Zehn Jahre nach dem Pariser Abkommen stand die diesjährige UN-Klimakonferenz unter dem Motto einer gemeinsam globalen Zusammenarbeit (Global Mutirão), um die Klimaherausforderungen zu meistern. Im Zentrum der Verhandlungen standen die bestehenden Klimaschutzambitions- und Umsetzungslücken, die Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen, der Ausstieg aus fossilen Energieträgern und der verbesserte Schutz tropischer Waldökosysteme. Trotz geopolitischer Spannungen erneuerten über 190 Staaten ihr Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel und zur multilateralen Zusammenarbeit. Dennoch fällt die Bewertung der Konferenzergebnisse gemischt aus: UN-Generalsekretär António Guterres betonte, die Kluft zwischen aktuellen Maßnahmen und wissenschaftlichen Anforderungen sei weiterhin gefährlich groß.1
Das Belém Political Package der brasilianischen COP30-Präsidentschaft setzt ein klares Signal für kollektives Handeln und erkennt erstmals die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels an.2 Zentrale Beschlüsse und Initiativen der Klimakonferenz wurden insbesondere in den Bereichen Klimaanpassung, Finanzierung, Just Transition und Schutz des Regenwaldes erzielt.
Die Vereinbarungen im Rahmen des UN-Prozesses fielen weniger ambitioniert aus als von vielen erhofft und von der Wissenschaft gefordert. Gleichzeitig haben die Verhandlungen aber auch gezeigt, dass sich der Multilateralismus weiterhin bewährt und Fortschritte erzielt werden können – insbesondere jetzt in der Phase der Umsetzung von Maßnahmen. Dabei erhält neben dem öffentlichen Sektor auch die Real- und Finanzwirtschaft eine zentrale Rolle bei der Umsetzung.
Der multilaterale UN-Klimaprozess stößt angesichts des fortschreitenden Klimawandels an seine Grenzen, bleibt aber „the least-worst system we have“, wie es der britische Energie- und Net-Zero-Minister Ed Miliband mit Verweis auf Winston Churchill nach der Konferenz ausdrückte. Gleichzeitig entstehen zunehmend neue, wichtige Dynamiken in Koalitionen außerhalb der formalen Verhandlungen. Dieser Wandel eröffnet Unternehmen eine strategische Chance. Die Frage lautet nicht mehr: „Sollen wir uns engagieren?“, sondern: „In welchem Bereich können wir glaubwürdig eine Führungsrolle übernehmen?“
Die nächste UN-Klimakonferenz wird Ende 2026 in Antalya (Türkei) stattfinden – erstmals mit einer geteilten Führungsrolle: Die Türkei wird als Gastgeber fungieren und die Präsidentschaft innehaben, während Australien die Verhandlungen leiten wird.
Frederic Wils, Senior Manager I Strategy, Risk & Transactions
Julia Beschoner, Consultant | Strategy, Risk & Transactions
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