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Cyber Resilience Act (CRA): Das neue Zeitalter der Produktsicherheit

Resilient by Design: Aufbruch in eine Welt mit sicheren vernetzten Produkten über den gesamten Lebenszyklus

Vernetzte Geräte, Software und cloudbasierte Dienste sind heute integraler Bestandteil unseres Alltags und nahezu jedes Geschäftsmodells. Gleichzeitig nehmen Cyberangriffe auf diese Produkte deutlich zu und verursachen erhebliche wirtschaftliche und persönliche Schäden.

Mit dem Cyber Resilience Act (CRA) reagiert die EU auf die kontinuierlich zunehmende Bedrohungslage mit einheitlichen Sicherheitsanforderungen für Produkte mit digitalen Elementen. Hersteller, Importeure und Distributoren werden verpflichtet, während des gesamten Produktlebenszyklus Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen und deren vollständige Konformität bis Dezember 2027 nachzuweisen.

Key Takeaways

  • Der CRA schafft EU-weit verbindliche Cybersecurity Anforderungen für Produkte mit digitalen Elementen. Der Umfang der Anforderungen und Nachweispflichten hängt von der Rolle des Unternehmens sowie der Produktkategorie und -Klasse ab.
  • Ab dem 11. Dezember 2027 dürfen betroffene Produkte in der EU nur noch mit nachgewiesener CRA-Konformität bereitgestellt werden. Erste Meldepflichten zum Reporting aktiv ausgenutzter Schwachstellen greifen ab dem 11. September 2026.
  • Der CRA fordert unter anderem Security by Design und by Default, ein wirksames Vulnerability & Incident Management sowie Security Updates über den Supportzeitraum. Eine frühe Umsetzung reduziert Risiken und stärkt Vertrauen.

 

Relevante Produkte: Wen der CRA betrifft

Nahezu alle in der EU in Verkehr gebrachten Produkte mit digitalen Elementen (vernetzte Hardware, Softwarekomponenten innerhalb vernetzter Hardware sowie reine Softwareprodukte) fallen in den Anwendungsbereich des CRA. Für solche Produkte ist die Einhaltung der CRA‑Vorgaben verpflichtend und Voraussetzung für den EU‑Marktzugang; bei Hardwareprodukten zudem erforderlich, um die CE‑Kennzeichnung zu erhalten, die deren sichere Inverkehrbringung bestätigt.

Ausgenommen sind Produkte, die bereits durch bestimmte sektorspezifische Regulierungen adressiert werden, z. B. Medizintechnik (MDR), bestimmte Fahrzeugtypen (UN ECE R155) sowie Produkte im Bereich der nationalen Sicherheit oder nichtkommerzielle Open Source Software. Dennoch sollten Unternehmen in regulierten Branchen ihr Portfolio sorgfältig analysieren, da alle Produkte, die nicht eindeutig durch andere Regime abgedeckt sind, unter den horizontalen CRA-Anwendungsbereich fallen.

Am Beispiel der Automobilindustrie zeigt sich, dass der CRA unter anderem auch für Automobilhersteller und deren Zulieferer relevant ist. Eine Übersicht über das Zusammenspiel der regulatorischen Anforderungen in der Automobilindustrie finden Sie in unserem Whitepaper.

Einordnung im CRA: Diese Produktkategorien und -klassen gibt es

Der CRA unterteilt Produkte mit digitalen Elementen in drei Kategorien, wovon die zweitere (wichtige Produkte mit digitalen Elementen) ihre Produkte nochmals in zwei Klassen teilt. Dies ermöglicht eine angemessene Zuteilung von Anforderungen gemäß des mit dem jeweiligen Produkt verbundenen Sicherheitsrisikos.

Dazu zählt jedes Software- oder Hardwareprodukt sowie ihre integrierten Datenfernverabreitungslösungen, einschließlich Software- oder Hardwarekomponenten, die separat auf den Markt gebracht werden.

