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Wie Abwärme, Rechenzentren und thermische Netze zur strategischen Infrastruktur werden

Wärme neu denken

Die Schweizer Wärmeversorgung steht nicht vor einem neuen Ziel, sondern vor einer konkreten Umsetzungsfrage: Wie lassen sich Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit so verbinden, dass daraus tragfähige Infrastruktur- und Geschäftsmodelle entstehen?

Am 5. Juni 2026 hat der Bundesrat entschieden, vorerst keine neuen bundesrechtlichen Vorgaben zur besseren Nutzung von Abwärme zu schaffen. Stattdessen soll die Nutzung bestehender Instrumente und kantonaler Vorgaben im Vordergrund stehen. Gleichzeitig nennt der Bundesrat ausdrücklich Anlagen wie Kehrichtverwertungsanlagen und Datenzentren als mögliche Abwärmequellen, deren Wärme in thermische Netze eingespeist und für Haushalte und Betriebe nutzbar gemacht werden kann.1

Laut Bundesamt für Energie verbrauchten Rechenzentren in der Schweiz im Jahr 2024 rund 2,1 TWh Strom, was etwa 3,6 Prozent des Gesamtverbrauchs entspricht. Bis 2030 wird ein Anstieg auf 2,5 bis 3,2 TWh erwartet. Damit werden Rechenzentren nicht nur zu relevanten Stromverbrauchern, sondern auch zu potenziellen Partnern für Wärme- und Kältenetze, Arealentwicklungen und industrielle Abwärmekonzepte.

Der Handlungsdruck ist strukturell: Der Wärmebereich macht in der Schweiz rund 50 Prozent des Energieverbrauchs aus und verursacht mehr als 35 Prozent der Treibhausgasemissionen. Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist damit ein zentraler Hebel für Netto Null 2050, und kann durch einheimische erneuerbare Energien zugleich die Auslandsabhängigkeit reduzieren und die Versorgungssicherheit stärken.2

Wärme wird zur Investitions- und Infrastrukturfrage

Die Transformation der Wärmeversorgung ist keine reine Heizungsfrage. Sie betrifft Gebäudeportfolios, Energieversorger, Industrieareale, Rechenzentren, Städte, Gemeinden und Investoren gleichermassen.

Drei Fragen stehen im Zentrum:

  • Versorgungssicherheit: Wärme ist besonders im Winter kritische Infrastruktur. Wärmepumpen, thermische Netze, Speicher, Abwärme, Geothermie und Biomasse verändern Lastprofile, Netzanforderungen und Abhängigkeiten im Energiesystem.
  • Klimaschutz: Fossile Wärme muss schrittweise ersetzt werden. Entscheidend ist dabei nicht nur die einzelne Technologie, sondern die richtige Kombination aus Gebäudesanierung, erneuerbarer Wärme, Abwärmenutzung, Elektrifizierung und Netzinfrastruktur.
  • Wirtschaftlichkeit: Projekte müssen investierbar sein. Thermische Netze lohnen sich nicht überall; dezentrale Lösungen sind nicht überall optimal. Entscheidend ist eine Standort- und Portfoliologik, die Kosten, Risiken, Kundendichte, Förderfähigkeit, Stromnetzfolgen und langfristige Werthaltigkeit zusammenführt.

Gerade hier liegt eine Chance: Abwärme aus Rechenzentren, Industrie, Kehrichtverwertung oder Abwasser kann von einem Nebenprodukt zu einem strategischen Asset werden. Voraussetzung ist, dass Wärmequellen, Wärmesenken, Netze, Eigentümer, Kunden und Kapitalgeber frühzeitig zusammengebracht werden.

Was Unternehmen jetzt klären sollten

Für Energieversorger, Immobilienunternehmen, Industrieakteure und Infrastrukturinvestoren geht es nun um konkrete Entscheidungen:

Wo entstehen relevante Wärme- und Kältebedarfe? Welche Standorte eignen sich für thermische Netze? Wo kann Abwärme wirtschaftlich genutzt werden? Welche Gebäude sollten dezentral elektrifiziert werden? Welche Investitionen sind nötig, um spätere Lock-in-Effekte zu vermeiden? Und welche Partnerschaftsmodelle braucht es zwischen Energieversorgern, Rechenzentren, Industrie, Immobilienwirtschaft, öffentlicher Hand und Investoren?

Diese Fragen sind besonders wichtig, weil der Schweizer Markt stark durch kantonale und kommunale Rahmenbedingungen, regionale Energieversorger und standortspezifische Infrastrukturentscheidungen geprägt ist. Es braucht daher keine Standardantwort, sondern belastbare Entscheidungsmodelle und umsetzbare Roadmaps.

Wie Deloitte unterstützen kann

Deloitte kann Organisationen dabei unterstützen, die Transformation der Wärmeversorgung als integrierte Geschäfts-, Infrastruktur- und Finanzierungsaufgabe zu strukturieren.

  • Strategie und Zielbild: Entwicklung eines Wärme-Zielbilds bis 2050, inklusive Marktrolle, Technologiepfad, Kundensegmenten, Partnerschaften und Investitionsprioritäten.
  • Portfolio- und Asset-Transformation: Bewertung von Wärme-, Strom-, Gas-, Gebäude-, Industrie- und Rechenzentrumsassets; Identifikation von Abwärme-, Netz- und Dekarbonisierungspotenzialen.
  • Versorgungssicherheit und Resilienz: Analyse von Winterstrombedarf, Lastprofilen, Energiepreisrisiken, regulatorischen Entwicklungen und Systemabhängigkeiten.
  • Wirtschaftlichkeit und Finanzierung: Aufbau belastbarer Business Cases, Finanzmodelle, Förderlogiken, Partnerschaftsmodelle und investierbarer Projektportfolios.
  • Operating Model und Umsetzung: Definition von Governance, Rollen, Prozessen, Datenmodellen und Roadmaps für die Umsetzung konkreter Infrastruktur- und Dekarbonisierungsprogramme.
  • ESG, Daten und Reporting: Messung von Emissionen, Capex, Fortschritt gegenüber Netto-Null-Zielen, Klimarisiken und finanziellen Auswirkungen.

Deloitte Schweiz positioniert den Power-, Utilities- und Renewables-Sektor als zentralen Treiber der Energietransformation und unterstützt Unternehmen dabei, Geschäftsmodelle zu transformieren sowie Elektrifizierung und kohlenstoffarme Technologien zu skalieren. Zusätzlich unterstützt Deloitte bei Net-Zero-Strategien, Transition-Risiken und der Einbettung von Nachhaltigkeit in operative Abläufe.

Fazit

Die Wärmeversorgung wird zu einem strategischen Bindeglied zwischen Energie, Immobilien, Industrie, Digitalisierung und Infrastrukturkapital. Der aktuelle Fokus auf Abwärme und Rechenzentren zeigt: Die nächste Phase der Transformation entscheidet sich nicht allein an Klimazielen, sondern an der Fähigkeit, konkrete Projekte wirtschaftlich, resilient und partnerschaftlich umzusetzen.

Wer Wärme heute als Infrastruktur- und Investitionsthema steuert, kann Versorgungssicherheit stärken, Emissionen senken und neue Geschäftsmodelle erschliessen.

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