Die zentrale Erkenntnis
Cybersicherheit wird im Zeitalter der künstlichen Intelligenz zu einem entscheidenden Wettbewerbs- und Resilienzfaktor.
Organisationen, die jetzt konsequent in Risikobewusstsein, moderne Sicherheitsarchitekturen, organisatorische Resilienz und partnerschaftliche Zusammenarbeit investieren, schaffen die Voraussetzungen, um auch in einem zunehmend dynamischen Bedrohungsumfeld nachhaltig erfolgreich zu bleiben.
Cyberangriffe werden schneller, skalierbarer und intelligenter. Künstliche Intelligenz (KI) beschleunigt Angriffe noch zusätzlich. Doch während die Bedrohungslage steigt, hinken Schweizer KMU bei der Abwehr in drei kritischen Bereichen hinterher.
Eine repräsentative Deloitte-Studie zeigt ein beunruhigendes Bild: 49% der Mitarbeitenden haben in den letzten drei Monaten einen ernsten Cybervorfall erlebt – aber nur 22% schätzen das Risiko als hoch ein. Diese Wahrnehmungslücke ist besonders bei Mikrounternehmen ausgeprägt: Dort berichten 38% von Vorfällen, doch nur 15% sehen ein hohes Risiko.
Cyberbedrohungen sind universell geworden. Phishing trifft Unternehmen jeder Grösse – mit 25% ist es die häufigste wahrgenommene Bedrohung, unabhängig von Unternehmensgrösse. Skalierbare Angriffe über E-Mail, kompromittierte Zugangsdaten und manipulierte Zahlungsprozesse machen auch kleine Unternehmen verwundbar, eine Verwundbarkeit, die von vielen noch immer unterschätzt wird.
Der Deloitte KMU-Cybersicherheitsindex misst die Verbreitung von sechs elementaren Sicherheitsmassnahmen und liegt bei durchschnittlich 58 von 100 Punkten. Das bedeutet: Im Durchschnitt sind Sicherheitsmassnahmen nur zu 58% umgesetzt.
Die wichtigsten Lücken zeigen sich bei modernen Authentifizierungsmethoden:
Besonders Mikrounternehmen fallen zurück: Sie erreichen nur 44 Punkte im Index. Schulungen sind bei ihnen mit 32% deutlich weniger verbreitet als bei mittleren Unternehmen (82%). Phishing-Tests führen nur 24% der Mikrounternehmen durch – während es bei mittleren Unternehmen 63% sind.
Doch wo Massnahmen vorhanden sind, wirken sie: 88% der Befragten, deren Unternehmen E-Mail-Warnhinweise einsetzen, bewerten diese als hilfreich.
Cyberversicherungen wachsen – aber nicht schnell genug. Gemäss dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV sind mit 72’000 Policen nur11.5% der in der Schweiz domizilierten Unternehmen versichert. Die Versicherungslücke ist besonders bei Mikro- und kleinen Unternehmen ausgeprägt.
Das ist paradox: Gerade kleine Unternehmen können von Cyberschäden relativ zu ihrem Umsatz am stärksten betroffen sein – doch sie sind am wenigsten versichert. Die Gründe sind vielfältig:
Die Cyberbedrohungslage hat sich grundlegend verändert. Angriffe werden schneller und skalierbarer. Drei Faktoren verstärken sich gegenseitig:
Für Unternehmen bleibt nur ein enges Zeitfenster, um die technologische Resilienz sicherzustellen.
Handlungsoptionen für den Bund, Unternehmen und Versicherer
Die Deloitte-Studie «Unterschätzt, ungeschützt, unterversichert: KMU-Cyberrisiken in der Schweiz» basiert auf einer repräsentativen Onlineumfrage von 924 Arbeitnehmenden, die für Schweizer Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden tätig sind und beruflich am Computer arbeiten. Die Umfrage wurde im April 2026 durchgeführt. Ergänzend wurden im Juni und Juli 2026 Gespräche mit Cyberexperten von Versicherungen geführt. Als KMU gelten gemäss Klassifizierung des Bundesamts für Statistik Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitenden.
Referenzen
1 Cybersecurity Ventures (2025), 2025 Cybersecurity Almanac: 100 Facts, Figures, Predictions And Statistics,
https://cybersecurityventures.com/cybersecurity-almanac-2025/
2 CrowdStrike (2026), Global Threat Report 2026, https://www.crowdstrike.com/en-us/global-threat-report/
3 MuleSoft (o. J.), Legacy applications can be revitalized with APIs, https://www.mulesoft.com/legacy-system-modernization/legacy-application