Zum Hauptinhalt springen

Urban Mining - Strategische Rohstoffe aus dem Schweizer Kehrichtsack

Wie Unternehmen Metalle aus dem Schweizer Kehrichtsack rezyklieren und wieso das Sinn macht

Der Bedarf nach strategischen Rohstoffen wie Alu, Kupfer und Silber steigt durch die Digitalisierung und Elektrifizierung. Die Schweiz ist auf wenige exportierende Länder angewiesen, welche Versorgungsrisiken bergen. Um diese Abhängigkeit zu reduzieren, sollten diese Metalle nicht verschwendet werden. Trotzdem landen sie teilweise weiterhin auf der Deponie. Um dem entgegenzuwirken, rezyklieren Schweizer Urban Mining Unternehmen jährlich 100'000 Tonnen Metalle aus der Schlacke der Kehrichtverbrennungsanlagen. Das reduziert die Importabhängigkeit, Umweltbelastung, und Deponiemengen.

Die Schweizer Abhängigkeit strategischer Rohstoffe

Mit dem Ausbau erneuerbaren Energien, der Digitalisierung (insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz), und der für den Klimaschutz essenziellen Elektrifizierung von Bereichen wie der Mobilität, ist die Nachfrage nach Metallen wie Stahl, Aluminium, Kupfer, Gold und Silber rasant gestiegen. Der Anstieg hält auch in Zukunft an.

Als Importland ist die Schweizer Wirtschaft von den wenigen exportierenden Ländern dieser strategischen Rohstoffe abhängig. Die Konzentration der Produktionsländer birgt durch Zölle und geopolitischen Spannungen Versorgungsrisiken. Risiken, für die die Schweiz Strategien entwickeln sollte, um diese Abhängigkeiten zu reduzieren.

Die Nachhaltigkeit des Primärbergbau

Der Primärbergbau bringt ökologische und soziale Auswirkungen mit sich, darunter die Schadstofffreisetzung, Wasserverbrauch, Entwaldung sowie prekäre Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen. Die Folgen belasten lokale Gemeinschaften und Ökosysteme, und reduzieren die Nachhaltigkeit globaler Lieferketten.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt die moderne Wirtschaft auf diese Rohstoffe angewiesen. Aufgrund der Versorgungs- und Reputationsrisiken sollten Hersteller in Energie- und Technologiesektoren resiliente und nachhaltige Lieferketten entwickeln. Zusätzlich ist ein verantwortungsvoller Umgang nötig, für Metalle die schon im Umlauf sind. Dies umfasst insbesondere auch eine Reduktion des Materialverbrauchs und verstärktes Recycling.

Die steigenden Abfallmengen der Schweiz

Obwohl das Recycling in der Schweiz im internationalen Vergleich gut umgesetzt wird, zählt sie zu einer der grössten Abfallproduzenten in Europa. Die steigende Abfallmenge und stagnierende Recyclingquote fordern nebst verstärkten Anstrengungen im Recycling auch weitere Schritte in Richtung einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaft.

Kehrichtschlacke: ein oft übersehener Rohstoffschatz

Trotz den hohen Recyclingraten landen weiterhin strategische Metalle in den Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA). Schweizweit wird die übrigbleibende «Schlacke» nach der KVA dem Urban Mining zugeführt wird, wo Metalle heraussortiert werden, bevor die Schlacke deponiert wird. Das reduziert das Deponievolumen, und verringert Schadstoffe in den Deponien.

Eine der Urban Mining Firmen in der Schweiz ist die DHZ AG, ansässig in Lufingen, Zürich. Sie führt den gesamten Urban-Mining-Prozess durch, von der Separierung der Metalle aus der Schlacke, der Endlagerung der verbleibenden Schlacke auf ihrer Deponie, und dem Verkauf der Metalle an Schmelzhütten, darunter Swiss Steel, Raffmetal und Aurubis. So kehren die wiedergewonnenen Metalle zurück in die Industrie. Insgesamt werden so 19 verschiedene Metalle sortenrein zurückgewonnen. Schweizweit holt die Urban Mining Branche jährlich ca. 100’000 Tonnen Metalle aus der Schlacke, welche den Bedarf an Primärmetall aus dem Bergbau reduzieren. Ein Prozess, der der Nachhaltigkeit und der Versorgungssicherheit zugutekommt.

Nachhaltigkeit des Urban Mining

Ein Vergleich der Umweltbelastungspunkte (UBP) zeigt, dass Urban Mining gegenüber dem Primärbergbau eine viel bessere Umweltbilanz aufweist. Herkömmliches Recycling weist nochmals eine geringere Umweltbelastung auf als Urban Mining. Deshalb ist es sinnvoll, weiterhin möglichst viel konventionell zu rezyklieren und Urban Mining als letzte Auffangebene zu verwenden.

Überspringen zur Beschreibung

Umweltbelastung der Metallproduktion, pro Menge Metall, nach Metallherkunft

Umweltbelastungspunkte

Der Anteil am zurückgewonnenen Metall wird im Urban Mining durch technologische Fortschritte kontinuierlich verbessert. Obwohl heute schon 95% des Metallgehalts aus der Schlacke zurückgewonnen wird, verbleiben weitere Materialien ungenutzt in der deponierten Schlacke. Weiteres Potential bieten Erze, aus denen mehr Metalle gewonnen werden könnten, Glas, oder Mineralik wie Sand, das als Baustoff eingesetzt werden könnte. Wie diese in Zukunft ökonomisch, ökologisch und schadstofffrei in die Wirtschaft eingebracht werden können, ist Gegenstand von weiteren Studien.

Autoren

Fanden Sie dies hilfreich?

Vielen Dank für Ihr Feedback