  • Smarte Lautsprecher
  • Textverarbeitungsprogramme
  • Festplatten
  • Spiele
  • Fotobearbeitungsprogramme

Dabei handelt es sich um Produkte mit digitalen Elementen, die die Kernfunktionen einer in Anhang III aufgeführten Produktkategorie aufweisen und somit mindestens eines derfolgenden Kriterien erfüllen:

  • Produkte, die kritische Funktionen für die Cybersicherheit anderer Produkte, Netzwerke oder Dienste ausführen (z.B. Authentifizierung, Erkennung usw.) 
  • Produkte, deren Funktionen ein erhebliches Risiko bergen, weil sie andere Produkte oder deren Benutzer durch direkte Manipulation beschädigen können.

Klasse I

  • Router, Modems und Switches
  • Virtuelle Assistenten und Smart Home Produkte mit Sicherheitsfunktionen (Kameras, Babymonitore)
  • Spielzeug mit Internetverbindung und Ortungsfunktion
  • Wearables zur Gesundheitsüberwachung

Klasse II

  • Firewalls, Systeme zur Erkennung und Verhinderung von Angreifern
  • Manipulationssichere Mikroprozessoren
  • Manipulationssichere Mikrocontroller

Dies sind Produkte mit digitalen Elementen, die die Kernfunktionen einer in Anhang IV aufgeführten Produktkategorie aufweisen.

Kritische Produkte

  • Hardware-Geräte mit Sicherheitsboxen
  • Smart-Meter-Gateways in intelligenten Messsystemen und andere Geräte für fortgeschrittene Sicherheitszwecke, einschließlich für die sichere Kryptoverarbeitung
  • Smartcards oder ähnliche Geräte, einschließlich sicherer Elemente
Strategische Relevanz des CRA: Risiken und Chancen

Die Nichterfüllung der CRA-Vorgaben kann Unternehmen erheblich treffen:

Ab Dezember 2027 dürfen betroffene Produkte ohne Konformität nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Der Marktzugang ist damit unmittelbar gefährdet. Hinzu kommen finanzielle Risiken: Verstöße können mit bis zu 15 Millionen EUR oder 2,5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Zudem erhöhen Sicherheitsvorfälle rund um vernetzte Produkte das Risiko massiver Reputations- und Haftungsschäden.

Product Security ist ein Enabler für Geschäftsmodelle, die auf vernetzten Produkten und Diensten beruhen, denn sie schützt Kundendaten, stellt die Verfügbarkeit von Diensten sicher und ermöglicht die Unversehrtheit der Gesundheit von Menschen.

Zusätzlich bietet eine frühzeitige Umsetzung der CRA-Anforderungen klare strategische Chancen. Robuste Sicherheitsanforderungen und kontinuierliche Überwachung erhöhen die Widerstandsfähigkeit digitaler Produkte und reduzieren Ausfallzeiten und rechtliche Risiken. Die nachgewiesene Konformität ist die Voraussetzung für die CE-Kennzeichnung und erleichtert einen reibungslosen und rechtssicheren Marktzugang in der EU.

Unternehmen, die früh aktiv werden, vermeiden teure Nachbesserungen, beschleunigen Zertifizierungen und stärken nachhaltig das Vertrauen von Kunden, Partnern und Behörden.

Der CRA ist kein Pflichtcheck, sondern ein Wachstumsmotor: Wer Security by Design als Prinzip konsequent in seine Prozesse und Produkte integriert, verkürzt die Time-to-Market, senkt Lifecycle Kosten und schafft die Basis für neue digitale Services. Nachweisbare Konformität wird zum Vertrauens- und Marktzugangsfaktor und ermöglicht eine messbare Differenzierung im Wettbewerb.

- Ingo Dassow

Sicherheit über den Produktlebenszyklus: Diese Anforderungen müssen erfüllt werden

Der CRA legt mehrere wichtige Anforderungen für vernetzte Produkte fest:

Von der Analyse bis zur Zertifizierung: Der Weg zur CRA-Konformität

Die Umsetzungsfristen des CRA sind eng getaktet: Ab dem 11. September 2026 greifen Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle. Ab dem 11. Dezember 2027 gelten die vollständigen Pflichten (inkl. CE‑Konformität) für Produkte mit digitalen Elementen. Entsprechend müssen Unternehmen schon heute die Weichen stellen.

