Volle Betten allein reichen für viele Tourismusbetriebe längst nicht mehr aus, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Das zeigt der aktuelle Tourismusbarometer 2026 von Deloitte und ÖHV. Steigende Kosten, eine hohe Steuer- und Abgabenlast sowie die geopolitischen Unsicherheiten rund um den Krieg im Nahen Osten setzen die Ertragskraft vieler Betriebe weiter unter Druck. Dieses herausfordernde Umfeld bringt die Betriebe dazu, ihre Geschäftsmodelle zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Wien, 3. Juni 2026 – Jährlich analysieren Deloitte Österreich und die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) den Status quo des österreichischen Tourismus. In diesem Jahr teilten mehr als 200 Touristikerinnen und Touristiker aus ganz Österreich ihre Sicht auf die aktuelle Lage. Dabei zeigt sich: Trotz guter Buchungszahlen bleibt die Stimmung in den Betrieben verhalten.
„Die allgemeine wirtschaftliche Lage
in der Branche wird von den Tourismusbetrieben mit einer Note von 3,2 bewertet – damit hat sich die Stimmung gegenüber dem Vorjahr nochmals verschlechtert. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate sind durchwachsen: Fast jeder zweite Betrieb erwartet eine weitere Verschlechterung. Das unterstreicht den
wirtschaftlichen Druck.“
Andreas Kapferer, Partner bei Deloitte in Tirol
Hohe Kosten belasten die Ertragskraft
Trotz steigender Nächtigungszahlen bleibt bei vielen Tourismusbetrieben deutlich weniger Gewinn übrig als erhofft. Denn hohe Betriebs-, Energie- und Personalkosten sowie die Steuer- und Abgabenlast strapazieren die Ertragslage spürbar. Bei jedem zweiten Betrieb hat sich der Gewinn in den vergangenen drei Jahren schwächer entwickelt als der Umsatz – auf Dauer eine problematische Schieflage. Zusätzliche Unsicherheit bringt der Konflikt im Nahen Osten: Neun von zehn Betrieben rechnen infolge der geopolitischen Lage mit einer weiteren Kostensteigerung.
„Wenn die Ergebnisse der vergangenen zwölf Monate negativ bewertet werden, wenn fast die Hälfte für die kommenden zwölf Monate skeptisch sind und kein einziges Unternehmen einen Lichtblick sieht, dann haben wir nicht ein Problem, sondern viele. Dieses Land braucht vitale Unternehmen, die an die Zukunft glauben und investieren. An einer Standort- und Strukturreform führt kein Weg vorbei, um wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wiederherzustellen.“
Markus Gratzer, Generalsekretär der ÖHV
Leicht entspannt hat sich hingegen die Verfügbarkeit von Arbeitskräften: Die Betriebe vergeben hierfür die Note 3,0 (VJ: 3,3). Dennoch haben 62 % der befragten Betriebe derzeit noch offene Stellen zu besetzen.
Transformation wird zur Notwendigkeit
Der wirtschaftliche Druck hinterlässt zunehmend Spuren in der Tourismusbranche und zwingt viele Betriebe dazu, sich neu aufzustellen. Besonders die Optimierung der Kostenstruktur (76 %) sowie effizientere Betriebsprozesse (56 %) stehen derzeit weit oben auf der Prioritätenliste. Parallel verändern sich auch die Gästebedürfnisse:
„Bereits 63 % der Betriebe berichten von rückläufigen Nebenausgaben. Gespart wird von den Urlauberinnen und Urlaubern vor allem in der Gastronomie, aber auch bei Wellnessangeboten und Upgrades zeigen sich viele zurückhaltender.“
Markus Gratzer, Generalsekretär der ÖHV
Viele Betriebe reagieren bereits mit konkreten Veränderungen: Mehr als zwei Drittel haben ihr Geschäftsmodell angepasst oder planen entsprechende Schritte in naher Zukunft.
„Die Bedürfnisse der Gäste verändern
sich spürbar – und damit auch die Anforderungen an die Betriebe. Der Tourismus war immer eine wandlungsfähige Branche, doch aktuell gewinnt diese Anpassungsfähigkeit nochmals an Bedeutung. Transformation ist heute keine Option mehr, sondern eine zentrale Voraussetzung, um langfristig wettbewerbsfähig und erfolgreich zu bleiben.“
Andreas Kapferer, Partner bei Deloitte in Tirol
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