Konstante Veränderung ist Normalität im unternehmerischen Kontext. Das erfordert Flexibilität, ständige Anpassungsfähigkeit und Offenheit für Neues.
Die kontinuierliche Weiterentwicklung neuer Technologien verstärkt die Komplexität und erhöht die Geschwindigkeit der Veränderung. Folglich müssen Unternehmen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß flexibel auf Unvorhersehbares und auf neue Anforderungen reagieren.
Das bringt Agilität ins Rampenlicht, denn Agilität bedeutet Wendigkeit. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob ein Unternehmen agiler werden muss, sondern wie es das werden kann.
Somit fragen sich viele Führungskräfte, wie sie ihre Teams an agilere Arbeitsweisen heranführen können. Die Überlegungen drehen sich dabei oft darum, wie sich die Teams verändern müssen: Welche Rollen brauchen wir im Team? Wie werden wir planen und Prioritäten setzen? Welche Werkzeuge werden wir brauchen und welche Prozesse müssen wir unseren Teams beibringen?
All dies sind in der Tat sehr berechtigte Fragen, aber alle Bemühungen sind sehr schnell zum Scheitern verurteilt, wenn es kein unterstützendes Führungsteam gibt, das ein Umfeld schafft, in dem agile Werte und Prinzipien gedeihen können.
Die Verlockung ist groß, sich auf Tools und Prozesse und die Art und Weise zu konzentrieren, wie die Teams selbst die Arbeit erledigen, denn das sind oft die einfachsten Dinge, die sich auch am schnellsten ändern lassen. Viel schwieriger ist es oft für diejenigen, die diese Teams leiten, ihre eigenen Denkprozesse und Überzeugungen darüber, wie man Agilität erreichen kann, grundlegend zu hinterfragen.
Viel zu oft wird Agilität nur als eine Methode gesehen, mit der die Umsetzung effizienter gesteuert werden kann. Aber agil ist kein Substantiv, es ist ein Adjektiv. Agil ist nicht etwas, das man verwenden oder anwenden kann, man „macht" oder „benutzt" Agilität nicht. Vielmehr kann man agil „sein", es ist eine Geisteshaltung.
Wenn wir agil sind, erkennen wir an, dass wir vielleicht nicht wissen, wie die Lösung letztendlich aussehen wird und akzeptieren die Ungewissheit, denn sie ist völlig natürlich. Das kann sich ziemlich widersprüchlich zur traditionellen Rolle einer Führungskraft anfühlen, die es gewohnt ist, das Ruder in die Hand zu nehmen und für jedes Problem die richtige Lösung zu haben.
Ein grundlegender Schritt zur effektiven agilen Führung ist das Infragestellen der eigenen Haltung.
Der wahre Wert der Agilität besteht darin, Resilienz und Wendigkeit der Organisation zu stärken und nicht darin, Produktivitätsprobleme zu beheben.
Die Anwendung agiler Methoden bedeutet noch nicht, mit agilem Mindset zu handeln. Mindset ist eine Einstellung, eine Haltung, eine Denkweise.
Wirksame agile Führung beginnt mit der Bereitschaft zur Reflexion und bedeutet oft Loslassen; sie konzentriert sich auf die Vision und auf die Schaffung eines Umfelds, in dem sich eigenverantwortliche Teams entfalten und gemeinsam neue Lösungen entwickeln können. Führungspersönlichkeiten unterstützen dabei, sie vertrauen und sie sind bestrebt, Hindernisse zu beseitigen, und sie befähigen ihre Teams anders zu denken, anders zu handeln, anders zu interagieren.