Künstliche Intelligenz in der Fertigung hat die Experimentierphase hinter sich gelassen. Unsere Studie basiert auf einer quantitativen Umfrage unter mehr als 140 Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie. Sie deckt verschiedene Branchen, Regionen und Unternehmensgrössen ab. Hersteller, die KI als Hebel für operative Transformation und nicht nur als technologische Neuerung betrachten, sind hinsichtlich der Optimierung von Durchsatz, Qualität, Kosten und Widerstandsfähigkeit besser aufgestellt. Diese Studie zeigt auf, in welchen Bereichen KI die grösste Wirkung erzielt, was einer breiteren Einführung von KI noch im Weg steht und welche Schritte Führungskräfte als Nächstes ergreifen sollten.
Die Umfrage «KI in der Fertigung» bestätigt, dass der Markt sich eindeutig wandelt: KI wird nicht mehr in erster Linie auf ihre technische Einsatzfähigkeit hin getestet. Sie schafft bereits einen operativen Mehrwert. Rund 84 Prozent der Befragten geben an, dass KI in ihren Betriebsabläufen einen messbaren Mehrwert generiert; das durchschnittliche Verbesserungspotenzial bei den wichtigsten betrieblichen KPIs wird mit rund 20 Prozent beziffert.
Die gleichen Daten deuten jedoch auf eine strukturelle Umsetzungslücke hin. Zwar haben viele Unternehmen ihre ersten Anwendungsfälle bereits in den Live-Betrieb überführt, doch wurde nur etwa jeder fünfte Anwendungsfall standortübergreifend oder unternehmensweit konsequent skaliert. Mit anderen Worten: Die meisten Hersteller haben bewiesen, dass KI funktionieren kann – weitaus weniger haben jedoch die erforderlichen Voraussetzungen geschaffen, um sie im industriellen Massstab einzusetzen.
Das macht einen wichtigen Unterschied, da sich der Wettbewerbsvorteil derzeit verlagert. Die Frage ist nicht mehr, wer die meisten KI-Pilotprojekte durchführt – die Frage ist, wer erfolgreiche Anwendungsfälle über Geschäftsbereiche, Produktionsstätten und Regionen hinweg mit einheitlicher Leistung, Governance und Akzeptanz replizieren kann.
Der Einsatz von KI ist entlang der Wertschöpfungskette in der Fertigung nicht gleichmässig verteilt. Die Akzeptanz ist in den Bereichen am grössten, in denen es zahlreiche Prozesssignale gibt, die Ergebnisse messbar sind und die operative Zuständigkeit klar definiert ist. In der Umfrage liegt das Qualitätsmanagement mit 62 Prozent an der Spitze, gefolgt von der Produktion mit 57 Prozent und der Logistik/Lieferkette mit 49 Prozent.
Dieses Muster ist wirtschaftlich sinnvoll. Diese Bereiche bieten:
Auch der Technologiemix wird immer vielfältiger. Die befragten Unternehmen geben an, Machine Learning / Deep Learning (42%), GenAI und Agentic AI (40%) sowie Physical AI / Closed-Loop-Systeme (18%) zu nutzen. Dies deutet darauf hin, dass sich der Markt von isolierten Analysen hin zu einer KI entwickelt, die in zunehmendem Mass die Entscheidungsfindung, die Automatisierung und die direkte Interaktion mit Produktionsumgebungen unterstützt.
Die Ergebnisse zeigen, dass KI den grössten Mehrwert bei Fertigungsprozessen generiert, die eine hohe Variabilität, zahlreiche interaktive Parameter und wesentliche betriebliche Auswirkungen aufweisen. Bei der diskreten Fertigung weist KI laut den Umfrageergebnissen das grösste Optimierungspotenzial bei der Montage (22%), der Primärformgebung (21%) und der Variabilität der Materialeigenschaften (19%) auf. Bei der Prozessfertigung liegt ihr grösstes Potenzial im Bereich der chemischen/physikalischen Umwandlung (32%), gefolgt von der Verpackung und Qualitätskontrolle (23%) und der Rezeptur und Endbearbeitung (19%).
Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Hersteller sollten KI nicht gleichmässig im gesamten Unternehmen einsetzen, sondern sich gezielt auf die wenigen Prozessbereiche konzentrieren, in denen Komplexität, Variabilität und geschäftlicher Nutzen am stärksten zusammenwirken.
Je mehr KI in produktionskritische Entscheidungsprozesse vordringt, desto eher betreffen die Hürden den operativen Bereich. Die am häufigsten genannten Herausforderungen bei der Umsetzung sind hohe Implementierungskosten (43%), mangelndes technisches Fachwissen (35%), Widerstände gegen Veränderungen (35%), Bedenken hinsichtlich der gesetzlichen Vorschriften und Compliance (34%) sowie Schwierigkeiten bezüglich der Datenverfügbarkeit oder -qualität (30%).
Gleichzeitig hängen die wahrgenommenen Risiken zunehmend mit der Zuverlässigkeit von KI im Live-Betrieb zusammen. 79 Prozent der Befragten nennen Risiken im Zusammenhang mit Betriebsstörungen, 51 Prozent Risiken in den Bereichen Cybersicherheit und Datenschutz, 29 Prozent hinsichtlich der Akzeptanz seitens der Nutzenden, 27 Prozent bei der Compliance und 15 Prozent hinsichtlich der Zuverlässigkeit von Systemen und Modellen.
Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die nächste Phase der KI-Einführung in der Fertigung weniger von der Leistung der Algorithmen als vielmehr von der industrietauglichen Umsetzung von KI abhängen wird, unter anderem von:
Die Umfrage zeigt drei strategische Prioritäten für Führungskräfte auf. Erstens: Erstellen Sie eine strukturierte Skalierungspipeline – vom Pilotprojekt über die Einführungsphase bis hin zum standortübergreifenden Rollout. Zweitens: Setzen Sie KI prioritär dort ein, wo die Datenvielfalt am grössten und die KPI-Wirkung am höchsten ist. Drittens: Gehen Sie über eine punktuelle Optimierung hinaus und streben Sie eine durchgängige Prozessoptimierung an – indem Sie Prognosen, Empfehlungen, Massnahmen und kontinuierliches Lernen operativ miteinander verknüpfen.