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Schweizer CFOs: Fast die Hälfte erwartet sinkende Lohnkosten – Investitionen fliessen in KI und ins Ausland

Zürich, 30. April 2026

Trotz geopolitischer Spannungen und Handelshemmnissen zeigen sich Schweizer Finanzchefs überraschenderweise optimistischer als noch vor einem Jahr. Fast 50 Prozent der CFOs erwarten mittelfristig sinkende Personalkosten durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Steigende Energie- und Rohstoffpreise setzen Unternehmen jedoch zunehmend unter Druck. Dies zeigt die aktuelle CFO-Umfrage von Deloitte Schweiz.

Trotz Irankonflikt und anhaltender geopolitischer Unsicherheiten haben sich die Konjunkturerwartungen der Schweizer Unternehmen aufgehellt: 38 Prozent der 126 befragten CFOs erwarten in den nächsten 12 Monaten eine positive Konjunkturentwicklung in der Schweiz. 19 Prozent gehen von einer negativen Entwicklung aus (siehe Abbildung 1). Dies zeigt die aktuelle CFO-Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte Schweiz. Die Umfrage wurde nach Beginn des Irankriegs durchgeführt. «Ein anhaltender Konflikt im Nahen und Mittleren Osten mit Auswirkungen auf die Energie- und Rohstoffpreise sowie die Güterlogistik könnte die aktuell optimistische Sicht der Schweizer Finanzchefs jedoch schnell wieder gefährden», erläutert Michael Grampp, Chefökonom bei Deloitte Schweiz.

Die Finanzchefs schätzen die Konjunkturentwicklung der wichtigsten Handelspartner sehr unterschiedlich ein. Für China bleiben sie mehrheitlich optimistisch (44% positiv vs. 21% negativ), getrieben etwa durch Hoffnungen auf neue Technologien. Die Aussichten für die USA werden weiterhin skeptisch gesehen (32% positiv vs. 36% negativ), haben sich aber seit dem Zollschock im Frühjahr 2025 erholt. Deutschland hingegen wird weiterhin äusserst negativ eingeschätzt (13% positiv vs. 53% negativ).

Steigende Energie- und Rohstoffpreise setzen Unternehmen unter Druck

Für das eigene Unternehmen rechnet weit über die Hälfte der CFOs (57%) mit einer positiven finanziellen Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten. Nur 19 Prozent gehen von einer negativen Entwicklung aus. Bei den Margen zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Unternehmen gehen für die kommenden zwölf Monate von steigenden Margen aus, die Kennzahl ist erneut gestiegen. Die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise werden von den CFOs indes als grosse Belastung genannt (51%). Der Faktor, der am stärksten auf die Margen drückt, bleibt der starke Schweizer Franken (68%), gefolgt von den Personalkosten (58%). Neben dem starken Franken wirken sich auch höhere Einkaufspreise (47%) negativ auf die Margen aus.

«Schweizer Unternehmen können ihre steigenden Kosten heute etwas besser an ihre Kundschaft weitergeben als in früheren ähnlichen Situationen. Das könnte damit zusammenhängen, dass die gestiegenen Zollkosten und Energiepreise breit bekannt sind und sich so eher weitergeben lassen», erläutert Alessandro Miolo, Leiter Audit & Assurance bei Deloitte Schweiz. «Trotzdem braucht es neben kurzfristigen operativen Effizienzgewinnen auch strukturelle Anpassungen.»

Schweizer Unternehmen investieren – vor allem im Ausland

Die belastenden Lohnkosten schlagen sich deutlich bei der Personalplanung für die kommenden zwölf Monate nieder. Während knapp ein Drittel (30%) der CFOs von einem Stellenabbau in der Schweiz ausgeht, planen 37 Prozent der Finanzchefs einen Stellenausbau im Ausland. Auch wollen sie generell stärker im Ausland (39%) als in der Schweiz (27%) investieren.

KI: Hoffnung auf Effizienz, aber massive IT-Kosten

Künstliche Intelligenz (KI) wird für den Schweizer Arbeitsmarkt eine grosse Herausforderung, wie sich auch in den Antworten der CFOs zeigt: Die KI-Implementierung in Unternehmen bringt nämlich auch Kosten mit sich – fast zwei Drittel der Befragten (64%) gehen von steigenden Technologie- und IT-Ausgaben aus.

Hingegen rechnet fast die Hälfte (46%) in den kommenden drei Jahren durch den Einsatz von KI mit tieferen Lohnkosten. Jedoch rechnen 27 Prozent der Finanzchefs mit steigenden sonstigen Personalkosten. Verursacht werden diese Kosten etwa durch notwendige Weiterbildungsinvestitionen, um das Personal im Umgang mit KI zu schulen. Insgesamt gehen 40 Prozent der CFOs davon aus, dass der Einsatz von KI in ihrem Unternehmen im Verlauf der kommenden drei Jahre zu Kostensenkungen führen wird, 12 Prozent gehen von steigenden Kosten aus.

«Die KI-Investitionen sind für Schweizer Unternehmen elementar – aber sie sind teuer», betont Alessandro Miolo. «CFOs rechnen mit erheblich höheren IT-Infrastrukturkosten, während sie gleichzeitig sinkende Personalkosten erwarten. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie in KI investieren, wodurch sie sich Effizienzgewinne erhoffen. Dies stellt Unternehmen vor schwierige strategische und personelle Entscheidungen.»

Standort ist unter Druck – attraktivere Rahmenbedingungen nötig

Damit kommt der Schweizer Standort weiter unter Druck. Dazu sagt Chefökonom Michael Grampp: «Unsere Umfrage zeigt ein Paradoxon: Die CFOs sind optimistischer als noch vor einem Jahr, und die hiesige Wirtschaft zeigt sich bisher sehr resilient, doch die Herausforderungen sind akut und strukturell. Damit die Unternehmen die nötigen Mittel für die erforderlichen Investitionen haben und gleichzeitig die Abwanderung von Arbeitsplätzen und Investitionen ins Ausland gebremst werden kann, braucht die Wirtschaft zwingend attraktivere Rahmenbedingungen. Ohne eine Verbesserung der Standortbedingungen und eine wirksame Umsetzung der am 14. Mai 2025 vom Bundesrat angekündigten administrativen Entlastung sowie ohne eine Überprüfung bestehender Regulierungen wird der Druck auf Beschäftigung und Wertschöpfung in der Schweiz weiter zunehmen.»

Über die Studie

Die aktuelle 51. CFO-Umfrage in der Schweiz wurde vom 2. bis zum 25. März 2026 online durchgeführt. 126 CFOs aus allen wichtigen Branchen – von kotierten wie nichtkotierten Unternehmen – haben teilgenommen. Die europäische CFO-Umfrage wird in mehreren Ländern, einschliesslich der Schweiz, durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Länderumfragen werden aggregiert und sind voraussichtlich ab Mai verfügbar.