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Künstliche Intelligenz für Natur- und Tierschutz: KI-gestütztes Daten-Dashboard für den WWF

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Industrie und Alltag – sie eröffnet auch neue Perspektiven für den Schutz von Natur und Wildtieren. Besonders in entlegenen Regionen können neue Technologien wie KI dabei helfen, Bedrohungen für Ökosysteme zu erkennen. Das zeigt das Projekt von World Wide Fund for Nature (WWF) und Deloitte in Tansania. Gesucht war ein effektives Tool für neue Ansätze beim Schutz der Biodiversität. Die Lösung: Eine gemeinsam von Deloitte und dem WWF entwickelte, KI-gestützte Daten-Infrastruktur mit Dashboard erlaubt nun ein präzises Monitoring der Schutzmaßnahmen. Und davon profitieren nicht nur bedrohte Tierarten, sondern auch die Menschen vor Ort.

Die Situation

 

Ein Lebensraum für Elefanten, Löwen, Giraffen & Co.: Die ostafrikanische Region zwischen Viktoriasee und Indischem Ozean ist geprägt von einer einmaligen Tierwelt. Doch die reiche Biodiversität im Gebiet Southern Kenya Northern Tanzania Landscape (SOKNOT) steht unter erheblichem Druck: Landwirtschaft, Siedlungsbau und Infrastrukturprojekte stören die natürlichen Wanderrouten der Tiere. Hinzu kommen Wilderei und Brandrodungen, die Natur und Tierwelt zusätzlich gefährden.

Der WWF engagiert sich mit einem „Community-based Conservation“-Ansatz, der die lokale Bevölkerung miteinbezieht, für den Schutz dieser einzigartigen Natur. Die 1961 gegründete NGO engagiert sich in über hundert Ländern für den Arten- und Naturschutz – so auch in Tansania. Das Ziel: Bedrohte Arten erhalten und zugleich die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Menschen vor Ort stärken.

Weil intakte Natur und exotische Tiere die Grundlage für den Safari-Tourismus bilden, ist der Schutz der Flora und Fauna für die Region auch von wirtschaftlichem Interesse. Mit dem Einbruch des Tourismus durch COVID-19 fiel dieser wirtschaftliche Aspekt jedoch weitgehend weg. Daher erarbeitete der WWF mit den Menschen vor Ort neue Naturschutzstrategien mithilfe des „Wildlife Credits“ Vergütungssystems. Gemeinden, in denen mehr Einsatz für den Artenschutz betrieben wird und dadurch mehr Wildtiere gesichtet werden und weniger Brandrohdung und Wilderei stattfinden, bekommen Prämien ausgezahlt. Die Basis dieser Vergütung sind messbare Indikatoren, z. B. Wildtiersichtungen.

Doch die Erfassung und Auswertung dieser Daten war bisher aufwändig, fragmentiert und stark manuell. Genau hier kam Deloitte ins Spiel: Gemeinsam mit dem WWF entwickelte das Team eine skalierbare, KI-basierte Dateninfrastruktur auf Grundlage der Amazon AWS Cloud. Ein ähnliches Projekt hatte Deloitte zuvor schon für den WWF Namibia pro bono umgesetzt. Darauf aufbauend entstand in nur wenigen Monaten eine Lösung für das 2.500 Ha große Gemeindeschutzgebiet Enduimet in Tansania, dessen Wanderkorridor „Kitenden“ für Wildtiere zwischen dem kenianischen Amboseli- und dem tansanischen Kilimanjaro-Nationalpark eine zentrale Rolle spielt.
 

„Community-based Conservation bedeutet für uns, die Menschen vor Ort zu befähigen, selbst Hüter ihrer Natur zu sein. Das gemeinsame Projekt mit Deloitte ist ein Vorbild für die Zukunft des Naturschutzes: lokal verankert, global unterstützt und technologisch innovativ. 