Viele Produkte, die ab Dezember 2027 in den Markt gehen sollen, befinden sich bereits in Entwicklung. Eine späte Einbindung von Product Security führt erfahrungsgemäß zu höherem Nacharbeits- und Kostenaufwand und erhöht das Risiko, zum Stichtag nicht compliant zu sein. Unternehmen sollten die Umsetzung daher frühzeitig und gezielt angehen und die folgenden Schritte umsetzen:

Analyse des aktuellen und geplanten Produktportfolios zur Identifikation aller vom CRA betroffenen Produkte. Einstufung nach Produktkategorien und -klassen des CRA anhand Funktionen und Vernetzung. Ziel ist Transparenz über Anforderungen, Risiken und regulatorische Auswirkungen zu schaffen als Grundlage für alle weiteren Schritte.

Bewertung des aktuellen Reifegrads der Organisation und Produkte gegenüber den CRA‑Vorgaben. Analyse bestehender Strukturen, Vorgaben, Prozesse, Methoden und Dokumentationspraktiken sowie technischer Umsetzungen. Das Ergebnis ist eine Übersicht der Stärken und Lücken zur Priorisierung der Maßnahmen im nächsten Schritt.

Konzeption, Projektierung und Implementierung der offenen Maßnahmen zur Compliance mit dem CRA. 

Überprüfung der Produkte hinsichtlich CRA‑Anforderungen durch interne Reviews, externe Audits oder benannte Stellen (abhängig von der Produktkategorie). Dies schließt die Prüfung der Dokumentationen, sowie die Durchführung von Security Tests (z.B. Penetration Tests), Prozessnachweise und Sicherheitsbewertungen ein. Als Abschluss dient eine (Selbst) Zertifizierung als Voraussetzung für das Inverkehrbringen im EU‑Binnenmarkt.

Nach Markteintritt laufende Sicherheitsüberwachung der Produkte, inklusive:

  • Beobachtung auf neue Schwachstellen und Sicherheitsvorfälle
  • Bewertung der Relevanz für das eigene Produkt
  • Schnelles Ausspielen von Patches und Security Updates
  • Laufende Aktualisierung der Dokumentation
  • Einhaltung der Meldepflichten gegenüber ENISA und Behörden 

Dies sorgt für Produktkonformität und -sicherheit über den gesamten Lebenszyklus. 

Deloitte als Partner: Unterstützung auf dem Weg zu einer sicheren und CRA-konformen Produktlandschaft


Deloitte bringt langjährige Erfahrung in Product Security über verschiedene Industrien (u. a. Automotive, Banking, Consumer Products, Medizintechnik sowie Industrial Products & Construction) mit und verbindet regulatorische Anforderungen konsequent mit branchen- und produktspezifischen Gegebenheiten.

Unsere Product Security Expertise fließt bereits in zahlreiche Projekte in unterschiedlichen Branchen ein, welche von unserem starken internationalen Expertennetzwerk profitieren. Zudem engagieren wir uns in der Normungs- und Standardisierungsarbeit (u. a. in einer DIN/DKE-Arbeitsgruppe sowie in der CEN/CLC/JTC 13 WG 9 zum CRA) und fördern den industrieübergreifenden Austausch in unseren „CRA Roundtable“ Veranstaltungen. 

Mit diesem Netzwerk und dieser Expertise begleiten wir Unternehmen entlang des gesamten Umsetzungsweges und bringen Benchmarks sowie Best Practice Ansätze zielgerichtet ein. 

Ob Sie noch vor der Betroffenheitsprüfung stehen, sich mitten in der Implementierung befinden oder operative Prozesse und Tools gezielt effizienter gestalten möchten – Deloitte unterstützt Sie bedarfsgerecht genau dort, wo es für Sie erforderlich ist. Wenn Sie einzelne Punkte vertiefen oder Ihre Ausgangslage einordnen möchten, stehen wir Ihnen gern für einen fachlichen Austausch zur Verfügung.

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