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Interview mit Stefan Räbsamen

Verwaltungsratsmitglied von Georg Fischer, SMG Swiss Marketplace Group und TAKKT

Veränderungen in der Mandatsarbeit von Verwaltungsräten

Stefan Räbsamen

Stefan Räbsamen, Jahrgang 1965, ist Verwaltungsratsmitglied der börsennotierten Unternehmen Georg Fischer, SMG Swiss Marketplace Group, TAKKT und einer internationalen Multi-Family-Investmentstruktur mit einem operating office in New Stefan Räbsamen, Jahrgang 1965, ist Verwaltungsratsmitglied der börsennotierten Unternehmen Georg Fischer, SMG Swiss Marketplace Group, TAKKT und einer internationalen Multi-Family-Investmentstruktur mit einem operating office in New York. Zwischen 1994 und 2024 hatte er verschiedene Positionen bei PricewaterhouseCoopers AG inne, darunter auch den Vorsitz als Chairman von PwC Schweiz. Stefan Räbsamen hat einen Masterabschluss in Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft von der Universität Bern sowie ein Zertifikat als dipl. Wirtschaftsprüfer.

swissVR Monitor: Sie sind seit 2024 Mitglied diverser Verwaltungsräte und Vorsitzender mehrerer Prüfungsausschüsse. Gibt es einen Aspekt der Arbeit im Verwaltungsrat, der sich anders herausgestellt hat, als Sie es ursprünglich erwartet hatten?

Stefan Räbsamen: Im Generellen war ich auf die Arbeit im Verwaltungsrat gut vorbereitet. Einerseits, weil ich als langjähriger Partner bei der PwC regelmässig an Audit Committee- sowie VR-Sitzungen teilgenommen habe und, andererseits, weil die Unternehmen mir ein gutes Onboarding-Programm angeboten haben.

Im Besonderen gibt es aber schon Unterschiede. Jedes Unternehmen ist auf seine Art einzigartig und hat spezifische Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Es ist wichtig, dass ich die dazu notwendige Zeit tatsächlich zur Verfügung stellen kann, um mich mit den Themen in verantwortungsvoller Art und Weise zu beschäftigen. Aus meiner Sicht ist das die Voraussetzung, um mit dem Management-Team auf Augenhöhe sprechen zu können und ein echter Sparringspartner zu sein.

Und dann gibt es natürlich einen Unterschied in den Governance Modellen zwischen der Schweiz («One-Tier Modell») und Deutschland («Two-Tier Modell»). Das «Two-Tier Modell», welches insbesondere auf die Aufsichtsarbeit ausgelegt ist, war mir noch nicht so geläufig.

swissVR Monitor: Die Mandatsarbeit verändert sich über die Zeit hinweg. In unserer Befragung unter Verwaltungsratsmitgliedern gibt die Mehrheit an, dass ihr Zeitaufwand für das Mandat im letzten Jahr zugenommen hat. Woran liegt dies Ihrer Meinung nach?

Stefan Räbsamen: Das kann ich nur bestätigen. Da spielen meines Erachtens verschiedene Faktoren eine Rolle. Das Risikomanagement wird immer anspruchsvoller und bildet die Voraussetzung für die Resilienz eines Unternehmens. Wenn man die Verwaltungsräte fragt, welches die Top Risiken sind, dann werden einerseits «Evergreens» genannt wie die Nachfolgeplanung und das Talent Management. Aber auch neuere Themen wie Cyber und AI. Und dann haben sich die geopolitischen und regulatorischen Themen, wobei ich da Lieferketten, Zölle, Preisüberwacher, etc. dazu zähle, akzentuiert. Der Verwaltungsrat muss sich damit auseinandersetzen und das braucht Zeit.

Neuer sind auch die Aufgaben rund um das Thema der Nachhaltigkeit. Auch wenn die nicht-finanzielle Berichterstattung üblicherweise beim Audit Committee angehängt wird, so ist die Nachhaltigkeitsstrategie meines Erachtens ein Thema für den gesamten Verwaltungsrat.

Und dann sind da die unternehmensspezifischen Transformationsthemen. Denken Sie zum Beispiel an den Umbau der Georg Fischer zum fokussierten «Flow Solutions» Unternehmen. Das waren intensive zwei Jahre. Vor allem für das Management.

swissVR Monitor: Eine fast genauso grosse Anzahl an Verwaltungsratsmitgliedern sieht eine Zunahme bei der Interaktion mit der Geschäftsleitung. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Stefan Räbsamen: Als AC-Chair hatte ich schon immer einen regelmässigen Austausch mit dem CFO. Aber das ist natürlich der Rolle geschuldet. Aber um an das vorher Gesagte anzuknüpfen. Es ist durchaus menschlich,dass man in anspruchsvolleren Zeiten zusammenrückt, öfter und intensive im Verwaltungsrat und mit dem Management spricht, um gemeinsam am Erfolg des Unternehmens zu arbeiten.

swissVR Monitor: Knapp jedes vierte Verwaltungsratsmitglied gibt an, die strategische Arbeit ihres Gremiums sei nicht klar genug von der operative Tätigkeit der Geschäftsleitung getrennt. Welchen Ratschlag würden Sie für solche Fälle geben?

Stefan Räbsamen: Im Englischen spricht man von «Leading the Future and Manage the Present at the very same time». Da kann ich nur raten, dass sich die Verantwortlichkeiten zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung nicht vermischen sollten. Dabei kommt dem VR-Präsidenten eine wichtige Rolle zu, er setzt den «Tone from the Top». Es ist entscheidend, dass der strategisch eingeschlagene Weg nicht durch operative Widerwärtigkeiten leichtfertig aufgegeben wird.

swissVR Monitor: Wie wird sich die Mandatsarbeit von Verwaltungsräten ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren verändern?

Stefan Räbsamen: Bei der gegenwärtigen Zunahme der Regulierungsdichte wird es zunehmend anspruchsvoller, als Unternehmen alle Gesetzeund Richtlinien einzuhalten. Der Verwaltungsrat muss sich regelmässig darüber berichten lassen. Auch im eigenen Interesse. Beispielhaft möchte ich den EU Cyber Resilience Act erwähnen, welcher bei Nichteinhaltung auch den Verwaltungsrat zur Verantwortung ziehen kann.

Deshalb empfehle ich, dass die Verantwortlichkeiten und Aufgaben des Verwaltungsrats und deren Ausschüsse regelmässig überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Am Beispiel des Audit Committees sehe ich bereits heute eine Zunahme des Pflichtenheftes. Es wird zusehends zum Audit, Risk and Compliance Committee. Die Mandatsarbeit wird auch künftig mehr Zeit in Anspruch nehmen und anspruchsvoller werden.