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Schweizer Rüstungsindustrie unter Druck

Umfrage zu den Auswirkungen der Abstimmung über das Kriegsmaterialgesetz (KMG)

Am 29. November 2026 wird das Schweizer Volk über die Revision des Kriegsmaterialgesetzes (KMG) abstimmen. Die Revision soll den Export von Rüstungsgütern in klar definierte Partnerstaaten – vorwiegend in Europa – erleichtern. Gleichzeitig soll – mit Ausnahmen – auf das Wiederausfuhrverbot verzichtet werden. Mit dieser Umfrage möchte Deloitte einen Beitrag an eine sachliche Diskussion zu den Auswirkungen der geplanten KMG-Revision auf die Schweizer Rüstungsindustrie und ihre Unternehmen leisten.

Seit der letzten KMG-Revision haben sich das geo- und sicherheitspolitische Umfeld deutlich verändert (u.a. Krieg in der Ukraine, Eskalation im Iran, europäische Kooperationsprojekte, Partnerstaatenliste, Druck auf internationale Lieferketten). An seiner Sitzung vom 20. Juni 2025 hat der Bundesrat daher seine erste Rüstungspolitische Strategie gutgeheissen. Er will die noch verbliebene verteidigungskritische Industriebasis (VIB) in der Schweiz erhalten und die gesamte sicherheitsrelevante Technologie- und Industriebasis (STIB) stärken. Die vorliegende Umfrage liefert einen Beitrag, welche Bedeutung der bevorstehenden KMG-Revision im Lichte dieser bundesrätlichen Ziele zukommt.

Zentrale Ergebnisse

Folgende Erkenntnisse lassen sich aus der Umfrage ableiten:

  1. Bestehende Kontrollmechanismen behindern Exporte – klare Exportregeln und Wiederausfuhr gewünscht: 64 Prozent der befragten Schweizer Hersteller von KMG-relevantem Kriegsmaterial sehen in der derzeitigen Ausgestaltung der Exportkontrollen erhebliche praktische Hürden für ihre Exporttätigkeit. Die in der KMG-Revision angestrebte Vereinfachung der Exportregeln für Rüstungsgüter und erlaubte Weitergabe (Wiederausfuhr) stufen die grosse Mehrheit der Hersteller von Kriegsmaterial (>72%) als sehr wichtig ein.
  2. Stark positive Effekte auf Umsatz und Unternehmenserfolg bei Annahme der KMG-Revision erwartet: Exportorientierte Unternehmen und insbesondere solche, die Kriegsmaterial herstellen, versprechen sich positive Effekte auf ihren Umsatz in den nächsten 3-5 Jahren. 87 Prozent der Befragten finden, dass sie mit den neuen Regeln ihren Unternehmenserfolg durch verbesserte Exportmöglichkeiten erhöhen würden.
  3. Stärkung der Rüstungsindustrie, Wettbewerbsfähigkeit und Kooperation erhofft: 93 Prozent der Befragten finden, dass eine Annahme die Schweizer Rüstungsindustrie insgesamt stärken würde. Weitere 80 Prozent denken, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz gestärkt würde und 77 Prozent erwarten eine verbesserte Teilnahmefähigkeit an internationalen Kooperationsprogrammen. Viele exportorientierte Unternehmen sind als Zulieferer in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden und können nur erfolgreich sein, wenn sie weiterhin grenzüberschreitend kooperieren und Geschäfte tätigen können.
  4. Langfristige Schwächung des Innovationsstandorts Schweiz bei Ablehnung der KMG-Revision befürchtet: Bei einer Ablehnung befürchten 91 Prozent der Befragten, dass der Standort Schweiz für sicherheitsrelevante Schlüsseltechnologien langfristig geschwächt würde. Bleiben die Exporthürden und Vorbehalte von ausländischen Kunden gegenüber dem Standort Schweiz hoch, droht dem ganzen Sektor eine Schwächung. Zudem könnte künftig auch weniger in neue Technologien investiert oder diese stärker im Ausland entwickelt werden, was langfristig den Innovationsstandort schwächen und die technologische Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Rüstungsindustrie mindern würde.
  5. Beeinträchtigung von Lieferkettenzugang und Auftragslage erwartet: Weitere drei Viertel der Befragten finden, dass bei einer Ablehnung der Zugang zu internationalen Lieferketten erschwert (76%) und ihre Auftragslage beeinträchtig (74%) würde. Viele Hersteller von Produkten oder Komponenten, die als Teil internationaler Systeme oder Programme eingesetzt werden, sehen sich jetzt schon exponiert und mit Vorbehalten potenzieller Käufer konfrontiert. Dieser Trend dürfte sich bei einer Ablehnung der KMG-Revision weiter verschärfen und die Auftragslage direkt beeinträchtigen.
  6. Starke Verlagerung von Arbeitsplätzen und Know-how befürchtet: 64 Prozent der Befragten denken zudem, dass eine Ablehnung zur Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland führen würde, wobei bei den Herstellern von Kriegsmaterial gar 84% der Befragten eine Arbeitsplatzverlagerung in Teilen der Wertschöpfungskette erwarten. Wenn Teile der Wertschöpfung verlagert werden, heisst dies oft auch, dass Know-how transferiert oder gar direkt im Ausland aufgebaut wird. Die Rüstungspolitische Strategie des Bundesrates würde verfehlt und die Schweiz würde ihre noch verbliebene Bedeutung im internationalen Geschäft der Rüstungsindustrie verlieren.

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