Jedes Quartal rückt Reto Savoia, CEO Deloitte Schweiz, aktuelle Themen in den Vordergrund. Er spricht über die Schweizer Wirtschaft und erläutert, wo er innerhalb des Unternehmens den nächsten Schwerpunkt setzt. Reto Savoia schaut zurück auf Ereignisse, die ihn beeindruckt haben, und wir bitten ihn, sich zwischen zwei Dingen zu entscheiden, ohne viele Worte zu verlieren. Jedes Quartal aufs Neue!
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Welche aktuelle Herausforderung für die Schweizer Wirtschaft steht für dich in den kommenden drei Monaten im Vordergrund?
Die geopolitischen Entwicklungen sind nach wie vor das dominante Thema. Sie sind stark im Flux, was Form, Fokus, involvierte Parteien und Intensität angeht. Aber die faktische Wirkung auf die Wirtschaft ist belastend: Lieferkettenunterbrüche, unsichere Energie- und Rohstoffversorgung, angedrohte oder neue Zölle, nichttarifäre Handelshemmnisse und dergleichen schüren die Unsicherheit und hemmen Investitionen. Wegen der Bedrohungslage, die sich dauernd ändert, haben die Länder denn auch Mühe, eine konsistente Strategie zu entwickeln und wirksam zu reagieren.
Für die Schweiz ist das besonders herausfordernd, insbesondere, da unsere Volkswirtschaft stark exportorientiert ist und wir keinen grossen Binnenmarkt haben. Die jüngste Konjunkturprognose des Seco, die für 2026 ein Wachstum von 1.0% prognostiziert, spricht denn auch von einem unterdurchschnittlichen Wachstum.
Entsprechend müssen wir bemüht sein, alles zu tun, was in unserer eigenen Kompetenz steht, um die Resilienz, Reformfähigkeit und Innovationskraft unserer Wirtschaft zu stärken. Dazu gehören für mich dreierlei: Erstens das Anpacken längst überfälliger Reformen, etwa im Gesundheitswesen und in der Altersvorsorge. Zweitens das zügige Umsetzen angestossener Initiativen, etwa zur Sicherung der bilateralen Beziehungen zur EU, zur Sanierung des Finanzhaushalts des Bundes und zur Stärkung unserer Sicherheit. Und drittens grosse Zurückhaltung, wenn es um neue Ausgaben und künftige Regulierungen geht, welche unsere Wirtschaft zusätzlich belasten und die Innovationskraft schwächen würden.
Welche Priorität steht für Deloitte Schweiz in den kommenden Monaten im Vordergrund?
Wir sind intensiv dabei, Solaria, unserer GenAI-Plattform, in allen Geschäftsbereichen und Mandaten zu integrieren. Dies ist keine blosse Technologie-Initiative; es stellt vielmehr einen grundlegenden Wandel dar, wie wir arbeiten und Wert generieren.
Wir haben die Lösung intern entwickelt und speziell auf unsere Prozesse und Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Im Gegensatz zu generischen KI-Tools integriert sich Solaria nahtlos in unsere bestehenden Arbeitsprozesse. Es vereint Dutzende von bestehenden, spezialisierten Anwendungen und treibt die Innovation voran.
Für unsere Mitarbeitenden ist Solaria schon jetzt zum ruhigen und blitzschnellen, kreativen und verlässlichen virtuellen Kollegen geworden, der sie – wo immer gewünscht – unterstützt. Das letzte Wort, das ist mir wichtig, hat aber auch in Zukunft immer der Mitarbeitende.
Welches jüngste Ereignis hat dich persönlich besonders beschäftigt oder beeindruckt?
Ich habe vor kurzem Vietnam bereist und war gleich mehrfach beeindruckt: über die hohe Dynamik und Energie des Landes, über den positiven «Vibe», verknüpft mit Stolz auf die eigene Geschichte, und über den starken sozialen Kitt in den Familien und in der Gesellschaft.
Was schaust du lieber: die Eishockey-WM im Mai in der Schweiz oder die Fussball-WM im Juni/Juli in den USA, Kanada und Mexiko?
Von klein auf verfolge ich mit grossem Interesse die Fussball-WM. Ich finde es faszinierend, die Emotionen zu spüren in einem Sport, der so weltumspannend populär ist. Schade ist nur, dass die Azzurris erneut nicht dabei sind.