Frank Damson - Wildlife Credits and Value Chain Specialist, WWF Tanzania

Die Lösung

 

Um die örtlichen Naturschutzmaßnahmen in Enduimet korrekt zu erfassen und auszuwerten, wurde eine datengestützte Lösung entwickelt. Sie kombiniert Daten aus drei Quellen: Kamerafallen, Satellitenbilder und einer Smart App zur Überprüfung der Patrouillen. Alle Daten werden in eine Cloud-basierte Pipeline eingespeist. Die Prämien aus den Wildlife Credits werden automatisch berechnet und die Ergebnisse in einem interaktiven Dashboard visualisiert.

Die Umsetzung war herausfordernd: Innerhalb eines engen Zeitrahmens mussten große Datenmengen verarbeitet und lokale Fachkräfte in Cloud-Technologien geschult werden. Dabei half die reibungslose Zusammenarbeit mit den lokalen WWF-Fachleuten und dem Community Wildlife Management Consortium, das die Arbeiten vor Ort in Enduimet betreut. Ergänzend wurde die Lösung durch Deloitte Cyber-Expert:innen sicherheitstechnisch optimiert und an das lokale WWF-Team übergeben.

Der Impact

 

Wie effektiv sind die Patrouillen der Ranger und die Maßnahmen der Community im Schutzgebiet? Welche bedrohten Tiere werden regelmäßig gesichtet? Und wie hoch fällt die finanzielle Vergütung für die beteiligten Dörfer aus? Antworten auf diese Fragen liefert nun ein zentrales Dashboard, das der WWF dank der neuen Lösung nutzt. Die ganzheitliche Datenauswertung ergibt einen umfassenden, aussagekräftigen Überblick über die Lage im Gebiet.

Weil das System konsequent auf nativen Cloud-Diensten von AWS basiert, ist es kosteneffizient, anspruchslos in der Wartung, skalierbar und flexibel. Die Dashboard-Lösung wurde individuell an die Bedürfnisse des WWF angepasst – etwa mit der Möglichkeit, einzelne Kamerafallen-Bilder direkt einzusehen.

Neben den reduzierten Kosten durch KI-gestützte Automatisierung profitiert das Projekt von einer schnelleren Datenauswertung dank kontinuierlichem Monitoring. Bei Verstößen gegen Naturschutz-Vorgaben kann nun deutlich schneller interveniert werden.

KI und Naturschutz – ein Paradebeispiel für „AI for Good.“ KI-basierte Ansätze haben ein enormes Potenzial für Gesellschaft und Umwelt, wie das innovative Daten-Dashboard für den WWF unterstreicht. Der Artenschutz wird gestärkt, ebenso die finanzielle Situation der beteiligten Communities. Nicht zuletzt schafft das Projekt mehr Transparenz für die Spender:innen, die den WWF unterstützen. Sie können durch das Dashboard direkt erkennen, wie ihre Spendengelder die Artenvielfalt schützen. Ebenso erkennen die Communities, warum sie im Rahmen des Programms welche Gelder erhalten. Und Enduimet ist erst der Anfang: In Zukunft soll das Dashboard auch in weiteren Schutzgebieten ausgerollt werden. 
 

„Wir haben eng mit Naturschutzexperten des WWF zusammengearbeitet, um eine kosteneffiziente, cloudbasierte Plattform zu entwickeln, die KI nutzt, um Bilder von Kamerafallen, Satelliten und Smartphones zu analysieren und so ein hohes Maß an Transparenz und Effizienz beim Schutz der Tierwelt zu ermöglichen.“

David Thogmartin, Partner, aiStudio, AI & Data Analytics | Digital Risk

Fortgeschrittene KI-Implementierung

Schutz für Natur & Menschen

Innovative Modelle wie Wildlife Credits zeigen, wie inklusive, gemeinschaftsorientierte Ansätze Naturschutz mit sozioökonomischen Vorteilen verbinden können.

Für weitere Informationen

Prof. Noah Sitati (WWF Tanzania): nsitati@wwftz.org

Frank Damson (WWF Tanzania): fdamson@wwftz.org  

URL: The Kitenden Corridor Miracle: How Wildlife Credits Wrote the Future of Conservation | WWF wwftanzania

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