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„Grüne“ Produkte profitabel verkaufen: Umsatzgenerierung durch die systematische Verbindung von Produktkosten und Zahlungsbereitschaft

Incremental Product Cost Curves & Willingness-to-Pay-Analysen als strategische Vertriebsunterstützung

Nachhaltige Produkte sind für viele Unternehmen ein zentraler Wachstumspfad – doch häufig fehlt Transparenz darüber, welche Varianten tatsächlich profitabel verkauft werden können. Deloitte verbindet Produktkosten,  kundenspezifische Zahlungsbereitschaft und CO₂-Wirkung in einem strukturierten Vertriebsansatz. So entstehen klare Entscheidungsgrundlagen für Portfolio, Pricing, Vertrieb und Kundendialog.

Nachhaltige Produkte zählen in vielen Branchen zu den zentralen strategischen Prioritäten. Veränderte Kundenerwartungen, Regulierung, erhöhte Resilienzerwartungen, CO₂-Berichterstattung und Kreislaufwirtschaft erhöhen den Druck, Produkte mit recycelten Materialien, biobasierten Rohstoffen oder verbesserten Zirkularitätseigenschaften anzubieten. Gleichzeitig bleibt die zentrale Frage oft unbeantwortet: Welche dieser nachhaltigen Produktvarianten lassen sich tatsächlich profitabel verkaufen?

Viele Unternehmen haben bereits einzelne Bausteine vorliegen: Product Carbon Footprints, Materialkostenanalysen, Nachhaltigkeitsziele, regulatorische Bewertungen, Kundenbefragungen oder erste Pilotprojekte. Diese Informationen werden jedoch häufig isoliert voneinander betrachtet. Dadurch entsteht ein erhöhtes Risiko: Unternehmen investieren in nachhaltige Produktvarianten, ohne ausreichend Transparenz darüber zu haben, ob die damit verbundenen Mehrkosten durch Kundennachfrage, Preisprämien oder strategisch relevante Marktvolumina abgesichert werden können. Umgekehrt bleiben mögliche Wachstumschancen ungenutzt, wenn nachhaltige Angebote nicht gezielt an die richtigen Kundengruppen adressiert werden.

Genau hier setzt der Deloitte-Ansatz „Enable Green Product Sales“ an. Wir betrachten grüne Produkte nicht nur als Nachhaltigkeitsinitiative, sondern als kommerziellen Hebel für Portfolio- und Vertriebsstrategie. Ziel ist es, vier Perspektiven systematisch zu verbinden: 

  1. Die tatsächliche Kostenwirkung nachhaltiger Material- und Energieoptionen. 
  2. Die CO₂- und Nachhaltigkeitswirkung auf Produktebene. 
  3. Die kundenspezifische Zahlungsbereitschaft in relevanten Branchen, Anwendungen und Kundensegmenten.
  4. Den Beitrag nachhaltiger Materialien auf die Verbesserung der Unternehmensresilienz.

Der erste methodische Baustein sind Incremental Product Cost Curves (IPCC). Sie zeigen, wie sich einzelne Umstellungsoptionen – beispielsweise grüner Stahl, recycelte Kunststoffe, Low-Carbon-Glas, biobasierte Einsatzstoffe oder erneuerbare Energie – auf die Produktkosten und den CO₂-Fußabdruck auswirken. Statt sich auf Durchschnittswerte oder undifferenzierte Nachhaltigkeitsaufschläge zu stützen, wird sichtbar, welchen zusätzlichen Kostenbeitrag einzelne Maßnahmen verursachen und welche Emissionsreduktion sie jeweils bewirken. So können Unternehmen erkennen, welche Produktvarianten bereits heute kosteneffizient sind, welche Optionen nur für ausgewählte Kundensegmente relevant sind und welche Maßnahmen eher langfristige strategische Investitionen darstellen.

