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Zusammenfassung
Hinter jeder Schweizer Uhr steht ein Netzwerk, das über Generationen gewachsen ist und sich auf engem Raum entwickelt hat. Hier kommen das Können, das Fachwissen und die Produktionskapazitäten zahlreicher Spezialistinnen und Spezialisten zusammen. Gemeinsam verwandeln sie einen ersten Entwurf in eine fertige Uhr.
Dieser Fokusbericht richtet den Blick auf die Zulieferer der Schweizer Uhrenindustrie. Er zeigt, was sie auszeichnet und vor welchen Herausforderungen sie heute stehen. Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung geografischer Nähe und spezialisierten Fachwissens, der Wert von «Swiss Made» sowie die Frage, wie die Zulieferer auf die weltweite Abschwächung reagieren. Dazu gehören Konsolidierung und Diversifizierung ebenso wie weitere Investitionen in Kompetenzen, Innovation, Automatisierung und neue Technologien.
Dieser Fokusbericht basiert auf einer umfassenden Auswertung verschiedener Einschätzungen und Standpunkte. Die Studie 2026 von Deloitte umfasst Befragungen von 42 Führungskräften bei Komponentenherstellern und Zulieferern sowie von mehr als 6’500 Konsumentinnen und Konsumenten in 13 Märkten. Die Analyse stützt sich auf die seit über 10 Jahren von Deloitte durchgeführte Studie zur Schweizer Uhrenindustrie. Sie erfasst die Meinungen von Zulieferern, Uhrmacherinnen und Uhrmachern, Branchenverbänden und anderen Expertinnen und Experten und bietet Einblicke in umfassendere Marktforschungsergebnisse.
Zu den in diesem Artikel behandelten Themen gehören:
Die Schweiz und die Uhrmacherkunst sind fast untrennbar miteinander verbunden – eine Verbindung, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat.
Der Arc horloger, auch «Uhrental» genannt, erstreckt sich quer durch die Westschweiz bis nach Schaffhausen.
Der Arbeitgeberverband der Schweizer Uhrenindustrie (CP) gab bekannt, dass die Uhrenbranche im Jahr 2025 64’807 Personen beschäftigte. Dies entspricht etwa 1 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung.
Im Jahr 2025 beliefen sich die Schweizer Uhrenexporte auf CHF 25,2 Milliarden, was 9 Prozent der gesamten Exporteinnahmen (ohne Gold) entsprach.
Die Zulieferbranche hat seit Anfang der 2000er-Jahre einen Wandel durchlaufen, der zunächst herausfordernd war, letztlich aber zu grösserer Vielfalt und Unabhängigkeit geführt hat.
Die Bündelung dieser Kompetenzen in einem kleinen geografischen Gebiet hat sich zu einem der entscheidenden Wettbewerbsvorteile der Branche entwickelt.
Der Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften sowie das Schweizer Berufsbildungs- und Lehrlingswesen wurden am häufigsten als Faktoren genannt, die zur Unternehmensleistung beitragen.
Das Ökosystem der Schweizer Uhrenindustrie ist weit mehr als die Summe seiner einzelnen Unternehmen. Seine Stärke liegt in der Bündelung von Kompetenzen und der hohen Konzentration sich ergänzender Fähigkeiten auf engem Raum.
Präzision, Qualität und Handwerkskunst werden eng mit der Schweiz in Verbindung gebracht, wodurch der Name des Landes einen eigenen Wert erlangt hat. Der Schutz dieses Wertes geniesst daher in der Schweiz seit Langem hohe Priorität.
Die 60-Prozent-Vorgabe lässt offen, welcher zusätzliche Anteil einer Uhr in der Schweiz hergestellt wird, da sich diese Wertvorgabe auf die Herstellungskosten und nicht auf den Verkaufspreis der Uhr bezieht. Komponenten können aus dem Ausland bezogen werden, solange der Uhrenkopf weiterhin die gesetzlichen Anforderungen erfüllt.
Andere unabhängige Uhrenhersteller im High-End-Segment verfolgen ähnliche, wenn auch nicht identische Ansätze. Bestimmte Modelle tragen auch das Label «Hand Made», was die lokale Handwerkskunst hervorhebt, die bei ihrer Herstellung zum Einsatz kommt.
