Als Reaktion auf die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) ändern Unternehmen sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Europäischen Union ihre Praktiken bei der Offenlegung nicht finanzieller Angaben. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Unternehmen immer noch versuchen, zu verstehen, was die Märkte von ihnen erwarten und wie detailliert diese Angaben sein müssen.
Wir haben die Berichte der 50 Unternehmen analysiert, die im SMI Expanded – Aktienindex der an der SIX Swiss Exchange notierten Large- und Mid-Cap-Unternehmen – gelistet sind. Mit Stand April 2025 haben 46 dieser Unternehmen ihre Berichte veröffentlicht.
Die Studie soll wichtige Trends und Gemeinsamkeiten der offengelegten Informationen identifizieren und ermitteln, inwieweit die europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards («European Sustainability Reporting Standards», ESRS) die aktuellen Berichterstattungspraktiken beeinflussen.
Die von den analysierten Unternehmen übernommenen Rahmenwerke unterscheiden sich erheblich voneinander. Die meisten dieser Unternehmen bevorzugen eigenständige Nachhaltigkeitsberichte gegenüber integrierten Rahmenwerken. Sie zeigen eine geringere Konformität mit den Anforderungen der Verordnung im Hinblick auf die Einbeziehung nicht finanzieller und finanzieller Informationen. Darüber hinaus berichteten nur elf der Unternehmen im Einklang mit der Verordnung oder nahmen darauf Bezug. Aus unserer Analyse geht hervor, dass am häufigsten das Rahmenwerk der Global Reporting Initiative (GRI) verwendet wird.
Durch die Analyse grundlegender Offenlegungsanforderungen in der Verordnung wollen wir Bereiche mit Verbesserungspotenzial identifizieren und herausfinden, mit welchen Herausforderungen Unternehmen bei der Offenlegung nachhaltigkeitsbezogener Informationen aktuell konfrontiert sind. Unsere Studie zeigt, dass sich die von Schweizer Unternehmen veröffentlichten nachhaltigkeitsbezogenen Informationen erheblich voneinander unterscheiden, vor allem, weil nur einige wenige Unternehmen die Verordnung für das Geschäftsjahr 2024 angenommen haben.
Eine grosse Mehrheit der Schweizer Unternehmen (55%) hat für die DWA die ESRS- und EFRAG-Methode übernommen. Allerdings legen einige Unternehmen nicht alle Informationen gemäss der Verordnung offen, und die ausgewählten wesentlichen Themen stimmen oft nicht hundertprozentig mit der in der Verordnung aufgeführten Liste der wesentlichen Themen und Unterthemen überein. Aufgrund dieses unterschiedlichen Ansatzes können Anleger und andere Stakeholder die Ergebnisse dieser Beurteilungen nur schwer miteinander vergleichen.
Unternehmen legen schon heute wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen in Verbindung mit dem Klimawandel gemäss Art. 964 und den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) offen. Allerdings weiten weniger Unternehmen ihre Offenlegungen auf wesentliche Chancen aus, die über Themen in Verbindung mit dem Klimawandel hinausgehen. Darüber hinaus berichtet nur rund ein Fünftel der Unternehmen gemäss den Empfehlungen der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD). Sie konzentrieren sich vor allem auf naturbezogene wesentliche Auswirkungen und Abhängigkeiten.
Die Konsumindustrie sowie die Branche Life Science and Health Care (LSHC) scheinen bei der Abbildung ihrer Wertschöpfungsketten am weitesten vorangeschritten zu sein, sie liefern Best-Practice-Beispiele, von denen andere Sektoren lernen können. Die meisten Unternehmen machen allgemeine Angaben zu ihrer Wertschöpfungskette und geben keinen detaillierten Überblick darüber, welchen Ansatz sie bei der Definition der Akteure in ihren vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten verfolgen.
Insgesamt haben sowohl Mid-Cap-Unternehmen als auch die Unternehmen im SMI ein vergleichbares Niveau bei der Ausgereiftheit ihrer Berichterstattung. Die Berichte weisen eine ähnliche durchschnittliche Länge auf. Allerdings haben die Unternehmen im SMIM integrierte Berichte als primäre Form der Nachhaltigkeitsoffenlegungen gewählt. Damit passen sie sich stärker an die CSRD-Anforderungen an als vergleichbare Unternehmen im Markt.
Nur 11% der Unternehmen im SMI Expanded legen die für Massnahmen im Rahmen ihres Übergangsplans bereitgestellten finanziellen Ressourcen vollständig mit quantitativen Zahlen offen, während 6% beschreibende Informationen bereitstellen, jedoch nicht in monetärer Form. Aufgrund dieser mangelnden Transparenz können Unternehmen ihre Fortschritte nur schwer messen und kommunizieren, was sich möglicherweise auf die Präferenzen der Anleger auswirkt.
Ohne eine effektive Prognose der wirtschaftlichen Investitionen und Ressourcen, die zur Erreichung der Klimapläne erforderlich sind, können Unternehmen Schwierigkeiten haben, langfristige Ziele zu erreichen und die offengelegten Massnahmen auch wirklich umzusetzen.
Zusammengefasst zeigen die von Unternehmen im SMI Expanded bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung befolgten Praktiken, dass der Markt bei der Anpassung an die CSRD-Berichterstattungsstandards noch nicht genügend entwickelt ist und nur einige wenige Unternehmen die Verordnung befolgen (Stand: April 2025).
Positiv zu vermerken ist, dass bestimmte Praktiken, darunter die Einführung der ESRS für doppelte Wesentlichkeitsanalysen, darauf hindeuten, dass Unternehmen generell die Verordnung stärker befolgen wollen. Zudem dürfte das Omnibus-Paket die von Unternehmen übernommenen Berichterstattungsmethoden wesentlich beeinflussen, denn es könnte den regulatorischen Rahmen vereinfachen.