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FMA Fakten, Trends und Strategien 2026

Die Aufsichts- und Prüfschwerpunkte 2026 im Blickpunkt

Der österreichische Finanzmarkt hat sich trotz anhaltender globaler Turbulenzen und dynamischer Marktentwicklungen als finanzstark und stabil erwiesen. Die Aufrechterhaltung dieser Widerstandsfähigkeit bleibt jedoch für alle Marktteilnehmer eine permanente und oftmals kaum zu bewältigende Kernaufgabe und birgt jede Menge an Herausforderungen. Diese liegen beispielsweise an sich stetig ändernden geopolitischen Spannungen und strukturellen Schlüsselrisiken, dem nach wie vor zu beobachtenden Anstieg notleidender Kredite infolge der Nachwirkungen von Inflation, Zinswende und Rezession, den strukturellen Risiken des Klimawandels, dem Neueintritt von Marktteilnehmern und digitalen Produkten und an dem nach wie vor ausgesprochen komplexen und oftmals nicht proportional eingesetzten regulatorischen Rahmenwerk.

Die FMA stellt sich diesen Herausforderungen und strebt gleichzeitig eine Vereinfachung und „Entbürokratisierung“ sowie effizientere Gestaltung der Regulatorik und der Aufsichtstätigkeit an. Damit sollen Ressourcen für neue Aufgaben und Risiken wie Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle, künstliche Intelligenz, Finanzbildung und Nachhaltigkeit bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der erforderlichen Resilienz geschaffen werden.
 

Aufsichts- und Prüfschwerpunkte 2026

Die Finanzmarktaufsichtsbehörde veröffentlichte am 10. Dezember 2025 ihre Aufsichts- und Prüfschwerpunkte für 2026, um zentrale Risiken und Herausforderungen der Finanzdienstleistungsindustrie weiterhin adäquat berücksichtigen und gegebenenfalls gegensteuern zu können. Die Schwerpunktthemen werden von der FMA in den folgenden sechs Leitplanken zusammenfassend wie folgt dargestellt:


1. Resilienz und Stabilität
2. Digitalisierung, KI und neue Geschäftsmodelle
3. Nachhaltigkeit
4. Kollektiver Verbraucherschutz
5. Geldwäsche und Sanktionen
6. Moderne und leistungsfähige Organisation

Resilienz und Stabilität

Angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten ist es Ziel der FMA, durch eine risikoorientierte, vorausschauende und integrierte Aufsicht die Resilienz und Krisenfestigkeit des österreichischen Finanzsektors (weiterhin) bestmöglich zu gewährleisten.


Für das Jahr 2026 hat die FMA dazu die folgenden Aufsichtsziele festgelegt:

  • Aufsicht und Regulierung 2.0: Gezielte Initiativen zur Effizienzsteigerung und Vereinfachung in ausgewählten Aufsichtsbereichen, um Institute risikoorientiert und proportional zu beaufsichtigen und nicht erforderliche Komplexität zu vermeiden;
  • IKT-Drittparteienrisiko: Vertiefung der Aufsicht über Risiken von IKT-Drittparteien und verstärkte Überwachung der regulatorischen Anforderungen, z.B. auch mittels Vor-Ort-Prüfungen – in enger Abstimmung mit den europäischen Aufsichtsbehörden;
  • Threat-Led Penetration Test (TLPT): Erster Test zur Bestimmung der Widerstandsfähigkeit gegen Cyberattacken bei einem Versicherungsunternehmen;
  • Geopolitische Risiken: Integration geopolitischer Risiken in die bestehenden Risikomanagementrahmen und Analyse der Auswirkungen auf Geschäftsmodelle, Liquidität und Kapitalausstattung, im Besonderen bei stark exponierten Instituten;
  • Immobilienrisiken: Im Fokus der FMA stehen hier bei Gewerbeimmobilien die Prüfung von NPL-Abbauplänen und bei privaten Wohnimmobilienkrediten die unabdingbare Solidität der Kreditvergabe;
  • Abwicklung: Erstmalige Durchführung des Resolvability Testing auf Grundlage von Mehrjahrestestprogrammen zur gezielten Verbesserung der Abwicklungsfähigkeit der Banken;
  • Vorbereitung auf neues Regime: Sicherstellung einer friktionsfreien Implementierung der neuen europäischen Vorgaben für Versicherer (IRRD) sowie des Solvency II Reviews ab 2027;
  • Europaweite Stresstests bei Zentralen Gegenparteien (CCPs): Aktive Beteiligung der FMA an europäischen Stresstests für zentrale Gegenparteien, um die Resilienz des Clearingsystems und der Marktinfrastruktur zu stärken;
  • Savings und Investment Union: aktive Projektbegleitung durch die FMA inklusive Analyse der Auswirkungen auf den österreichischen Kapitalmarkt;
Die von der FMA geplanten Fokusbereiche und Initiativen sind in Einklang mit europäischen Entwicklungen zur zielgerichteten Reduzierung der aufsichtlichen Komplexität und betonen die Bedeutung einer risikoorientierten und proportionalen Beaufsichtigung. Gleichzeitig muss die Resilienz des österreichischen Finanzsektors – auch unter Berücksichtigung des nach wie vor fragilen makroökonomischen Umfelds – weiterhin sichergestellt werden.

