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David Kunau ist CIO und verfügt über umfassende Erfahrung in den Bereichen digitale Transformation, IT-Strategie, Cybersicherheit und Innovation, insbesondere in der Konsumgüterbranche sowie in B2B-Unternehmen mit starker Verbraucherorientierung. Er arbeitet eng mit Führungskräften zusammen, um Technologien auf strategische Ziele abzustimmen. Dabei fördert er operative Exzellenz, modernisiert IT-Fähigkeiten und ermöglicht Wachstum durch neue Technologien wie KI, Cloud und Datenanalyse. David ist für seinen pragmatischen Führungsstil bekannt und setzt seinen Schwerpunkt darauf, messbaren geschäftlichen Mehrwert zu schaffen, leistungsstarke globale Teams aufzubauen und eine Kultur der Innovation zu fördern.
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Deloitte: Sie haben in verschiedenen Unternehmen des CPG-Ökosystems gearbeitet. Wie hat sich die Rolle von Technologieverantwortlichen seit Beginn Ihrer Karriere verändert?
David Kunau: Einige Erwartungen an die Technologieführung sind zeitlos: die Gewährleistung eines widerstandsfähigen Geschäftsbetriebs, die Aufrechterhaltung hoher Sicherheit und der Betrieb gross angelegter Plattformen, die stabil und kosteneffizient sind. Darüber hinaus hat sich die Rolle jedoch dramatisch weiterentwickelt.
Heute müssen Technologieverantwortliche eng mit dem Geschäft selbst vernetzt sein – die Branche verstehen, Kundenerwartungen antizipieren und Wettbewerbsveränderungen immer einen Schritt voraus sein. Das Tempo des technologischen Wandels ist atemberaubend und bringt immer mehr Komplexität und ständige Umbrüche mit sich. Infolgedessen sind CIOs nicht mehr nur für die Bereitstellung von Technologie verantwortlich – sie sind Partner bei der strategischen Transformation.
Mehr denn je wird von Technologieverantwortlichen erwartet, dass sie die Richtung der Innovation vorhersehen, Unternehmen durch Unsicherheiten lotsen und dass sie das Unternehmen beraten, wie sie per Digitalisierung und KI-Betriebsabläufen Wachstum und Wettbewerbsvorteile grundlegend neugestalten können.
Deloitte: Was sind die wichtigsten Kompetenzen, über die CIOs heute verfügen muss?
David Kunau: Die Kernkompetenzen erfolgreicher CIOs decken sich weitgehend mit denen aller erfolgreichen Führungskräfte – doch die Intensität und Geschwindigkeit, mit der sie heute eingesetzt werden müssen, sind beispiellos.
CIOs müssen sicher im Umgang mit Ungewissheit sein, mutige Entscheidungen treffen können, ohne vollständige Klarheit über die Zukunft zu haben, und strategische Weichenstellungen vornehmen, die die Richtung des Unternehmens prägen können. Gleichzeitig ist ein tiefgreifendes Verständnis des Geschäfts absolut unerlässlich: Sie müssen das Unternehmen, seine Kunden, die Dynamik der Branche und das Wettbewerbsumfeld gut genug kennen, um sicherzustellen, dass Investitionen in Technologie tatsächlich Mehrwert schaffen.
Was sich am dramatischsten verändert hat, ist das Tempo des Wandels: Die Technologie entwickelt sich schneller denn je, und Führungskräfte müssen ihren Organisationen helfen, Unsicherheit anzunehmen, anstatt sie zu fürchten. Die Fähigkeit, Teams durch ständige Anpassung zu führen und dabei Klarheit, Zuversicht und Zielstrebigkeit zu bewahren, ist zu einer der prägenden Führungskompetenzen unserer Zeit geworden.
Deloitte: Worin sehen Sie die besonderen Stärken der Schweiz in der Technologielandschaft, und in welchen Bereichen laufen wir Gefahr, den Anschluss zu verlieren?
David Kunau: Ich würde nicht sagen, dass sich die Stärken der Schweiz allein auf die Technologie beschränken. Was die Schweiz wirklich auszeichnet, ist ihre Kultur der Exzellenz. Wir profitieren von wissenschaftlichen und technischen Hochschulen von Weltklasse, aber auch von einer tief verwurzelten Mentalität in Bezug auf Präzision, Qualität und Innovation. Dieses Streben nach Perfektion ist in der Schweizer Kultur verankert und überträgt sich ganz natürlich auf Technologie und Innovation.
