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Krankenversicherungsstudie 2027: Individuelles Sparpotenzial steigt wieder über 700 Franken

Zürich, 2. Oktober 2026

Die Krankenkassenprämien steigen weiter. 54 Prozent der Befragten machen sich wegen der Prämien finanzielle Sorgen. Zugleich könnten Erwachsene 2027 im Durchschnitt 702 Franken pro Jahr sparen. Das zeigt die neue Studie von Deloitte «Krankenversicherung Schweiz: Prämiensituation 2027». Deloitte erwartet erneut eine hohe Wechselquote und damit ein anspruchsvolles Herbstgeschäft für die Krankenversicherer.

Die jährliche Krankenversicherungsstudie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte Schweiz analysiert die Prämienentwicklung sowie zentrale Trends bei Versicherten und Krankenversicherern. 26 Prozent der Befragten geben an, dass sie Schwierigkeiten haben, die Prämien zu bezahlen. Viele prüfen ihre Versicherung regelmässig: 58 Prozent gaben an, ihre Police jedes Jahr zu überprüfen.

 

Prämien steigen, Sparpotenzial wächst

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weist für 2027 eine durchschnittliche Prämienerhöhung von 5,0 Prozent aus. Die je Region verfügbare günstigste Marktprämie steigt gemäss den Berechnungen von Deloitte im gewichteten Mittel um 5,2 Prozent. Welches Angebot am günstigsten ist, unterscheidet sich je nach Wohnort, Franchise und Versicherungsmodell. Ein regelmässiger Vergleich bleibt deshalb sinnvoll.

Das berechnete Sparpotenzial von 702 Franken ist gegenüber dem Vorjahr um 44 Franken gestiegen. Grundlage der Berechnung von Deloitte sind die günstigsten Angebote je Prämienregion. Berücksichtigt werden auch die Franchise und die Absicherung bei Unfällen. Die 702 Franken sind ein berechneter Durchschnitt. Die persönliche Ersparnis kann höher oder tiefer ausfallen.

«Viele Versicherte unterschätzen, wie stark sich die Prämien trotz identischer Leistungen in der Grundversicherung unterscheiden können», sagt Marcel Thom, Leiter Versicherungen bei Deloitte Schweiz. «Wer seine Krankenversicherung regelmässig überprüft, hat bessere Chancen, ein Angebot zu finden, das zu den eigenen Bedürfnissen und zum Budget passt. Eine verständliche Beratung hilft dabei. Krankenversicherer bleiben dafür wichtige Ansprechpartner.»

 

Ein Vergleich kann sich lohnen

Grund- und Zusatzversicherung müssen nicht beim selben Anbieter abgeschlossen werden. Die repräsentative Befragung von Deloitte zeigt, dass 27 Prozent der Befragten diese beiden Versicherungen bei unterschiedlichen Anbietern haben – 2021 waren es erst 19 Prozent. Versicherte nutzen diese Wahlmöglichkeit also zunehmend und können für beide Bereiche ein Angebot wählen, das zu ihren Bedürfnissen passt.

 

Hohe Wechselquote erhöht den Wettbewerbsdruck

Auf Basis historischer Zusammenhänge erwartet Deloitte erneut eine hohe Wechselquote von 7 bis 9 Prozent. Dies entspricht rund 600’000 bis 900’000 Versicherten, die zu einem neuen Krankenversicherer wechseln könnten. Für die Anbieter erhöht dies den Druck, bestehende Kundinnen und Kunden zu halten und wechselbereite Versicherte gezielt anzusprechen.

Der Prämienvergleich zeigt: Welche Angebote günstig sind, unterscheidet sich je nach Wohnort, Franchise und Versicherungsmodell. Auch die Rangliste der günstigsten Anbieter verändert sich per 2027 in einigen Regionen deutlich. Das eröffnet Versicherten Wahlmöglichkeiten und macht einen regelmässigen Vergleich sinnvoll. Neben dem Preis zählen die persönliche Betreuung und die Regeln des gewählten Modells.

Die klassischen Hausarzt-, Gruppenpraxis- und Telemedizinmodelle sind fest etabliert. Zunehmend werden auch digitale Modelle lanciert, bei denen Versicherte im Krankheitsfall zwingend zuerst eine App mit Symptom-Checker konsultieren müssen. Auch die Wahl von Spezialistinnen und Spezialisten wird zunehmend eingeschränkt und teilweise über digitale Plattformen gesteuert. Deshalb sollten Versicherte genau prüfen, ob diese Abläufe und Restriktionen zu ihren Bedürfnissen passen. Für Krankenversicherer wird eine verständliche Positionierung ihres Angebots wichtiger.

 

Persönliche Beratung bleibt wichtig

Viele Versicherte schätzen das Gespräch. 48 Prozent lassen sich bei einem Wechsel ihrer Krankenversicherung persönlich beraten – bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 64 Prozent. Für Krankenversicherer bleibt persönliche Beratung ein wichtiger Faktor, um Vertrauen aufzubauen und Kundinnen und Kunden langfristig zu binden.

Gleichzeitig nutzt die Bevölkerung zunehmend digitale Informationsmöglichkeiten: 12 Prozent nutzen bereits künstliche Intelligenz für Fragen zur Krankenversicherung, weitere 27 Prozent planen dies künftig. Insgesamt dürften sich diesen Herbst also knapp 40 Prozent der Versicherten von KI-Assistenten wie ChatGPT, Gemini oder Claude unterstützen lassen.

«Für Krankenversicherer wird es immer wichtiger, verständlich zu vermitteln, worin sich Modelle, Beratung und Service von der Konkurrenz unterscheiden», sagt Thom. «Wer ausschliesslich über den Preis wahrgenommen wird, macht sich leicht vergleichbar.»

 

Gesundheitskosten gemeinsam angehen

Die Studie ordnet das individuelle Sparpotenzial auch in den grösseren Zusammenhang der Gesundheitskosten ein. Wie die Schweiz stehen auch andere Länder vor steigenden Gesundheitskosten. Eine nachhaltige Entlastung erfordert daher nicht nur bewusste Entscheidungen der Versicherten, sondern auch wirksamere Strukturen in der medizinischen Versorgung.

«Ein Wechsel des Krankenversicherers kann das persönliche Budget entlasten, löst aber das Kostenproblem im Gesundheitssystem nicht», sagt Thom. «Um den Kostenanstieg nachhaltig zu bremsen, müssen die Akteure in der Versorgung besser zusammenarbeiten und digitale Lösungen gezielt einsetzen.»

Über die Studie

Die Studie von Deloitte «Krankenversicherung Schweiz: Prämiensituation 2027» wertet offizielle Marktdaten des BAG und weiterer Quellen aus. Hinzu kommt eine in Zusammenarbeit mit YouGov durchgeführte repräsentative Befragung. Daran nahmen im August und September 2026 1’236 in der Schweiz wohnhafte Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren teil. Gefragt wurde unter anderem nach der Wahl der Krankenversicherung, der Belastung durch Prämien und dem Wunsch nach Beratung. Die Berechnung des Sparpotenzials berücksichtigt die günstigsten Anbieter und Modelle je Region, Annahmen zur geeigneten Franchise sowie die Unfalldeckung.

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