Geopolitische Unsicherheit, sich überlagernde Krisen und die fragile Resilienz des globalen Handels fordern die exportgetriebene deutsche Industrie weiter heraus. Gleichzeitig ergeben sich aber Chancen aus neuen Freihandelsabkommen in Asien und Südamerika. Unsere aktualisierte Handelsanalyse zeigt, in welchen Absatzmärkten künftig das größte Wachstumspotenzial für deutsche Industrieexporte besteht und wie Industrieunternehmen darauf reagieren können.
Key Takeaways
Die Supply Chain Pulse Check Studienreihe von Deloitte und dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) in Zusammenarbeit mit der International Service Logistics Association (ISLA) hat bereits in der Umfrage der Auflage 2025 gezeigt: In zunehmend unsicheren Zeiten treibt die deutsche Industrie eine Neuaufstellung ihrer operativen Tätigkeit voran, um ihre Resilienz zu stärken und künftig weiterhin wachsen zu können. Viele Unternehmen erwägen Diversifizierung, Regionalisierung und Lokalisierung von Teilen der Wertschöpfung und eine neue geografische Ausrichtung. Für eine erfolgreiche Umsetzung müssen sie sich folgende zentrale Fragen stellen: In welchen Absatzmärkten können wir noch wachsen? Wo gibt es neue Wachstumsmärkte? Wie wollen wir uns absichern?
Für die aktuellen Auflage des Supply Chain Pulse Check haben wir analog zum ersten Exportkompass für die deutsche Industrie von 2024 eine aktualisierte Wachstumsprognose berechnet, um die potenziellen Verschiebungen in den Handelskorridoren der deutschen Industrie von 2025 bis 2035 zu modellieren und Handlungsempfehlungen zu formulieren.
Abb. 1: Die größten Absatzregionen der deutschen Industrie
(Deutsche Exporte 2025 und 2035 in Mrd. EUR, CAGR 2025–35)
Laden Sie hier unsere aktuelle Ausgabe des Supply Chain Pulse Check 2026 herunter und erfahren Sie alle Ergebnisse im Detail.
Grundlage der Modellierung für die aktuelle Ausgabe ist das GTAP-Modell (Global Trade Analysis Project) der Purdue University (USA), das die Handelsverflechtungen von 141 Ländern und 65 Sektoren abbildet. Für diese Modellierung werden vier Sektoren (Maschinenbau, Elektronik, Automobil und Chemie) und 71 Länder im Detail betrachtet. In die Modellierung fließen die entscheidenden Einflussfaktoren ein, die den zukünftigen Handel positiv oder negativ beeinflussen können.
Modelliert wurde eine Wachstumsprognose, bei der angenommen wird, dass alle im Jahr 2025 verhängten Zölle und Gegenmaßnahmen, wie auch die im ersten Quartal 2026 nach dem US-Supreme-Court-Urteil angekündigten Anpassungen umgesetzt werden. Mitmodelliert wurden ebenfalls die neuen Freihandelsabkommen der EU mit Indonesien, Indien, den Mercosur-Staaten und Australien (Stand: 31. März 2026). Die Zahlen wurden gewichtet modelliert, d.h. nicht mit den Höchstwerten der Zölle, sondern mit denjenigen, die nach Verhandlungen zu erwarten sind. Die bestehenden Handelsschranken zwischen einzelnen Ländern im EU-Binnenmarkt wurden als nicht-tarifäre Handelshemmnisse modelliert mit der Annahme, dass sie in den nächsten Jahren leicht abgebaut würden.