IPCC-Logik – Kosten- und CO₂-Wirkungnachhaltiger Material- und Energieoptionen

Der zweite Baustein ist die Analyse der Willingness-to-Pay. Nicht jeder Kunde bewertet Nachhaltigkeit gleich: Öffentliche Beschaffung, Premium-B2B-Kunden, Konsumgüterhersteller mit sichtbaren Markenversprechen, regulierte Industrien oder Unternehmen mit ambitionierten Scope-3-Zielen können deutlich unterschiedliche Zahlungsbereitschaften haben. Diese Zahlungsbereitschaft ergibt sich nicht nur aus direkten CO₂-Effekten. Auch regulatorische Anforderungen, Zertifikate, Kreislauffähigkeit, Zugang zu nachhaltigen Lieferketten, Differenzierung am Markt, Resilienz gegenüber Rohstoff- und Energiepreisen sowie Endkundenwahrnehmung beeinflussen den Wert nachhaltiger Produktmerkmale.

Willingness-to-Pay – wirtschaftliche, funktionale und emotionale Werttreiber

Entscheidend ist der dritte Schritt: der Abgleich aus Kostenkurve und Zahlungsbereitschaft. Dort, wo die kundenseitige Zahlungsbereitschaft die inkrementellen Produktkosten übersteigt, entsteht ein wirtschaftlich attraktiver „Sweet Spot“. Dort, wo die Kosten die Zahlungsbereitschaft übersteigen, sind alternative Ansätze gefragt – etwa eine angepasste Produktkonfiguration, eine gezieltere Auswahl von Kundensegmenten, Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette oder ein späterer Markteintritt. Unternehmen erhalten dadurch eine klare Entscheidungsgrundlage: Welche Produkte sollten priorisiert werden? Welche Kundensegmente sind zuerst anzusprechen? Welche Preisprämien sind realistisch? Und welche Volumina können über Zeit aufgebaut werden?

Overlay aus IPCC und Willingness-to-Pay

Unter dem vierten Aspekt wird parallel deutlich wie der Einsatz nachhaltiger Produkte und Einsatzstoffe die Resilienzstrategie des Unternehmens unterstützen, denn beispielsweise wird durch den Einsatz von Rezyklaten die Abhängigkeit von oft importierten fossilen Materialien reduziert und damit Betriebskosten planbarer.

Unser Ansatz ist branchenübergreifend anwendbar. In der Automobilindustrie können Low-Carbon-Stahl, Aluminium, recycelte Kunststoffe oder Batteriematerialien mit OEM-Anforderungen, Scope-3-Zielen und regulatorischen Vorgaben verknüpft werden. In der chemischen Industrie geht es häufig darum, zirkuläre oder biobasierte Produkte nicht nur technisch, sondern kommerziell skalierbar zu machen. Im Gebäudesektor können nachhaltige Materialien wie grüner Stahl, Low-Carbon-Zement, Glas, Holz oder Dämmstoffe in Relation zu Gebäudezertifizierungen, öffentlichen Ausschreibungen und Gesamtprojektkosten bewertet werden. Im Agrar- und Fertilizer-Bereich zeigt sich, dass höhere Kosten für klimafreundliche Vorprodukte über die Wertschöpfungskette häufig nur zu geringen Endpreis-Effekten führen – vorausgesetzt, Kooperationsmodelle und Nachfragebündelung werden frühzeitig aufgebaut.

Wertschöpfungsketten-Kooperation / Green Premium Weitergabe

„Schematische Darstellung, wie Produzenten, Intermediäre und Endkunden zusammenarbeiten, um grüne Produktmengen, Zertifikate und Preisprämien über die Wertschöpfungskette zu koordinieren.“

Das Ergebnis ist eine kommerzielle Roadmap für nachhaltige Produkte: eine priorisierte Liste von Produktvarianten, Kundensegmenten und Vertriebsmöglichkeiten – ergänzt um erwartete Kostenveränderungen, CO₂-Wirkung, mögliche Preisprämien, Volumenpotenzial und nächste Schritte im Kundenengagement. Unternehmen können damit nachhaltige Produkte nicht nur entwickeln, sondern gezielt in den Markt bringen. Nachhaltigkeit wird so von einer Kosten- und Compliance-Frage zu einem strukturierten Vertriebs- und Wachstumsthema.

„Der entscheidende Schritt ist, Nachhaltigkeit nicht nur technisch zu bewerten, sondern kommerziell zu übersetzen: Welche Produktoption senkt Emissionen zu den geringsten Kosten, welche Kunden erkennen den Wert – und wo entsteht daraus ein belastbarer Business Case?“

 

Prof. Dr. Jürgen Peterseim | Partner, Energy, Resources & Industrials

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