Erfahren Sie, wie die im SMI Expanded gelisteten Unternehmen auf regulatorische Anforderungen und die Erwartungen der Stakeholder im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung reagieren. Diese Studie analysiert neue Trends, kritische Lücken und Verbesserungsmöglichkeiten in der Schweizer Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz entwickelt sich weiterhin rasant. Unternehmen reagieren auf regulatorischen Druck und Erwartungen der Interessengruppen. Zum 22. April dieses Jahres hatten 44 der 50 im SMI Expanded gelisteten Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht; diese analysieren wir in dieser Studie.
Ziel ist es, die wichtigsten Tendenzen in den offengelegten Informationen zu identifizieren und festzustellen, inwieweit die sich ständig weiterentwickelnden europäischen und schweizerischen Berichtsvorschriften die aktuellen Berichtspraktiken beeinflussen.
haben die integrierte Bericht-
erstattung eingeführt
haben doppelte Wesentlichkeits-
prüfungen durchgeführt
legen nun Pläne zur Klimawende offen
(ein Anstieg um 20% gegenüber dem Vorjahr)
Etwas mehr als die Hälfte, also 52%, der bewerteten Unternehmen, haben integrierte Berichte mit sowohl finanziellen als auch nicht-finanziellen Offenlegungen veröffentlicht, wobei die Nachhaltigkeitsinformationen oft in einem separaten Abschnitt zum Jahresbericht offengelegt werden. Im Durchschnitt enthalten integrierte Berichte 81 Seiten Nachhaltigkeitsberichterstattung, während eigenständige Nachhaltigkeitsberichte im Durchschnitt 101 Seiten umfassen.
Die europäischen Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS) wurden bisher nur begrenzt umgesetzt: Lediglich 14% der Unternehmen nutzen die ESRS als Rahmen für ihre Berichte. Das deutet darauf hin, dass bei der Umsetzung der strengeren Nachhaltigkeitsberichtspflichten in der EU noch Luft nach oben ist. Die Global Reporting Initiative (GRI) dominiert weiterhin: 59% der Unternehmen berichten gemäss GRI-Standards, 23% verwenden mehrere Berichtsrahmen. Mittlerweile nutzt jedes vierte Unternehmen das Rahmenwerk der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD). Ausschlaggebend dafür sind der zunehmende Druck seitens der Investorinnen und Investoren, neue regulatorische Anforderungen sowie die wachsende Erkenntnis, dass Abhängigkeiten von der Natur und naturbezogene Auswirkungen wesentliche finanzielle Risiken darstellen können.
Die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken in Unternehmensrisikomanagement-Rahmenwerke wird immer üblicher: Rund 50% der Unternehmen im SMI Expanded geben in ihrem Bericht an, dass sie ihre Materialitäts- bzw. Klimarisikoanalysen mit ihren Enterprise Risk Management (ERM)-Rahmenwerken abstimmen. Jedoch gibt es bei der Ausrichtung des ERM auf ESG-Materialitätsanalysen Unterschiede je nach Branche. Beispielsweise legt keines der im Finanzsektor aktiven ausgewerteten Unternehmen offen, dass seine Doppelte Materialitätsanalyse (DMA) auf ihrem ERM-Rahmen basiert. Allerdings haben 91% aller ausgewerteten Unternehmen bereits eine DMA durchgeführt, und die ESRS sind die am häufigsten verwendete Methodik für Materialitätsanalysen, mit rund 50% der Unternehmen, die hierzu die ESRS verwenden.
Die analysierten Themen in den einzelnen Unternehmen reichen von mindestens vier bis maximal 39. Klimawandel, Gesundheit und Sicherheit sowie Geschäftsverhalten erscheinen als Themen am häufigsten in den Berichten in allen Sektoren. Governance-Themen machen jedoch nur 11% der analysierten wesentlichen Themen aus. Hier besteht die Gefahr, dass bestehende Risiken möglicherweise übersehen wurden, und das Potential, Governance künftig als zentralen strategischen Schwerpunkt zu etablieren.
Cybersicherheit, Datenschutz und verantwortungsvoller Einsatz von KI sind heute zentrale Geschäftsprioritäten, mit sowohl Risiken als auch Chancen für Unternehmen. Darüber hinaus haben nur 36% der Unternehmen erfolgreich einen Frauenanteil im Vorstand von über 40% erreicht, ein Indiz für die nach wie vor bestehende Ungleichheit bei der Geschlechtervielfalt auf Führungsebene.