Dominik Damm | Deloitte Banking, Treasury & Capital Markets

Digitalisierung, KI und neue Geschäftsmodelle

Neue Technologien, digitale Assetklassen und KI-Systeme verändern den Finanzmarkt grundlegend, lassen neue Geschäftsmodelle entstehen und erhöhen die Anforderungen an Transparenz, Verantwortlichkeit und Risikomanagement. Die FMA will mit ihren Schwerpunkten ein „aufsichtliches Level Playing Field" sichern.


Die FMA setzt 2026 hierbei auf die folgenden Aufsichts- und Prüfungsschwerpunkte:

  • CASPs: Die FMA fokussiert auf den systematischen Aufbau einer risikobasierten integrierten Aufsicht im Bereich der Kryptowerte-Dienstleister (CASPs). Neben zahlreichen, derzeit laufenden Zulassungsverfahren liegt ein weiterer Schwerpunkt der FMA auch auf der laufenden operativen Beaufsichtigung dieser Marktteilnehmer. Wesentlich ist hier die Einhaltung und Sicherstellung von hochwertigen, am Geschäftsmodell orientierten Aufsichtsstandards und die Stärkung des Vertrauens in diese Märkte.
  • MiCAR/ZaDiG-Aufsicht: Die FMA implementiert auch in diesem Bereich ein integriertes Aufsichtsregime für CASPs und Zahlungsinstitute, um mögliche Doppelkonzessionen effizient zu bearbeiten und Rechtssicherheit zu schaffen.
  • Künstliche Intelligenz: Eine robuste KI-Governance und eine Einbettung von KI in das Risikomanagement der beaufsichtigten Unternehmen werden von der FMA als essenziell betrachtet und der konkrete Gebrauch von KI laufend erhoben.
Eine robuste KI-Governance und eine zeitnahe und adäquate Einbettung von KI in das Risikomanagement sind unabdingbar. Die FMA erwartet von beaufsichtigten Unternehmen nachvollziehbare, überprüfbare KI-Systeme – das schafft Vertrauen und sichert die Stabilität des Finanzmarktes.

Christa Janhsen | Deloitte Enterprise Risk

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Nachhaltigkeit

Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und der wachsenden Bedeutung nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen richtet die FMA ihren Aufsichtsfokus 2026 verstärkt auf die Bewältigung physischer und transitorischer Nachhaltigkeitsrisiken. Durch eine risikoorientierte und zukunftsgerichtete Aufsicht sollen Institute in ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber klimabedingten Entwicklungen gestärkt und beim Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft begleitet werden.

Für das Jahr 2026 setzt die FMA daher auf die folgenden Aufsichts- und Prüfungsschwerpunkte:

  • Transitionsplanung und physische Risiken: Unterstützung bei der Erstellung und Weiterentwicklung robuster Transitionspläne und der adäquaten Integration physischer Risiken aus z.B. Extremwetterereignissen, Klimaveränderungen und Biodiversitätsverlust in bestehende Risikomodelle, um eine adäquate Integration von Klimarisiken in die Gesamtbank(risiko)steuerung zu gewährleisten;
  • Greenwashing-Prävention: Intensivierung der Maßnahmen zur Verhinderung von Greenwashing auch durch Schwerpunktprüfungen der Nachhaltigkeitsberichte von Emittenten;
  • NATCAT-Risiken bei Versicherern: Verstärkte Überwachung der umfassenden Integration physischer Risiken in das Risikomanagement von Versicherungsunternehmen;
Eine adäquate Berücksichtigung physischer und transitorischer Nachhaltigkeitsrisiken und die sinnvolle qualitative wie quantitative Integration in das Gesamtrisikorahmenwerk stellt Banken und Versicherungsunternehmen vor große, wenngleich bewältigbare Herausforderungen. Mit den Aufsichtsschwerpunkten 2026 konkretisiert die FMA ihre Erwartungshaltung und bemüht sich, den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft aktiv und verantwortungsvoll mitzugestalten.

Dominik Damm | Deloitte Banking, Treasury & Capital Markets

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Kollektiver Verbraucherschutz

Die zunehmende Digitalisierung des Finanzmarktes, das rasante Wachstum neuer Anbieter sowie eine steigende Zahl professionell organisierter „Finanzbetrüger“ erhöhen die Komplexität von Anlageentscheidungen für Verbraucher:innen deutlich. Vor diesem Hintergrund fokussiert die FMA ihre Aufsicht 2026 verstärkt auf kollektiven Verbraucherschutz, Markttransparenz und eine wirksame Bekämpfung unerlaubter Finanzdienstleistungen. Ziel ist es, faire Informationsbedingungen zu schaffen und Vertrauen in digitale Vertriebswege zu stärken.