Gleichzeitig kann es sich kein Land leisten, in dieser Branche selbstgefällig zu werden. Der Technologiesektor entwickelt sich so rasant, dass jede Nation ständig Gefahr läuft, den Anschluss zu verlieren. Das Spannende heute ist jedoch, dass der Zugang zu Technologie weitaus demokratischer geworden ist. Die wahren Chancen liegen nicht mehr nur darin, Technologie zu besitzen, sondern darin, Fähigkeiten kreativ zu kombinieren, um etwas Sinnvolles, Einzigartiges und Wirkungsvolles zu schaffen.
Deloitte: Wo wird KI Ihrer Meinung nach im Konsumgütersektor den grössten Einfluss haben?
David Kunau: Ob in konsumentenorientierten Unternehmen oder in B2B-Organisationen, die den Konsumgütersektor unterstützen – die Herausforderungen werden immer komplexer. Die regulatorischen Anforderungen verschärfen sich, die Rohstoffknappheit nimmt zu und die Präferenzen der Verbraucher ändern sich in beispiellosem Tempo.
KI hat das Potenzial, bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu einer transformativen Kraft zu werden. Sie kann menschliche Fähigkeiten ergänzen, Prozesse optimieren und neu gestalten, sowie die Entwicklung eigener Lösungen, die Wettbewerbsvorteile schaffen, beschleunigen.
Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch in der Fokussierung. Unternehmen müssen diszipliniert vorgehen und genau prüfen, wo KI tatsächlich einen bedeutenden Einfluss auf ihr Geschäft und ihre Branche haben kann. Eine zu breite Streuung der Investitionen birgt das Risiko, den Mehrwert und die Ergebnisse zu verwässern. Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die KI mit Klarheit, Zielstrebigkeit und strategischer Ausrichtung einsetzen.
Deloitte: Wie wichtig ist Vielfalt in Ihrem Führungsteam? Und welche Fähigkeiten und Kompetenzen werden in Zukunft entscheidend sein?
David Kunau: Vielfalt ist von grundlegender Bedeutung – und wird es immer bleiben. Die Stärke eines jeden Führungsteams beruht auf der Vielfalt der Perspektiven, Erfahrungen und Denkweisen, die die einzelnen Mitglieder einbringen. Ob es sich nun um Vielfalt in Bezug auf Geschlecht, Kultur, Branchenhintergrund oder Fachwissen handelt: Vielfältige Teams sorgen durchweg für mehr Kreativität, stärkere Innovation und bessere Entscheidungsfindung.
Doch Vielfalt allein reicht nicht aus. Leistungsstarke Führungsteams benötigen zudem ein gemeinsames Zielbewusstsein und gemeinsame Werte mit klaren Ambitionen und Zielsetzungen.
Zukünftig wird Anpassungsfähigkeit eine der wichtigsten Fähigkeiten für Führungskräfte und für Organisationen sein. Die Zukunft gehört denen, die kontinuierlich lernen, sich schnell weiterentwickeln, Unsicherheiten annehmen und Veränderungen in Chancen verwandeln können.
Deloitte: Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Technologielandschaft und die Rolle von CIOs in den nächsten drei bis fünf Jahren entwickeln, und welche grossen Herausforderungen erwarten Sie?
David Kunau: Die Technologielandschaft wird sich weiter fragmentieren und immer schneller entwickeln, insbesondere durch die rasante Ausbreitung digitaler Plattformen, KI-Ökosysteme, autonomer Agenten und schliesslich auch physischer KI. In diesem Umfeld wird es noch wichtiger sein, die Kohärenz in der Technologielandschaft aufrechtzuerhalten – also Konnektivität, Cybersicherheit, Governance und Datenintegrität zu gewährleisten.
Gleichzeitig verändert die Kommodifizierung von Code die Art und Weise, wie Technologie entwickelt und genutzt wird, grundlegend. Dies schafft zwar enorme Chancen hinsichtlich Geschwindigkeit und Zugänglichkeit, bringt aber auch neue Risiken in Bezug auf Qualität, Architektur und langfristige Nachhaltigkeit mit sich.
Für CIOs wird die Herausforderung zunehmend in der Vorausschau und im Urteilsvermögen liegen. Das Tempo neuer Innovationen nimmt derart zu, dass es strategische Weitsicht und enorme Agilität erfordern wird, die richtige technologische Ausrichtung zu ermitteln, die geschäftlichen Auswirkungen abzusehen und klare Empfehlungen an die Geschäftsleitung abzugeben.