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Interview mit Ursula Finsterwald – Head of Group Sustainability Management bei LGT

Ageing Switzerland: Interviewreihe zum Thema Nachhaltigkeit

Ursula Finsterwald, Head of Group Sustainability Management bei LGT

Ursula Finsterwald ist seit April 2011 Head Group Sustainability Management der LGT. Sie verantwortet das globale Nachhaltigkeitsmanagement, treibt die Nachhaltigkeitsstrategie 2030 inklusive Klima-Ambition 2030 voran und ist für die Umsetzung relevanter Regulierungen sowie die Berichterstattung zuständig. Gemeinsam mit ihrem Team definiert sie konzernweite Nachhaltigkeitsstandards und begleitet die Integration von Nachhaltigkeit in Kerngeschäft und Geschäftsprozesse. Sie ist berät Geschäftsleitung und Stiftungsrat in strategischen Nachhaltigkeitsthemen. Seit 2012 ist sie Stiftungsrätin der Klimastiftung Schweiz, seit 2019 deren Vizepräsidentin, sowie seit 2018 Vorstandsmitglied des Global Compact Netzwerks Schweiz & Liechtenstein. Zudem ist sie Vorsitzende des Ausschusses Nachhaltigkeit des Liechtensteinischen Bankenverbands und Mitgründerin der Initiative ESG4Boards. Vor ihrem Eintritt bei LGT war sie Beraterin in einer auf Nachhaltigkeit fokussierten Unternehmensberatung in Zürich. Sie studierte internationale Beziehungen an der Universität St. Gallen (HSG) und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaft und Ökologie. Anschliessend war sie Ökonomin beim Bundesamt für Umwelt, wo sie die VOC-Abgabe verantwortete und die Revision der VOC-Verordnung sowie Analysen zu ökonomischen Instrumenten der Umweltpolitik begleitete.

Deloitte: Die LGT hat sich das Ziel gesetzt, ihre Netto-CO2-Emissionen bis im Jahr 2050 auf null zu reduzieren. Wie weit ist sie bisher auf dem Pfad zu Netto-Null gekommen?

Ursula Finsterwald: In vielen Bereichen sind wir «on track» – so haben wir die Emissionen unserer eigenen Anlagen gegenüber 2022 um rund 65% gesenkt und unseren Energieverbrauch gegenüber 2019 um beinahe 25% vermindert. Es bleibt jedoch noch viel zu tun, und in einigen Bereichen ist der Fortschritt langsamer als erwartet. Beispielsweise sind unsere betrieblichen Emissionen seit 2019 gestiegen. Wir lassen uns jedoch nicht entmutigen und arbeiten jeden Tag daran, unseren ambitionierten Zielen näher zu kommen.

"LGT arbeitet jeden Tag daran, ihre ambitionierten Ziele näher zu erreichen."

Deloitte: Im Zuge des demografischen Wandels wird unsere Gesellschaft stetig älter. Welche Chancen und Risiken stellt diese Entwicklung für die LGT auf dem Weg zu Netto-null-Emissionen dar?

Ursula Finsterwald: Aus unserer Sicht ist der demografische Wandel ein zentraler Megatrend und somit integraler Bestandteil unserer langfristigen Nachhaltigkeits- und Anlagestrategie. Makroökonomisch gesehen schafft eine alternde Gesellschaft Anlagechancen in nachhaltige Technologien und energieeffiziente Systeme – weil ihr Fokus verstärkt auf Gesundheitsversorgung, Infrastruktur und Vorsorgelösungen liegt. Diese intensivierte Gesundheitsversorgung hat jedoch Folgen. Sowohl der Ressourcenverbrauch als auch die Kosten steigen. Das macht eine nachhaltige Transformation noch anspruchsvoller.

"LGT sieht den demografischen Wandel als zentralen Megatrend und somit als integralen Bestandteil ihrer langfristigen Nachhaltigkeits- und Anlagestrategie."

Deloitte: Die Alterung unserer Gesellschaft beeinflusst teilweise auch das Anlageverhalten, zum Beispiel da sich Anlagehorizonte verkürzen. Sind ältere Anleger aus Erfahrung der LGT stärker oder schwächer für nachhaltige Anlagen sensibilisiert?

Ursula Finsterwald: Wir sind vorsichtig mit Generalisierungen: Am Ende hat jede Kundin, jeder Kunde ganz eigene Bedürfnisse und Ziele. Ältere und jüngere Anlegerinnen und Anleger sind interessiert daran, ihre Portfolios mit ihren Werten in Einklang zu bringen. Was wir jedoch sagen können: Tendenziell unterscheidet sich die zugrundeliegende Motivation. Ältere legen häufig besonderen Wert auf Stabilität, Risikobewusstsein und den Werterhalt ihres Vermögens. Jüngere dagegen sind öfter bereit, mehr Risiko auf sich zu nehmen und beispielsweise auch im Bereich Private Equity Impact Investments zu tätigen.  

"Ältere und jüngere Anlegerinnen und Anleger sind interessiert daran, ihre Portfolios mit ihren Werten in Einklang zu bringen. "

Deloitte: Die Nachhaltigkeitsstrategie 2030 der LGT geht neben den ökologischen auch auf soziale Aspekte wie Chancengleichheit und Diversität ein. Welche konkreten Massnahmen ergreift LGT bezüglich der Altersdiversität in der Zusammensetzung von Teams?

Ursula Finsterwald: Wir legen Wert darauf, unsere Mitarbeitenden über ihre gesamte Karriere hinweg zu fördern. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen unterstützen wir mit stetigen fachlichen Weiterbildungen sowie in ihrer persönlichen Entwicklung – etwa durch unsere hauseigene «Liechtenstein Academy», die beispielsweise Kurse zur Vorbereitung auf die Pensionierung anbietet. Gleichzeitig würdigen wir langjährige Zugehörigkeit bewusst. Junge Talente fördern wir über den Berufseinstieg, sei dies durch Berufslehren in unterschiedlichen Abteilungen, Praktika oder Graduate-Programme. Ein wichtiger Hebel ist zudem das Recruiting: Wir achten bei Neueinstellungen auf eine gute Ergänzung für das Team – unser Ziel ist eine ausgewogene Mischung aus Erfahrung und frischen Perspektiven.

"LGT legt Wert darauf, ihre Mitarbeitenden über ihre gesamte Karriere hinweg zu fördern."

Deloitte: Einer der Grundgedanken der Nachhaltigkeit besteht darin, einen positiven Beitrag zur Welt zu leisten, damit unsere Nachkommen davon profitieren können. In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind die Geburtenraten in den meisten Ländern der Welt jedoch erheblich gesunken. Wird es aufgrund der schrumpfenden Gesellschaft zukünftig weniger wichtig sein, einen positiven Beitrag für die Nachwelt zu leisten?

Ursula Finsterwald: Nein – denn wir sind überzeugt: Nachhaltigkeit bedeutet langfristige Stabilität und eine lebenswerte Zukunft. Beides bleibt für echten Erfolg zentral, sowohl für uns als auch für unsere Nachfahren – ganz gleich, wie viele sie sind.

"Nachhaltigkeit bedeutet langfristige Stabilität und eine lebenswerte Zukunft."

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