Jedes Quartal rückt Reto Savoia, CEO Deloitte Schweiz, aktuelle Themen in den Vordergrund. Er spricht über die Schweizer Wirtschaft und erläutert, wo er innerhalb des Unternehmens den nächsten Schwerpunkt setzt. Reto Savoia schaut zurück auf Ereignisse, die ihn beeindruckt haben, und wir bitten ihn, sich zwischen zwei Dingen zu entscheiden, ohne viele Worte zu verlieren. Jedes Quartal aufs Neue!
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Welche aktuelle Herausforderung für die Schweizer Wirtschaft steht für dich in den kommenden drei Monaten im Vordergrund?
Gegen Ende letzten Jahres hat sich der Nebel in einigen zentralen Dossiers gelichtet, vor allem mit der Senkung der US-Zölle für die Schweizer Industrie von 39% auf 15%. Die Wirtschaftsprognosen für 2026 haben sich daraufhin leicht verbessert. Das Seco erwartete im Dezember ein reales BIP-Wachstum von 1,1 Prozent. Doch wie die jüngsten Entwicklungen gezeigt haben, könnte die Aufhellung an der Handelsfront auch nur eine Momentaufnahme sein.
Die Schweizer Wirtschaft braucht mehr Klarheit: Einerseits im Verhältnis zu unseren wichtigsten Handelspartnern, der Europäischen Union und den USA. Andererseits in Bereichen, wo wir uns aus eigener Kraft verbessern können: Ein gutes Beispiel ist der Entwurf zur Sicherheitspolitischen Strategie 2026. Darin zeichnet der Bundesrat relativ umfassend und offen die vielfältigen Risiken auf, denen sich unsere Wirtschaft und Gesellschaft gegenübersehen, und er leitet davon sachlich-nüchtern die nötigen Massnahmen ab, die es für eine umfassende Sicherheit braucht.
In diesem Jahr steht zudem die Frage im Zentrum, wie die Politik mit den Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz sowie aktuellen Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeit umgehen wird. Dabei gilt es, wichtige Errungenschaften zu sichern und gleichzeitig mit einer schlanken Regulierung sicherzustellen, dass wir intelligente Anreize setzen, kompetitiv bleiben und keine vielversprechenden Entwicklungen abwürgen.
Welche Priorität steht für Deloitte Schweiz in den kommenden Monaten im Vordergrund?
Da die Unsicherheit und Ungewissheit für unsere Kunden auf breiter Front andauern, werden wir auch in den nächsten Monaten stark gefordert sein, zusammen mit ihnen Wege aufzuzeigen, wie sich Etabliertes sichern, Unsicheres optimieren und Neues erschliessen bzw. entwickeln lässt.
Ebenfalls hochhalten werden wir die Eigeninitiative unserer Mitarbeitenden: Dazu gehört beispielsweise das Next Generation Board, wo sich rund ein Dutzend hochtalentierter Nachwuchskräfte zusammen mit mir regelmässig Gedanken macht über unternehmerische Kernthemen. Ebenso unsere firmeninternen «Interessengruppen», sog. Employee Resource Groups, die eine Vielzahl von strategischen und spezifischen Themen bearbeiten. Ein eindrückliches Beispiel ist die Gruppe «Defy», die sich um die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen kümmern. Diese Gruppe hat jüngst das Sponsoring von zwei Paralympischen Spitzensportlern angestossen: von Christophe Damas, einem Skirennfahrer, der aktuell um einen Startplatz an den Paralympischen Winterspielen in Milano Cortina kämpft, und von Licia Mussinelli, einer Rollstuhl-Leichtathletin, deren grosses Ziel die Sommer-Paralympics in Los Angeles 2028 sind.
Welches jüngste Ereignis hat dich persönlich besonders beschäftigt oder beeindruckt?
In den vergangenen Monaten hat mich insbesondere Indien fasziniert: Indien hat das Vereinigte Königreich beim Bruttosozialprodukt überholt, ist in die Top 5 der grössten Volkswirtschaften aufgestiegen und wird laut Prognosen in Kürze zu den Top 3 gehören. Wir haben intensive Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen aus Indien, und die positive Dynamik ist in vielerlei Hinsicht spürbar: digitale Transformation, Ausbau der Infrastruktur, starker Fokus auf zukunftsrelevante Ausbildung und die demographische Entwicklung, aber auch die enorme Vielfalt des Landes machen Indien äusserst spannend. Beeindruckend ist auch die Zahl von CXOs in globalen und vor allem technologieaffinen Unternehmen, die einen indischen Hintergrund haben.
Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele: lieber Ski Alpin oder Eishockey?
Ski Alpin: Es ist eine der ursprünglichsten aller Schweizer Sportarten und gleichzeitig high tech und psychologisch spannend. Wir haben einige der besten Skiläufer der Welt, die nicht nur technisch bestens ausgerüstet sind und physisch superfit, sondern auch mentale Superstars. Dazu kommen all die Erinnerungen seit meiner Kindheit an das Mitfiebern vor dem TV oder an der Piste.