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Schweizer CFOs so optimistisch wie lange nicht – KI setzt Einstiegsjobs unter Druck

Zürich, 29. Oktober 2026

Die Stimmung unter Schweizer Finanzchefs hat sich deutlich aufgehellt. 61 Prozent beurteilen die Konjunkturaussichten für die Schweiz positiv. Auch die Umsatzerwartungen sind stark gestiegen. Gleichzeitig bleiben die Beschäftigungsaussichten in der Schweiz schwach. Viele CFOs erwarten, dass künstliche Intelligenz die Zahl der Stellen reduziert – vor allem bei Einstiegsjobs und Juniorpositionen. Das zeigt die neueste CFO-Umfrage von Deloitte.

Schweizer Unternehmen blicken mit deutlich mehr Zuversicht auf die kommenden Monate. Gemäss der aktuellen CFO-Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte erwarten 61 Prozent der befragten Finanzchefs eine positive Entwicklung der Schweizer Konjunktur in den nächsten zwölf Monaten. Nur 8 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Die Finanzchefs blicken nicht nur für die Schweiz, sondern auch für China und die USA zuversichtlicher in die Zukunft als noch vor einem halben Jahr. Eine Ausnahme bildet Deutschland. Zwar hat sich die Einschätzung der CFOs gegenüber dem Frühjahr auch dort leicht verbessert, die strukturellen Herausforderungen bleiben jedoch schwerwiegend.

Auch die Erwartungen für das eigene Unternehmen haben sich deutlich verbessert. 69 Prozent der CFOs beurteilen die finanziellen Aussichten für die nächsten zwölf Monate positiv, 12 Prozent negativ. Besonders stark verbessert haben sich die Erwartungen für Umsatz und Margen: 73 Prozent der Befragten erwarten steigende Umsätze, 52 Prozent gehen von höheren Margen aus.

Aufschwung, aber verhaltene Personalpläne in der Schweiz

Die Beschäftigung bleibt trotz besserer Aussichten der Schwachpunkt der Schweizer Wirtschaft. 27 Prozent der CFOs erwarten eine steigende Zahl an Mitarbeitenden, während 30 Prozent mit einem Rückgang rechnen. Im Ausland erwarten die Schweizer CFOs hingegen eher einen Beschäftigungsaufbau; 39 Prozent der Finanzchefs gehen dort von einer steigenden Zahl an Mitarbeitenden aus, nur 16 Prozent erwarten einen Personalabbau bei ihren Standorten ausserhalb der Schweiz. Auch bei den Investitionen bleibt die Dynamik im Ausland stärker als in der Schweiz.

«Die Schweizer Unternehmen sind deutlich optimistischer als noch vor wenigen Monaten. Das ist erfreulich, aber keine Entwarnung», sagt Michael Grampp, Chefökonom von Deloitte Schweiz. «Auffällig ist, dass Unternehmen höhere Umsätze und Margen erwarten, in der Schweiz aber kaum mehr Personal aufbauen wollen. Das spricht für Wachstum, das stärker über Produktivität, Automatisierung und Auslandsinvestitionen getragen wird als über zusätzliche Stellen im Inland.»

Der neue Optimismus steht zudem weiterhin unter Vorbehalt. Geopolitische Risiken bleiben aus Sicht der CFOs das wichtigste Unternehmensrisiko, gefolgt von Sorgen vor einer Nachfrageschwäche oder Rezession. Regulierungen und politische Entscheide sind auf Platz drei der Risikowahrnehmung gestiegen. Gleichzeitig nennen die CFOs Regulierung und Compliance als stärkste Belastung für ihre Margen.

