Eine aktuelle Analyse von Deloitte zeigt, dass die 50 grössten kotierten Konzerne für das Jahr 2025 CHF 563,8 Millionen an Ergänzungssteuern im In- und Ausland zahlen werden. Das ist zwar eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass die vom Bundesrat erwarteten Mehreinnahmen von CHF 1,5 bis 3,5 Milliarden erzielt werden können. Gleichzeitig sind Unternehmen sowie Steuerbehörden angesichts der Komplexität der OECD-Mindeststeuer mit hohen Kosten konfrontiert. Deloitte kommt zum Schluss, dass eine nächste Unternehmenssteuerreform notwendig wird.
Die Ergänzungssteuern der grössten in der Schweiz kotierten Unternehmen sind gemäss den vorliegenden Geschäftsberichten von CHF 243,2 Millionen auf CHF 563,8 Millionen angewachsen – das entspricht einem Zuwachs von 132 Prozent gegenüber 2024. «Dieser Anstieg ist bemerkenswert. Allerdings dürfte der in der Schweiz verbleibende Anteil dieser Mehreinnahmen eher abnehmen», erklärt Thomas Hug, Partner Tax & Legal bei Deloitte Schweiz. Weitere Länder führten 2025 nationale Ergänzungssteuern ein, weshalb Schweizer Konzerne voraussichtlich dort – und nicht in der Schweiz – mehr zahlen werden. Bei gewissen Konzernen greifen zudem bestehende Übergangsvorschriften nicht mehr.
Die Ergänzungssteuern konzentrieren sich auf wenige Branchen: Pharma- und Finanzkonzerne tragen 90 Prozent der gesamten Ergänzungssteuern. Die zwei grössten Zahler steuern allein drei Viertel bei. Während 55 Prozent der analysierten Konzerne nicht oder nicht materiell betroffen sind, zahlen die restlichen 45 Prozent sehr unterschiedliche Beträge.
Aufgrund fehlender Daten zu Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne, die ebenfalls der OECD-Mindeststeuer unterliegen, kann noch keine abschliessende Beurteilung vorgenommen werden. Die Konzerne müssen bis am 30. Juni 2026 die Steuererklärung für das Jahr 2024 einreichen. Im Herbst sind erste Hinweise aus den Kantonen zu erwarten. «Aufgrund der verfügbaren Daten geht Deloitte aktuell davon aus, dass die Mehreinnahmen der Schweiz aus der OECD-Mindeststeuer eher tief ausfallen werden», erläutert Thomas Hug.
Der Bundesrat hat seine finanziellen Erwartungen an die OECD-Mindeststeuer für 2025 aufgrund der Einführung der internationalen Ergänzungssteuer von CHF 1 bis 2,5 Milliarden auf CHF 1,5 bis 3,5 Milliarden angehoben.
Die Entwicklungen in anderen relevanten Ländern sind eher gegenläufig: Das Vereinigte Königreich reduzierte seine erwarteten Steuereinnahmen von GBP 2,8 Milliarden auf GBP 1,6 Milliarden (43%). Die Niederlande korrigierten von EUR 466 Millionen auf EUR 346 Millionen (-25%). Ein wichtiger Grund ist die seit dem 1. Januar 2026 geltende Sonderbehandlung für US-Konzerne, welche die Schweizer Konzerne benachteiligt.
«Andere Länder haben ihre Erwartungen an die OECD-Mindeststeuer deutlich nach unten korrigiert. In der Schweiz wurde eine solch kritische Überprüfung bisher nicht offiziell vorgenommen», so Thomas Hug.
Ein zentrales Problem zeichnet sich ab: Die Konzerne tragen erhebliche Compliance-Kosten. Gleichzeitig fallen die Steuereinnahmen tief aus und ein signifikanter Anstieg scheint unsicher. Gemäss einer globalen Deloitte-Studie gehen 70 Prozent der von der OECD-Mindeststeuer betroffenen Konzerne von jährlichen Compliance-Kosten von über USD 0,5 Millionen aus, 25 Prozent sogar von über USD 1 Million. Auch die Steuerbehörden sind mit steigenden Kosten konfrontiert und verschiedene Kantone haben zusätzliches Personal rekrutiert, wie Deloitte in bilateralen Gesprächen mit kantonalen Steuerverwaltungen erfahren hat.
«Die Kosten der Konzerne für Compliance und der Behörden für deren Umsetzung stehen in einem Missverhältnis zu den Einnahmen der OECD-Mindeststeuer», betont Thomas Hug. «Die Wirtschaft und der Staat investieren erhebliche Ressourcen in ein System, das weniger Ertrag bringt als erwartet. Das ist ein strukturelles Problem, das nicht ignoriert werden kann.»