Nachhaltigkeitsleistung ist zunehmend in Vergütungsprogramme integriert, doch nur 23% haben sowohl kurzfristige als auch langfristige Vergütungsanreize im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitskennzahlen eingeführt.
Effektive Klimarisikoanalysen und glaubwürdige Übergangspläne basieren auf finanziell quantifizierten Auswirkungen. Seit der letztjährigen Benchmark-Studie hat die Zahl der Unternehmen zugenommen, die über die Integration ihrer Übergangspläne in die Finanzplanung berichten und die finanziellen Auswirkungen von Klimarisiken offenlegen. Doch eine bedeutende Lücke bleibt bestehen: Die meisten Unternehmen sind noch nicht in der Lage, diese entscheidenden Informationen zu quantifizieren, oder sie veröffentlichen sie noch nicht.
Konkret legen 80% der Unternehmen keine finanziellen Quantifizierungen von Übergangsrisiken offen. Der gleiche Anteil versäumt es, die finanziellen Auswirkungen von Chancen im Zusammenhang mit dem Klimawandel offenzulegen. Das macht deutlich, dass es in allen sechs Branchen nach wie vor grosse Herausforderungen gibt, Klimarisiken und -chancen in messbare finanzielle Kennzahlen umzusetzen. Die finanzielle Quantifizierung von Risiken ist untrennbar mit der finanziellen Quantifizierung von Übergangsplänen verknüpft. Sie bietet Entscheidungsträgern und Investoren wesentliche Hinweise hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit einer Organisation gegenüber politischen Veränderungen und ihrer Bereitschaft zu Klimaschutzmassnahmen.
Achtzig Prozent der Unternehmen geben nun an, einen Übergangsplan zu haben – ein Anstieg von 20% gegenüber dem ersten Schweizer Benchmark des Vorjahres. Es besteht jedoch eine kritische Lücke: Nur 23% haben diese Übergangspläne in ihre Finanzplanung integriert1. Begrenzte finanzielle Informationen in Übergangsplänen deuten darauf hin, dass Klimastrategien nicht immer vollständig in die Geschäftsstrategien integriert sind. Ein Klimawandelplan wird jedoch erst dann wirklich glaubwürdig und nützlich für die Entscheidungsfindung, wenn er in den Geschäftsplanungsprozess eines Unternehmens eingebettet ist.
Wir beobachten aber auch erfreuliche Entwicklungen bei führenden Unternehmen. Vor allem in den Bereichen Energie, Ressourcen & Industrien (ERI) und Finanzdienstleistungen (FSI) nutzen diese die interne CO₂-Bepreisung aktiv für ihre Dekarbonisierungsbemühungen. Dieser proaktive Ansatz bei der praktischen Umsetzung des Klimaschutzes ist vielversprechend und bietet wertvolle Erkenntnisse für eine breitere Anwendung. Für weitere Einblicke, wie Branchenführer interne CO₂-Bepreisungstools praktisch einsetzen, lesen Sie bitte die vollständige Studie.
Die Schweizer Landschaft der Nachhaltigkeitsberichterstattung für das Geschäftsjahr 2025 zeigt Fortschritte in der Reife und dem Bekenntnis zur Transparenz, mit bemerkenswerten Fortschritten bei der Einführung integrierter Berichterstattung und doppelter Materialitätsanalyse. Es bestehen jedoch weiterhin erhebliche Lücken bei der Einführung von ESRS, der finanziellen Quantifizierung von Klimarisiken und -chancen sowie bei der Integration von Übergangsplänen in die Finanzplanung.
Zwar haben die meisten Unternehmen solide Governance-Rahmenwerke und nachhaltigkeitsgestützte Anreize eingeführt, doch die Unterrepräsentation von Governance-Themen in den Materialitätsanalysen könnte auf einen Bedarf für einen stärkeren Fokus auf diesen Bereich hinweisen. Andererseits zeigt die starke Akzeptanz von TCFD, kombiniert mit der weitverbreiteten Nutzung von ESG-Ratinganbietern, dass sich Schweizer Unternehmen trotz der Herausforderungen durch sich wandelnde regulatorische Anforderungen im Einklang mit ihren europäischen Pendants positionieren.
1 Als Beispiel können Unternehmen diese Integration demonstrieren, indem sie spezielle Budgets, spezifische Investitions- und Betriebsausgaben für Klimainitiativen detailliert darlegen und erklären, wie die interne CO₂-Bepreisung die Investitionskriterien beeinflusst (diese Liste ist nicht vollständig).