KI-Kosten höher als budgetiert

Ein wichtiger Treiber der strukturellen Veränderung ist die künstliche Intelligenz. Die durchschnittlich budgetierten KI-Ausgaben betragen 0,9 Prozent der Gesamtausgaben bei den befragten Unternehmen. Nur 8 Prozent der CFOs geben an, dass in ihrem Unternehmen noch keine KI-Anwendungen eingeführt wurden oder geplant sind. Gleichzeitig ist KI teurer als vielfach erwartet. 40 Prozent der CFOs rechnen damit, dass die tatsächlichen unternehmensweiten KI-Ausgaben im laufenden Geschäftsjahr höher ausfallen als ursprünglich budgetiert. Entsprechend setzen 69 Prozent der Unternehmen bereits Massnahmen zur Kontrolle der KI-Ausgaben um oder planen solche in den nächsten zwölf Monaten.

Trotzdem bleibt die Erwartung an den finanziellen Nutzen hoch: 18 Prozent der CFOs geben an, dass sich der Einsatz von KI bereits finanziell auszahlt. Weitere 61 Prozent erwarten, dass dies innerhalb der nächsten ein bis drei Jahre der Fall sein wird.

Juniorpositionen unter Druck

Die Auswirkungen von KI auf die Beschäftigung in der Finanzfunktion beurteilen die CFOs deutlich negativ – besonders bei Einstiegs- und Juniorpositionen. 64 Prozent rechnen in den nächsten drei Jahren mit einer Abnahme der Beschäftigung auf diesen Stufen, nur 5 Prozent mit einer Zunahme. Auch bei Positionen mit mittlerer Erfahrung erwarten mehr CFOs einen Rückgang als einen Anstieg. Nur bei erfahrenen Fachkräften rechnet eine Mehrheit der CFOs mit einem Stellenaufbau.

Damit trifft KI vor allem jene Tätigkeiten, über die gut ausgebildete junge Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger bisher wertvolle praktische Erfahrung sammeln konnten: Datenaufbereitungen, Standardanalysen, Reportings, Dokumentationen, Recherchen und Routineprozesse. Werden diese Aufgaben automatisiert, entstehen Effizienzgewinne. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass klassische Einstiegsaufgaben wegfallen oder stark verändert werden.

«KI ist für Unternehmen nicht nur ein Technologie- oder Kostenthema, sondern ein Organisationsthema», sagt Alessandro Miolo, Managing Partner Audit & Assurance bei Deloitte Schweiz. «Wenn Unternehmen KI nutzen, um effizienter zu werden, müssen sie gleichzeitig sicherstellen, dass sich Nachwuchskräfte auch in Zukunft entwickeln können. Denn wenn Junioraufgaben wegfallen, müssen Einstiegsrollen bewusst neu gestaltet werden – mit strukturierten Lernpfaden, stärkerer Einbindung in Entscheidungsprozesse und klarer Qualitätssicherung im Umgang mit KI.»

Aufschwung mit strukturellen Anpassungen

Die Umfrage zeigt insgesamt ein zweigeteiltes Bild: Die Konjunktur- und Unternehmenserwartungen sind so positiv wie seit Langem nicht mehr. Gleichzeitig bleibt die Beschäftigungsdynamik in der Schweiz eher schwach, wobei KI vor allem Büro- und Wissensfunktionen verändert.

«Die Schweizer Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft, bleiben beim Personalaufbau im Inland aber zurückhaltend», sagt Michael Grampp. «Umso wichtiger sind Investitionen in Innovation und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden. Die wachsenden Sorgen über Regulierung sind ein Warnsignal an Politik und Verwaltung: Unternehmen brauchen mehr Freiraum statt zusätzlicher Hürden.»

Über die CFO-Umfrage von Deloitte

Die aktuelle, 52. CFO-Umfrage in der Schweiz wurde online vom 2. bis zum 25. September 2026 durchgeführt. An der Befragung nahmen 120 CFOs aus allen wichtigen Branchen sowie aus kotierten und nicht kotierten Unternehmen teil. Die europäische CFO-Umfrage wird in mehreren Ländern, einschliesslich der Schweiz, durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Länderumfragen werden aggregiert und sind voraussichtlich ab November verfügbar.