Britta, du bist seit 2010 bei Deloitte. Wie bist du hier gelandet?
Ich habe klassisch in der Industrie als Trainee angefangen, und bin dann relativ schnell in die Produktion gegangen. Über ein Projekt bin ich nach China gekommen und dort dann geblieben. Das ging relativ schnell mit der Verantwortung – erst ein Werk, später ein zweites. Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem du dich fragst: Was kommt als Nächstes? Für mich war klar, ich möchte mehr sehen. Neues kennenlernen. Und das ist etwas, das die Beratung sehr gut bietet. Deshalb bin ich damals zu Deloitte gegangen.
Du beschäftigst dich heute mit Smart Manufacturing. Was bedeutet das konkret – und welche Rolle spielt dabei die Smart Factory?
Am Anfang ging es bei uns viel um klassische Prozessoptimierung, also Lean Management und ähnliche Themen. Irgendwann war aber klar: Gerade bei großen Industrieunternehmen ist vieles davon schon sehr weit entwickelt. Die nächsten größeren Fortschritte erreichst du über Technologie. Und genau daraus ist der Bereich Smart Manufacturing entstanden – also die Frage: Wie können wir mit Technologie bessere Ergebnisse in der Produktion erzielen? Die Smart Factory ist unser Ansatz, das nicht nur zu denken, sondern sichtbar und testbar zu machen.
Sie ist also kein klassisches Demo-Setup. Was erlebt man dort konkret?
Du bist relativ schnell mitten in einer funktionierenden Produktionsumgebung. Da stehen Maschinen, es gibt Förderstrecken, Robotik, und gleichzeitig läuft die gesamte Datenseite im Hintergrund. Also keine einzelnen Bausteine, sondern ein durchgängig integriertes System. Das ist kein Showroom, das ist eine Fabrik – nur bewusst so aufgebaut, dass man versteht, wie sie funktioniert. Du kannst nachvollziehen, wie ein Auftrag durchläuft, wo Informationen entstehen, wie Entscheidungen getroffen werden. Das macht es greifbarer. Dass die Smart Factory in Düsseldorf steht, ist dabei kein Zufall. Wir sitzen hier mitten in einer Region mit sehr starker Industrie – Automotive, Maschinenbau, Zulieferer. Genau dort, wo die Themen entstehen, an denen wir arbeiten. Und: Es war die erste Smart Factory bei Deloitte – weltweit. Der Anspruch war von Anfang an, das nah an der Realität unserer Kunden aufzubauen – nicht als isoliertes Lab.
Was überrascht Besucher:innen, wenn sie zum ersten Mal da sind?
Diese Tiefe. Damit rechnen viele einfach nicht. Sie denken zunächst an einzelne Use Cases oder Demonstratoren. Und dann sehen sie, wie stark das Ganze integriert ist – also wie viele Ebenen zusammenspielen. Und dass wir uns eben auch mit den Details beschäftigen. Nicht nur auf einer konzeptionellen Ebene, sondern wirklich bis hin zur Frage, welche Daten an welcher Stelle entstehen.
Viele investieren in Industrie 4.0 – trotzdem bleibt Wirkung oft aus. Warum?
Ein wichtiger Punkt ist die Geschwindigkeit. Die technologischen Möglichkeiten entwickeln sich sehr schnell. Gleichzeitig ist es für viele Organisationen schwierig, sich im gleichen Tempo zu verändern. Und wenn diese beiden Dinge auseinanderlaufen, bleibt der Effekt hinter den Möglichkeiten.
Was wird die Fertigungsindustrie in den nächsten Jahren besonders verändern?
Ich glaube, die Verzahnung von Technologie und Produktion wird noch stärker werden. Ich spreche nicht nur von Themen wie Robotics, sondern von der Simulation ganzer Fabriken – das sind Entwicklungen, die gerade sehr viel Dynamik haben und die wir auch zunehmend in Projekten sehen.
„Ich glaube, wir sind über Jahrzehnte zu bequem geworden, uns zu verändern.“
Was ist eine unbequeme Wahrheit in diesem Kontext?
Veränderung durch digitale Transformation ist essenziell notwendig. Gleichzeitig ist sie aufwendiger, als man es vielleicht aus anderen Bereichen kennt. Du hast in der Produktion fast immer gewachsene Strukturen. Unterschiedliche Systeme, unterschiedliche Maschinen, unterschiedliche Ausgangssituationen. Und dann kommt noch dazu, dass du dich in einem physikalischen Umfeld bewegst. Natürliche Grenzen. Also Dinge, die sich nicht beliebig verändern lassen. Da muss man dranbleiben, ausprobieren, immer neue Lösungen finden. Dafür braucht man einen langen Atem. Aber mit ‚weiter so‘ kommen wir nicht weiter.
Was muss ich mitbringen, wenn ich in dem Bereich arbeiten will?
Eben diesen langen Atem. Vor allem aber die Bereitschaft, auch sich selbst weiterzuentwickeln. Mein eigener Hintergrund hatte nichts mit IT oder Daten zu tun. Das war eher klassisch Industrie. Vieles kommt dann im Laufe der Zeit. Wenn du bereit bist, dich in neue Themen reinzuarbeiten, passt das gut. Wenn du schnelle Antworten erwartest, eher nicht.
Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, von der Industrie in die Beratung zu wechseln?
Erstmal: Es ist ein anderes Arbeiten. Die Themen wechseln schneller, du hast mehr Dynamik und bewegst dich in unterschiedlichen Kontexten. Gleichzeitig bekommst du aber auch Einblicke in viele verschiedene Unternehmen und Fragestellungen. Am Ende hängt es stark davon ab, was du suchst.
Und was überrascht neue Kolleg:innen, wenn sie dann tatsächlich bei euch starten?
Dass es deutlich praktischer ist, als sie es erwartet haben. Du entwickelst hier nicht nur Konzepte, sondern arbeitest sehr konkret an der Umsetzung – mit Maschinen, mit Prozessen und mit Daten aus realen Abläufen. Und das siehst du auch im Alltag: Bei uns läuft keiner im Anzug rum. Wir haben unsere Arbeitsjacken, Jeans und Turnschuhe. Man ist nicht den ganzen Tag im klassischen Beratungs-Setting unterwegs, sondern eben häufig wirklich „in der Fabrik“. Wir beschäftigen uns mit realen Systemen und der Frage, wie sie in der Praxis wirklich funktionieren. Das ist nicht immer einfach – aber genau darin liegt auch der Reiz.
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