Die zunehmende Verbreitung weiterer Gütesiegel spiegelt zudem eine allgemeinere Entwicklung wider: Obwohl die Schweizer Herkunft ein aussagekräftiger Indikator ist, suchen Länder, Regionen und Marken zunehmend nach weiteren Möglichkeiten, um die Besonderheiten eines Zeitmessers hervorzuheben.
Die Wahrnehmung des «Swiss Made»-Labels unterscheidet sich auch je nach Standort der Käuferinnen und Käufer.
In allen untersuchten Märkten waren Preis, Design und Markenimage nach wie vor die wichtigsten Faktoren.
Nach Jahren hoher Nachfrage werden inzwischen weniger Uhren verkauft. 2025 exportierte die Schweizer Uhrenindustrie rund 14,6 Millionen Armbanduhren. Das waren 43 Prozent weniger als 2016. Dennoch stieg in diesem Zeitraum der Wert der Exporte. Auch die Beschäftigung nahm zu: Nach Angaben des Arbeitgeberverbands der Schweizer Uhrenindustrie (CP) lag sie 2025 um 14 Prozent über dem Niveau von 2016. In den Jahren hoher Nachfrage hatten die Unternehmen ihre Kapazitäten ausgebaut und zusätzliche Mitarbeitende eingestellt.
Eine einfache Aufschlüsselung der Exportwertzunahme zeigt, dass rund 40 Prozent mit dem Anstieg der Beschäftigung zusammenhängen könnten, während der Rest auf eine Kombination aus höheren Preisen, Produktivitätssteigerungen und anderen Faktoren zurückzuführen ist.
Eine schwächere Auslandsnachfrage wird als das am häufigsten genannte Risiko für die nächsten zwölf Monate genannt. Dies führt zu strukturellen Veränderungen in der Branche.
Die Auswirkungen der Inflation und der gesunkenen Kaufkraft sind insbesondere bei Wunschkäufen relevant, bei denen die Käuferinnen und Käufer stärker auf Veränderungen des verfügbaren Einkommens und der Preise reagieren. Dies trägt dazu bei, die unterschiedliche Entwicklung der Segmente zu erklären: Die Nachfrage im oberen Preissegment ist weniger preissensitiv und stabiler.
Auch die Uhrenindustrie betrachtet geopolitische Spannungen als grosse Herausforderung.
Umweltstandards, Beschränkungen für Chemikalien, Vorschriften zur Produktgestaltung und Sorgfaltspflichtvorgaben für die Lieferkette bestimmen nicht nur, welche Materialien Unternehmen verwenden dürfen und woher sie diese beziehen müssen, sondern auch, welche Daten und Informationen sie erheben müssen und was sie gegenüber Käuferschaft und Aufsichtsbehörden nachzuweisen haben.
Eine der am häufigsten eingesetzten Massnahmen während des Konjunkturabschwungs war die Kurzarbeit – «réduction de l'horaire de travail» (RHT).
Die Regelung ermöglicht es Unternehmen, die mit einem vorübergehenden Rückgang ihrer Geschäftstätigkeit konfrontiert sind, die Arbeitszeiten ihrer Angestellten zu verkürzen.
Gemäss unserer Umfrage mussten 50 Prozent der Befragten Personal abbauen – ein Rückgang gegenüber 57 Prozent im Jahr 2025 – und/oder ihre Investitionsausgaben kürzen.
Für unabhängige Hersteller kann der Erwerb ergänzender Kompetenzen den Kundenstamm durch Cross-Selling verbreitern, die Produktpalette erweitern und den Übergang von der Herstellung einzelner Komponenten zur Lieferung von Baugruppen oder einem breiteren Dienstleistungsangebot ermöglichen.
Nach einer ersten Phase, in der primär die Uhrenkonzerne ihre Produktionsbasis sicherten, begannen unabhängige Industrieunternehmen, sich neu aufzustellen, um ihre Position innerhalb der Wertschöpfungskette zu stärken.
Neben mechanischen Innovationen experimentieren die Zulieferer nun auch mit neuen Materialien und Fertigungstechniken unter Einsatz von KI.