Für das Jahr 2026 definiert die FMA die folgenden Aufsichts- und Prüfungsschwerpunkte:

  • Digitaler Vertrieb: Koordinierte Aufsichtsmaßnahmen mit einem Fokus auf MiFID-konforme Erstellung von Marketingmitteilungen sowie die Angemessenheit, das Onboarding im digitalen Vertrieb, die konsequente Umsetzung des KYC-Prinzips und die Analyse von Beschwerden stehen im Fokus der FMA, um den Verbraucherschutz weiter zu stärken. Besonderes Augenmerk gilt hier neuen Marktteilnehmern wie Neobrokern und Kryptowerte-Dienstleistern (CASPs);
  • Bekämpfung des Anlagebetrugs: FMA plant eine nationale Allianz gegen Anlagebetrug, da dieser durch das Niedrigzinsumfeld, Digitalisierung, Kryptowährungen, Social Media, KI und Deepfakes stark zugenommen hat;
  • Finanzmarkt 2.0: Über die digitalen Verbraucherinformationskanäle unter der Dachmarke“ Reden wir über Geld” fördert die FMA auch in 2026 die Finanzbildung und Eigenverantwortung von vor allem jungen Menschen;
  • Schadenabwicklung: Der Fokus der FMA liegt hier auf der Prüfung einer fairen und diskriminierungsfreien Schadenabwicklung von Versicherungsunternehmen, insbesondere bei Einsatz digitaler und KI-basierter Systeme;
Gerade jetzt, wenn zahlreiche neue Teilnehmer auf den Finanzmarkt drängen, gewinnt die strikte Einhaltung und Überprüfung von Verbraucherschutzanforderungen an Bedeutung. Durch eine gezielte Aufsicht der FMA auch und vor allem im digitalen Vertrieb soll der kollektive Verbraucherschutz gewährleistet sowie das Vertrauen in digitale Vertriebswege weiter gestärkt werden.

Dominik Damm | Deloitte Banking, Treasury & Capital Markets

Geldwäsche und Sanktionen 

Ab 2026 übernimmt die FMA vollständig die Aufsicht über Finanzsanktionen einschließlich der bisher von OeNB und BMI wahrgenommenen Aufgaben und integriert diese in ihren bestehenden GW/TF-Aufsichtsrahmen. Ziel ist es, globale Risiken frühzeitig zu erkennen und die Stabilität und Integrität des österreichischen Finanzsystems zu sichern. Vor diesem Hintergrund hat die FMA für das Jahr 2026 folgende Aufsichtsschwerpunkte festgelegt:

  • Integration von Finanzsanktionen in die GW/TF-Aufsicht, d.h. Verfolgung eines One-Stop-Shop-Prinzips, um Prozesse zu vereinfachen und effizienter zu gestalten.
  • Europäische und internationale Einbindung, d.h. enge Zusammenarbeit mit der AMLA und Umsetzung der Empfehlungen der FATF aus der Länderprüfung.
  • Neue Geschäftsmodelle und Marktteilnehmer – Schwerpunkt Kryptomarkt, d.h. umfassende Prüfung im Zulassungsverfahren und gezielte Aufsicht von Krypto-Dienstleistern zur Sicherstellung robuster Compliance-Strukturen.
Die zentrale FMA-Aufsicht für AML/CFT & Sanktionen bedeutet: mehr Schutz, stärkere Synergien und effizientere Prozesse – ein richtungsweisender Schritt für einen resilienten Finanzplatz.

Shahanaz Müller | Deloitte Forensic 

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Moderne und leistungsfähige Organisation

Externe Entwicklungen wie KI und demografischer Wandel prägen die Finanzbranche. Die FMA passt sich den dynamischen Anforderungen an: Effizienz und Effektivität stehen im Zentrum – unterstützt durch eine leistungsstarke IT-Infrastruktur, datenbasierte Aufsicht und ein attraktives Arbeitsumfeld. Das zentrale Projekt 360 Grad optimiert durch harmonisierte Prozesse und Workflow-unterstützte Abläufe, die Datenanalysen und den Einsatz von Ressourcen. Automatisierung und KI-Integration sollen dabei den Verwaltungsaufwand reduzieren und gleichzeitig die Qualität und schnelle Informationsverfügbarkeit sicherstellen.


Die zentralen Maßnahmen der FMA in diesem Tätigkeitsbereich umfassen:

  • Projekt 360 Grad View & Workspace: Implementierung einer zentralen, KI-gestützten Arbeitsumgebung für einen vollständigen „Rundumblick ohne blinde Flecken“.
  • Roadmap zur Applikationserneuerung & Data Governance: Konsequenter Ausbau des strukturierten Datenmanagements und Transformation der Datennutzung.
  • Strategische Priorisierung & Ressourcenallokation: Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen zur Steigerung der Kosteneffizienz und Fokussierung auf Kernaufgaben.
Mit der Implementierung des Projektes '360 Grad' schafft die FMA nicht nur eine technologische Plattform, sondern eine kulturelle Transformation. Die Symbiose aus KI-gestützter Prozessführung und integrierter Datensicht soll künftig eine präzisere und risikobasierte Aufsicht in Echtzeit ermöglichen.

Georg Schwondra | Deloitte Cyber Risk

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