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Deloitte Studie: Jede zweite Frau erlebt im Job Benachteiligung

Unternehmen steigen bei Gleichstellung zunehmend auf die Bremse

  • Keine Priorität: Angesichts aktueller Entwicklungen geraten Gleichstellungsmaßnahmen in Unternehmen in Vergessenheit 
  • Schlechte Aufstiegschancen: Fast die Hälfte der Frauen berichtet von Diskriminierung im Job aufgrund des Geschlechts 
  • Hartnäckiger Kampf: Frauen im Top-Management bleiben die Ausnahme 

Das Thema Gleichstellung wird in Österreichs Unternehmen mehr und mehr zur Randnotiz. Wie eine aktuelle Umfrage von Deloitte Österreich zeigt, sind nicht nur Rückschritte bei den Karrierechancen für Frauen spürbar, auch die gläserne Decke in den Führungsetagen hält sich hartnäckig. Angesichts aktueller wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen mag das nicht überraschen, doch Fakt ist: Gleichstellung ist nicht nur ein gesellschaftlicher Auftrag, sondern Voraussetzung für zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg.  

Wien, 2. März 2026 – Das Beratungsunternehmen Deloitte erhebt jährlich zum Weltfrauentag die Parameter von Geschlechtergleichstellung in der österreichischen Wirtschaft. Für die diesjährige Ausgabe wurden rund 600 Unternehmensvertreterinnen und - vertreter  befragt. Das Ergebnis: Auch wenn sich in den vergangenen Jahren Fortschritte beobachten ließen, verliert das Thema in den österreichischen Unternehmen aktuell an Bedeutung.  

Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und politische Umbrüche verschieben die Prioritäten in den österreichischen Unternehmen. Knapp ein Fünftel ist aktuell mit anderen Themen beschäftigt, ein Viertel verfolgt zudem weder Gleichstellungsziele noch eine Gesamtstrategie. Das ist besorgniserregend, denn der wirtschaftliche Mehrwert von Gleichstellung ist evident. Gerade in unsicheren Zeiten lohnt es sich für Unternehmen, jeden Wettbewerbsvorteil zu nutzen, um ihre langfristige wirtschaftlichen Beständigkeit abzusichern.

Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich

Benachteiligung von Frauen im Job ist allgegenwärtig 

Spürbar wird die aktuelle Zurückhaltung vor allem bei den Karrierchancen. Die Fortschritte der vergangenen Jahre gingen teilweise wieder verloren. Aktuell gehen nur 45 % der Befragten davon aus, dass Frauen und Männer unabhängig vom Beschäftigungsausmaß über gleiche  Aufstiegschancen verfügen. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr waren es immerhin noch 50 %. Gleichzeitig ist ein Drittel (33 %) der Ansicht, dass gleiche Chancen für berufliches Weiterkommen für Frauen weiterhin an eine Vollzeitbeschäftigung geknüpft sind.  

Viele Fortschritte der letzten Jahre in Sachen Gleichstellung kehren sich wieder um – das ist problematisch. Zudem gibt jede zweite Frau (49 %) an, mindestens einmal aufgrund ihres Geschlechts im Berufsleben Benachteiligung erlebt zu haben. Das zeigt, wie sich ein strukturelles Ungleichgewicht in der Praxis auswirkt. Es gilt hier dringend Rahmenbedingungen zu schaffen, die insbesondere unbewusste Vorurteile frühzeitig beseitigen und berufliche Weiterentwicklung trotz privater Verpflichtungen in allen Lebensphasen ermöglichen.

Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich

Frauen in oberen Führungspositionen bleiben die Ausnahme 

Nicht nur die Karrierechancen für Frauen insgesamt sind ernüchternd, auch die gläserne Decke hält sich hartnäckig. Zwar ist im Jahresvergleich ein leichter Anstieg von Frauen in Führungspositionen zu verzeichnen – eine nachhaltige Entwicklung ist aber nicht erkennbar. Entsprechend zeichnet sich auch für die Zukunft kaum Bewegung ab: Fast die Hälfte der Unternehmen (46 %) plant keine Erhöhung des Frauenanteils im Top-Management. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen laut den Befragten von der Zurückhaltung von Frauen, Führungspositionen anzustreben, über vorherrschende traditionelle Rollenbilder bis hin zu fehlenden Kinderbetreuungsangeboten.  

Die meisten Unternehmen sehen generell das Fehlen ausreichend qualifizierter Kandidatinnen als wesentliche Ursache. Wenn man bedenkt, dass seit Jahren mehr Frauen als Männer hierzulande Universitäten abschließen, ist das objektiv nicht nachvollziehbar. Vielmehr zeigen sich auch hier strukturelle Barrieren, insbesondere in der Rekrutierung und Karriereentwicklung von Frauen. Karrieresprünge für Frauen sollten im Jahr 2026 nicht mehr an den Rahmenbedingungen scheiten. Der Fokus sollte auf Qualifikation und Potenzial gelegt werden.

Elisabeth Hornberger, Diversity-Expertin bei Deloitte Österreich