Unsicherheiten als Top-Trend – im Vergleich zur letztjährigen Befragung sind das 20 Prozent mehr.
Interessanterweise unterscheiden sich die Strategien im Kosten-Management zwischen den Branchen Biopharma und Medizintechnik: Während Biopharma-Führungskräfte hier den größten Hebel in Forschung und Entwicklung sehen (41%) und weniger bei operativen Effizienzen (31%) bzw. bei Preisen, Erstattung und Marktzugang (29%), bewerten die Führungskräfte aus der Medizintechnik Kosteneffizienz bei operativen Themen (47%) als den größten Hebel, gefolgt von Preisen, Erstattung und Marktzugang (37%) sowie Forschung und Entwicklung (30%).
Dabei erwarten die Befragten beider Branchen zu 78 Prozent, dass KI eine zentrale Rolle in der Realisierung von Kosteneffizienzen spielen wird.
In beiden Branchen – Biopharma und Medizintechnik – wird erwartet, dass Wachstum etwa gleichermaßen aus der eigenen Forschung & Entwicklung (48% vs. 50%) generiert wird sowie aus Zukäufen und Partnerschaften (45% vs. 51%).
Große Unterschiede zeigen sich hingegen bei den Investitionen in KI-Plattformen, hier liegen die Erwartungen der Medizintechnik-Branche mit 53 Prozent deutlich über denen der Biopharma-Branche (39%). Investitionen in KI-basierte Diagnostika werden hierbei von 49 Prozent der befragten Medizintechnik-Führungskräfte als Priorität genannt.
Trotz eines in vielerlei Hinsicht schwierigen Marktumfelds blickt die Mehrzahl der Life-Sciences-Führungskräfte positiv ins Jahr 2026. Die hochgesteckten Ziele zu erreichen, ist für die Life-Sciences-Industrie jedoch alles andere als ein Selbstläufer: Der hohe Grad an regulatorischer und ökonomischer Unsicherheit zwingt Unternehmen dazu, sich agil und resilient aufzustellen, sodass sie sich strategisch und operativ schnell an neue Entwicklungen anpassen können. Eine strategische Skalierung von KI, neue Arbeitsstrukturen sowie gezielte Investitionen in die wichtigsten und am besten zu verteidigenden Märkte und Produkte werden zu entscheidenden Erfolgskriterien für Unternehmen.
Deloitte Global führte in Zusammenarbeit mit dem Deloitte US Center for Health Solutions im August und September 2025 seine jährliche globale Life Sciences Outlook Befragung unter 280 Führungskräften der obersten Ebene großer Biopharma- und Medizintechnik-Unternehmen durch. Die Befragten kamen aus den USA, Europa (Frankreich, Deutschland, Schweiz, Großbritannien) und Asien (China, Japan). Die Ergebnisse der Umfrage wurden um Interviews ausgewählter Führungskräfte ergänzt (siehe auch Kapitel „Methodik“ in der Studie).
„Optimismus ist wichtig, doch entscheidend ist Agilität: Life Sciences Unternehmen, die Innovation vorantreiben, Kosten kontrollieren und KI produktiv skalieren, werden im volatilen Marktumfeld bestehen.“
Susanne Uhlmann, Partner und Sector Lead Life Sciences, Deloitte
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