Während die Kantone die Einnahmen aus der ordentlichen Gewinnsteuer behalten können (vorbehältlich der Abgaben in den Finanzausgleich), müssen sie 25 Prozent der Ergänzungssteuern, die aus der OECD-Mindeststeuer resultieren, an den Bund abliefern. Mehrere Kantone haben auf diese Auswirkung der OECD-Mindeststeuer mit Steuersatzerhöhungen reagiert. Auch wurden neue Subventionsprogramme für Forschung, Entwicklung und Innovation eingeführt – oder sind in Planung.
«Die Kantone reagieren zwar rational auf die Schweizer Spielregeln der OECD-Mindeststeuer», erklärt Thomas Hug. «Allerdings widersprechen Subventionen der ordnungspolitischen Tradition in der Schweiz.»
Obwohl die Einnahmen aller Voraussicht nach weiterhin unter den Erwartungen bleiben, wird die OECD-Mindeststeuer kaum verschwinden. Die EU und die meisten anderen teilnehmenden Länder dürften daran festhalten, nicht zuletzt wegen der hohen Verschuldung dieser Staaten. Allerdings wird die Kritik hierzulande nicht verstummen – im Gegenteil: Die Kombination aus hohen Compliance-Kosten, tiefen Einnahmen und Ungleichbehandlung gegenüber US-Konzernen belastet den Wirtschaftsstandort Schweiz. Bund und Kantone sind gefordert, mit entsprechenden Massnahmen die wirtschaftliche Attraktivität sicherzustellen.
Deloitte sieht daher die Notwendigkeit einer Unternehmenssteuerreform IV. «Die geplante Überführung der Verordnung zur Mindestbesteuerung in ein Bundesgesetz könnte die Basis für eine Unternehmenssteuerreform IV schaffen», erklärt Thomas Hug. «Ohne Reform wird die Schweiz schleichend an Attraktivität verlieren – nicht durch Massenabwanderungen, sondern dadurch, dass neue Stellen zunehmend im Ausland angesiedelt werden und sich auch Investitionen verlagern.»
Die «OECD Minimum Tax Impact Analysis 2026» analysiert die Auswirkungen der OECD-Mindeststeuer auf die 50 grössten börsenkotierten Schweizer Konzerne für das Geschäftsjahr 2025. Die Studie basiert auf einer Auswertung der publizierten Geschäftsberichte mit Vorschriften zur OECD-Mindeststeuer. Insgesamt konnten 46 Konzerne analysiert werden, individuelle Angaben finden sich in der Präsentation. Aufgrund fehlender öffentlich verfügbarer Daten können privat gehaltene Schweizer Konzerne und Schweizer Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne nicht analysiert werden.
Deloitte bietet integrierte Dienstleistungen in den Bereichen Audit & Assurance, Tax & Legal, Strategy, Risk & Transactions Advisory und Technology & Transformation. Mit rund 2’500 Mitarbeitenden an sechs Standorten in Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano und Zürich (Hauptsitz) betreut Deloitte Unternehmen und Organisationen aller Rechtsformen und Grössen aus allen Branchen in der Schweiz.
Unsere Mitarbeitenden erzielen messbare und nachhaltige Ergebnisse, die dazu beitragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Kapitalmärkte zu stärken, und es unserer Kundschaft ermöglichen, sich weiterzuentwickeln und erfolgreich zu sein. Aufbauend auf ihrer über 180-jährigen Geschichte ist Deloitte in mehr als 150 Ländern und Gebieten vertreten und beschäftigt weltweit rund 470’000 Fachkräfte.
Hinweis für Redakteure
«Deloitte» bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu Limited («DTTL»), ihr globales Netzwerk aus Mitgliedsunternehmen und verbundenen Unternehmen (zusammen die «Deloitte Organisation»). DTTL, ihre Mitglieds- und verbundenen Unternehmen sind rechtlich selbstständige und unabhängige Unternehmen, die sich gegenüber Dritten nicht gegenseitig verpflichten oder binden können. DTTL, ihre Mitglieds- und verbundenen Unternehmen haften ausschliesslich für ihre eigenen Handlungen und Unterlassungen. DTTL erbringt selbst keine Dienstleistungen gegenüber Kundinnen und Kunden. Weitere Informationen finden Sie unter www.deloitte.com/ch/about.
Deloitte AG ist eine von der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) und der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) zugelassene und beaufsichtigte Revisionsgesellschaft.
Die Informationen in dieser Pressemitteilung waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung korrekt.
Pressekontakt(e):
Michael Wiget
Leiter Externe Kommunikation
Tel: +41 58 279 70 50
mwiget@deloitte.ch
Kevin Capellini
Spezialist für externe Kommunikation
Telefon: +41 58 279 59 74
kcapellini@deloitte.ch