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Die FINMA setzt neue Massstäbe: Schweizer Finanzinstitute müssen jetzt vom Bewusstsein ins konkrete Handeln kommen.
Quantencomputing stellt eine unmittelbare kryptografische Bedrohung für Finanzinstitute dar. Quantencomputer mit ausreichender Rechenleistung werden die heute gängige Public-Key-Kryptografie (PKC) untergraben, die eine Vielzahl wichtiger Anwendungen absichert, darunter die digitale Kommunikation, die elektronische Signatur von Dokumenten, die Überprüfung der Softwareintegrität und den Schutz gespeicherter sensibler Daten.
Kryptografisch relevante Quantencomputer sind zwar noch nicht auf dem Markt, doch bereits heute bestehen damit verbundene Risiken. Die FINMA-Aufsichtsmitteilung 05/2026 hebt insbesondere «Harvest Now, Decrypt Later»-Angriffe (HNDL) hervor, bei denen verschlüsselte Daten bereits heute gesammelt und erst in Zukunft entschlüsselt werden, sobald die Quanteninformatik ausgereift ist. HNDL ist jedoch nicht das einzige Problem für Finanzinstitute. Quantenbasierte Angriffe gefährden nicht nur die Vertraulichkeit als Sicherheitseigenschaft, sondern auch die Eigenschaften Integrität, Authentizität und Nichtabstreitbarkeit.
Der Übergang zur quantensicheren Kryptografie wird als komplexes Unterfangen mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die FINMA-Aufsichtsmitteilung 05/2026 verdeutlicht diesen Punkt durch die Einführung des Konzepts der «Krypto-Agilität», das über die Post-Quanten-Kryptografie (PQC) hinausgeht. Krypto-Agilität ist die Fähigkeit, kryptografische Algorithmen, Parameter und Implementierungen effizient zu ersetzen, wenn sich Risiken, Standards oder geschäftliche Anforderungen ändern. Allerdings wird es aufgrund der Komplexität heterogener Technologielandschaften einige Zeit dauern, bis ein ausreichendes Mass an Krypto-Agilität erreicht ist.
Wie in der FINMA-Aufsichtsmitteilung 05/2026 dargelegt, sind sich die Schweizer Finanzinstitute der quantenbezogenen Cybersicherheitsrisiken bewusst. Viele stehen jedoch noch am Anfang, wenn es darum geht, aus diesem Bewusstsein konkrete Massnahmen abzuleiten. Der Übergang zur quantensicheren Kryptografie ist komplex und zeitaufwendig – genau deshalb sollten Finanzinstitute bereits jetzt damit beginnen, wirkungsvolle Massnahmen nach Risikograd zu priorisieren und die für eine nachhaltige kryptografische Resilienz erforderlichen Fähigkeiten zu entwickeln.
Warum Krypto-Agilität bereits heute wichtig ist: Unabhängig von der Post-Quanten-Bedrohung gewinnt die Fähigkeit, Kryptografie schnell anzupassen, zunehmend an Bedeutung, da künstliche Intelligenz (KI) die Entdeckung und Ausnutzung von Sicherheitslücken in Software beschleunigt, einschliesslich anfälliger Implementierungen kryptografischer Algorithmen. Nur krypto-agile Organisationen sind in der Lage, kryptografische Risiken rasch zu erkennen, zu bewerten und zu beheben. Bei nicht krypto-agilen Organisationen kann die Behebung solcher Risiken bis zu mehreren Jahren dauern, wie im Falle der SHA-1-Umstellung beobachtet wurde.
Eine Umfrage der FINMA unter 60 Schweizer Finanzinstituten deckt eine kritische Lücke auf: Zwar sind sich die meisten Finanzinstitute quantenbezogener Cyberrisiken bewusst, doch nur wenige haben dieses Bewusstsein in konkrete Massnahmen umgesetzt. Nur 8 Prozent verfügen über eine konkrete Roadmap, und die FINMA erwartet von den Finanzinstituten, dass sie diese Lücke bis spätestens Mitte 2027 schliessen. Im Folgenden werden auf der Grundlage der Empfehlungen der FINMA fünf wesentliche Massnahmen vorgeschlagen, die jeweils darlegen, was Finanzinstitute bei der Entwicklung einer kryptografischen Resilienz berücksichtigen sollten, die nicht nur die Bedrohungen durch Post-Quanten-Computing abdeckt.
Der erste Schritt eines Post-Quanten-Programms besteht darin, sich einen Überblick über die aktuelle Situation des Finanzinstituts zu verschaffen, indem «diagnostische» Fragen beantwortet werden, anhand derer sich der am besten geeignete Weg ermitteln lässt.
Beispiele für Fragen:
Die Antworten geben Aufschluss darüber, welcher der beiden unten aufgeführten Wege für eine bestimmte Organisation am besten geeignet ist.
Die Post-Quanten-Kryptografie (PQC) ist ein technisches Thema, das ein umfassendes Verständnis der damit verbundenen Risiken erfordert. Die FINMA-Umfrage ergab, dass sich zwar die meisten Finanzinstitute der Bedrohung durch Quanteninformatik bewusst sind, jedoch nur wenige dieses Bewusstsein in konkrete Massnahmen umgesetzt haben, um kryptografische Resilienz zu erreichen. Die FINMA-Aufsichtsmitteilung schliesst diese Lücke, indem sie fünf Empfehlungsbereiche aufzeigt, die das Engagement der Aufsichtsbehörden für einen sicheren und strukturierten Übergang in das Post-Quanten-Zeitalter zum Ausdruck bringen.
Für einen sichereren Übergang geht es vor allem darum, einen besseren Überblick darüber zu gewinnen, wo Kryptografie zum Einsatz kommt, sowie darum, Krypto-Agilität zu ermöglichen. Die Möglichkeit, kryptografische Algorithmen, Parameter und Implementierungen effizient zu ersetzen, ist bereits heute von grossem Wert, da Finanzinstitute aufgrund der KI-gestützten Erkennung von Sicherheitslücken gefordert sind, diese schneller zu finden und zu beheben.
Finanzinstitute, die frühzeitig mit der Umstellung auf Post-Quanten-Sicherheit beginnen, können die entsprechenden Anforderungen besser in ihre regulären Veränderungszyklen integrieren und so eine spätere, einschneidende und kostspielige Quantenmigration vermeiden.