Auf einen positiven März folgte ein turbulenter April. Die Stimmung der Schweizer CFOs hat sich in den letzten Tagen deutlich verschlechtert, wie die aktuelle CFO-Umfrage von Deloitte zeigt. Von den Schweizer Konjunkturprognosen über die Unternehmenserwartungen bis hin zu den Aussichten für die wichtigsten Handelspartner – das Stimmungsbarometer kennt nur eine Richtung: steil nach unten. Ein Hoffnungsschimmer für die CFOs ist aktuell Indien.
Die halbjährlich durchgeführte CFO-Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zeigt extreme Ausschläge: Waren die Schweizer CFOs im März noch recht optimistisch, schlug die Stimmung nach Ankündigung der US-Handelszölle am 2. April stark ins Negative um. Angesichts der Verwerfungen in der internationalen Handelspolitik hat Deloitte die Frühlingsumfrage zum ersten Mal in zwei Wellen durchgeführt (erste Welle: 27.2. – 21.3., zweite Welle: 7. – 14.4.).
Es zeigt sich dabei, dass sich die Konjunkturaussichten für die Schweiz drastisch verdüstert haben: Mit einem Rückgang von -84 Prozentpunkten zwischen der März- und der Aprilumfrage ist dies einer der grössten Einbrüche seit Beginn der Umfrage im Jahr 2009 (siehe Grafik 1). Nur noch 15 Prozent der befragten CFOs gehen von einer positiven Entwicklung aus. 58 Prozent erwarten eine negative oder sehr negative Entwicklung (vs. Herbst 2024: 61% positiv, 6% negativ).
Grafik 1: Konjunkturerwartungen zur Schweiz seit 2009 in Nettosalden: positive Einschätzungen abzüglich negativer
Schlecht sind die Erwartungen bezüglich Konjunkturentwicklung aber nicht nur für die Schweiz, sondern auch hinsichtlich ihrer drei wichtigsten Handelspartner. Für Deutschland erwarten 81 Prozent eine negative oder sehr negative Entwicklung, nur 6 Prozent sind positiv gestimmt. Leicht besser steht es um China: Dort erwarten 64 Prozent eine negative Entwicklung, 13 Prozent eine positive. Die Erwartungen für die US-Konjunktur sind die schlechtesten der vier abgefragten Länder: 89 Prozent der befragten Finanzchefs gehen von einer negativen Konjunkturentwicklung aus und rechnen mit einer Rezession der US-Wirtschaft. Nur gerade 2 Prozent erwarten eine positive Entwicklung. Schon in der Märzumfrage waren die Erwartungen eingebrochen, der Rückgang hat sich nach der US-Zoll-Ankündigung aber noch verstärkt. Im Vergleich zur Herbstumfrage 2024 zeigt sich für alle vier abgefragten Länder eine deutliche Verschlechterung (siehe Grafik 2).
Grafik 2: Konjunkturerwartungen für die Schweiz und die wichtigsten Handelspartner
Besonders bemerkenswert: Die befragten CFOs bewerten auch die finanziellen Aussichten des eigenen Unternehmens für die kommenden zwölf Monate deutlich negativ. Noch im März bewerteten 61 Prozent die Entwicklung als positiv (vs. 18% negativ). Im April, wenige Tage später, zeigt sich ein ganz anderes Bild: Nur noch 23 Prozent schätzen die Unternehmensaussichten positiv ein; 43 Prozent erwarten eine negative Entwicklung. Die klaffende Differenz zwischen dem positiven und negativen Wert ist die zweithöchste, seit diese Frage 2014 erstmals gestellt wurde.
Die Antworten auf die Frage, wie sich konkrete Unternehmenskennzahlen in den kommenden zwölf Monaten entwickeln werden, zeichnen ebenfalls ein düsteres Bild: Erwartungen zu Umsatz-, Margen- und Mitarbeiterzahlen brechen ein, Investitionen werden aufgeschoben, andere geplante Ausgaben gekürzt. Bei ihren Investitionen, variablen Ausgaben und Personaleinstellungen sind Schweizer Unternehmen jetzt so zurückhaltend wie seit dem Pandemiejahr 2020 nicht mehr.
Die durchs Band negativen Unternehmenserwartungen und die turbulente Weltlage stellen eine grosse Herausforderung für Schweizer Unternehmen dar. In Bezug auf wichtige Handelsnationen rechnet die Mehrheit der Befragten mit sich verschlechternden Geschäftsbedingungen (siehe Grafik 3). Waren im März die Erwartungen für die Schweiz noch relativ positiv, bleibt im April nur noch Indien als Lichtblick, auch wenn dort viele der befragten Unternehmen gar nicht tätig sind. Das unterzeichnete Freihandelsabkommen mit Indien bietet Unternehmen in unsicheren Zeiten eine grosse Chance, einen neuen Markt zu erschliessen und das Exportportfolio zu diversifizieren.
Abbildung 3: Erwartete Verbesserung oder Verschlechterung der Geschäftsbedingungen für Schweizer Unternehmen
Die Entwicklungen rund um Zollabgaben und Handelsbeschränkungen haben denn auch Auswirkungen auf die Lieferketten: 72 Prozent aller befragten CFOs geben an, vorbereitende Massnahmen ergreifen zu wollen. Am meisten genannt werden dabei Investitionen in Technologie (37%), etwa um rasch Transparenz bei den zu zahlenden Zöllen zu erhalten. Des Weiteren sind Kostensenkungen in anderen Bereichen (34%) geplant. 28 Prozent der Unternehmen wollen mit einer Anpassung der Verkaufspreise reagieren. Um die Kosten zu senken oder Logistikprozesse zu vereinfachen, nennen 17 Prozent der Befragten auch eine mögliche Verlagerung in andere Länder.
Auch wenn die US-Zölle grösstenteils aufgeschoben wurden, bleibt die Unsicherheit sehr hoch. Von einer raschen Rückkehr zu optimistischeren AssichtenAussichten kann aktuell nicht ausgegangen werden. Dazu Michael Grampp, Chefökonom von Deloitte Schweiz: «Sollte während der 90-tägigen Frist keine Einigung mit den USA gelingen, könnte auch in der Schweiz eine Rezession drohen.»
Die aktuelle, 49. CFO-Umfrage in der Schweiz wurde online erstmalig in zwei Wellen durchgeführt. Die erste Befragung fand zwischen dem 27. Februar und dem 21. März 2025 statt. 120 CFOs aus allen wichtigen Branchen – und von kotierten wie nicht kotierten Unternehmen –haben daran teilgenommen. Aufgrund der Entwicklungen in der US-Handelspolitik wurde vom 7. bis 14. April 2025 eine zweite Kurzumfrage zu den möglichen Auswirkungen der Zölle auf die Schweizer Wirtschaft durchgeführt. 65 CFOs nahmen an dieser zweiten Umfrage teil.
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